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Jugend mit Vertreibung konfrontiert

»4. Kulturfestival der deutschen Minderheit in Polen« mit Heino in Breslaus Jahrhunderthalle

Der „Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen“ (VdG) und die „Deutsche Sozial-Kulturelle Gesellschaft in Breslau“ (DSKG Breslau) haben in Breslau das „4. Kulturfestival der deutschen Minderheit in Polen“ durchgeführt. Die polnische Regierung wurde unter anderem vom Staatssekretär im Ministerium für Administration und Digitalisierung Włodzimierz Karpinski und die deutsche vom Parlamentarischen Staatssekretär beim Bundesminister des Inneren Christoph Bergner repräsentiert. Ein Grußwort richtete auch der polnische Präsident Bronislaw Komorowski an die Anwesenden. Anwesend waren auch die Abgeordneten Ryszard Galla und Henryk Siedlaczek sowie der Botschafter Rüdiger von Fritsch.
In der modernistischen Jahrhunderthalle, die von Max Berg Anfang des 20. Jahrhunderts entworfen wurde, trafen sich Deutsche aus allen Teilen der Republik Polen. Die Tanzgruppen, Chöre, Musikgruppen, Solisten, Orchester, Tanzpaare, Gesanggruppen aus Schlesien, Pommern, Ermland und Masuren sowie Großpolen zeigten die Vielfalt der deutschen Kultur. Aus Ostpreußen kamen der Frauenchor „Masurenklang“ aus Peitschendorf, die Volkstanzgruppe „Saga“ aus Bartenstein, der Chor „Vaterhaus“ aus Allenstein, der Chor aus dem Neidenburger Verband und die Theatergruppe aus Ermland und Masuren.
Die letzte Gruppe ist aus den Jugendlichen entstanden, die zu den deutschen Verbänden in Mohrungen, Heilsberg und Ortelsburg gehören und während der Sommerferien das Theaterstück „Der vierte Platz“ von Horst Mönnich vorbereitet haben. Das Werk handelt vom schweren Schicksal einer westpreußischen Familie nach 1945, die seit vielen Jahren in Sobowitz westlich von Danzig ihre Heimat hatte. Der Protagonistin Ilse Bandomir (in dieser Rolle Kamila Manka) gelingt es, mit den zwei älteren Kindern Wolf und Christa in den westlich von Oder und Neiße liegenden Teil Deutschlands ausgeflogen zu werden, aber die zwei kleinen Söhne Joachim und Jürgen bleiben in Sobowitz. Die Mutter will die beiden schnell abholen, aber sie wurden während der Kriegswirren getrennt. Hier fängt die jahrelange Kindersuche an. „Der vierte Platz“ ist nicht nur die Geschichte einer Familie nach dem Zweiten Weltkrieg, sondern auch eine Auseinandersetzung mit der Frage, ob es eine Kollektivschuld aller Deutschen an den Verbrechen des Nationalsozialismus gibt. Mönnich zeigt, dass nichts weiß oder schwarz ist. Er versucht, das Einzelereignis in der Geschichte seiner Zeit verstehbar zu machen und zeigt ein individuelles Schick­sal, Leid, Schmerz. 
Wie Ilse Bandomir in Mönnichs Werk flohen bis Anfang der 50er Jahre Millionen Deutsche aus Pommern, Danzig sowie West- und Ostpreußen. Die Flüchtlinge und Aussiedler kamen auch aus Schlesien, dem Sudetenland, Ungarn, Rumänien und Jugoslawien. Das Leid der Deutschen ist in Polen ganz oft noch Tabuthema oder sogar ein unbekannter Teil der Weltgeschichte. Deswegen war die Wahl von Mönnichs Werk für ein Jugendprojekt nicht eine selbstverständliche Entscheidung. Es hat sich herausgestellt, dass die jungen Projektteilnehmer ihren Rollen gewachsen sind und die Tatsache, dass dieses Theaterstück während des Kulturfestivals der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen aufgeführt wurde, zeigt, dass die junge Generation vorbereitet ist, über dieses schwere Kapitel der Geschichte zu sprechen. Für die jungen Schauspieler war die Teilnahme an diesem Projekt nicht nur Spaß, sondern auch Geschichtsunterricht.
Die Regie des Stücks hat Ewa Huss-Nowosielska aus dem deutschen Verband in Heilsberg übernommen. Das Projekt wurde von der Landsmannschaft Ostpreußen und dem Bund Junges Ostpreußen finanziert und von der Mitarbeiterin des LO-Verbindungsbüros in Allenstein, Edyta Gładkowska, koordiniert.
Außer der Kultur spielte während des Festivals auch die Bildung eine große Rolle. Das Thema wurde während der Debatte „Schulwesen als Fundament des Aufbaus der Minderheitenidentität“ behandelt.
Der Star des Festivals war Heino. Teile seines Auftritts kann man auf der Internetseite youtube anschauen. Die Jugend der deutschen Volksgruppe hat noch an der darauffolgenden Party in der wunderschönen Breslauer Altstadt teilgenommen. Das 4. Kulturfestival der deutschen Volksgruppe in der Republik Polen zeigte die kulturellen Bedürfnisse der deutschen Verbände und hat aufgezeigt, welche Art von Aktivitäten die junge Generation anziehen kann, hingewiesen. E.G.

Veröffentlicht am 17.10.2012
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