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Deutsche Vereine tagten in Sensburg

Thema: Deutschunterricht als Minderheitensprache im polnischen Bildungssystem – Neue Tagungsleitung
Deutsch als Minderheitensprache: Tagungsleiter Chilla und Referent Karolkiewicz (von links) Bild: Uwe Hahnkamp

Für den 18. und den 19. März hatte die Landsmannschaft Ostpreußen die Vorsitzenden und Delegierten der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen zur jährlichen Arbeitstagung ins Hotel „Anek“ in Sensburg eingeladen. Schwerpunktthema war der Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache in der Republik Polen im Allgemeinen und der Woiwodschaft Ermland und Masuren im Besonderen.


Der Frühling beginnt, die Projektarbeit der Gesellschaften der Deutschen Minderheit nimmt Fahrt auf und die jährliche Delegiertenversammlung des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren VdGEM steht an. Beinahe schon traditionell treffen sich im Anschluss daran die Vertreter der Organisationen zur Arbeitstagung der deutschen Vereine, welche die Landsmannschaft Ostpreußen (LO) für sie veranstaltet. Seit einigen Jahren findet sie in Sensburg im Hotel „Anek“ statt.
Neu in diesem Jahr war dagegen der Leiter der Veranstaltung. Dieter Chilla, der Vorsitzende der Kreisgemeinschaft Ortelsburg, hat die Nachfolge von Gottfried Hufenbach im Vorstand der Landsmannschaft angetreten und die entsprechenden Verpflichtungen übernommen. Für ihn war es eine erste Gelegenheit, sich einen Überblick über die Gesellschaften der Deutschen Minderheit und ihre Aktivitäten zu verschaffen.
Das Schwerpunktthema der Arbeitstagung war für den früheren Lehrer und Schulleiter Chilla genau das richtige Einstiegsthema. Nationale Minderheiten in der Republik Polen haben das Recht, auf Antrag für ihre Kinder in der Schule Unterricht in ihrer Sprache als Minderheitensprache zu erhalten. Dieser enthält zum einen eine erweiterte Stundenzahl Sprachunterricht, zum anderen zusätzliche Einheiten in Kultur und Geschichte der jeweiligen Minderheit, wodurch er sich bewusst vom Unterricht dieser Sprache als Fremdsprache unterscheidet. Es besteht in diesem Rahmen auch die Möglichkeit, in der Schule andere Fächer in der Minderheitensprache anzubieten.
Über die einzelnen Schritte, die unternommen werden müssen, um Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache zu organisieren, informierte der Bildungsberater des Verbands der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen VdG Ryszard Karolkiewicz. Neben einer atmosphärischen Vorbereitung mit einem frühzeitigen Kontakt mit Schulleitung, Lehrern und Deutscher Minderheit, die möglichen Einwänden früh den Wind aus den Segeln nehmen kann, gibt es rechtliche Rahmenbedingungen, so Karolkiewicz: „Die Möglichkeit eines solchen Unterrichts muss in der Schulsatzung verankert sein. In der Grundschule sind Anträge von sieben Eltern von Kindern einer Klassenstufe notwendig, dann muss die Schulleitung entsprechend weiter verfahren.“
Breiten Raum widmete Karolkiewicz auch den Konsequenzen einer solchen Entscheidung. Für die Schule etwa, die Stundenpläne anpassen und entsprechende Lehrer suchen muss, aber über die zusätzliche staatliche Finanzierung für diesen Unterricht auch profitiert, und für Schüler und Eltern: „Deutsch als Minderheitensprache bedeutet vor allem auch zusätzlichen Unterricht. Es bietet große Chancen und ist ein großes Privileg, dennoch sollte man überlegt entscheiden.“
Über die alltägliche Praxis der Arbeit in der Grundschule berichtete Jolanta Przybysz, die in Nikolaiken die Schüler der 1. bis 3. Klasse unterrichtet. Unterlegt mit Bildern von verschiedenen thematischen Ausflügen zu früheren Gutshäusern, aber auch von einer Baumpflanzaktion mit einem Deutsch sprechenden Förster, schilderte sie die Herausforderungen, die die Umsetzung des Bezugs zur Minderheit an die Deutschlehrer stellt.
Die aktuelle Situation des Unterrichts wie etwa Schulungen von Lehrern, notwendige Schulbücher und Stand der Schul- und Schülerzahlen war Thema von Sabina Wylengowska. Die Vorsitzende der Neidenburger Gesellschaft der Deutschen Minderheit ist Deutschlehrerin und im Kreis Neidenburg seit Jahren aktiv für Deutsch als Minderheitensprache. Zwar lernen es immer mehr Schüler, es kommen auch weitere Schulen dazu, aber es gebe auch dunkle Wolken, sagte sie: „Im Kreis Sensburg und bei uns gab es Anfragen an das polnische Parlament und Vorwürfe über die Medien.“ Die dort angeführten Behauptungen konnten bei einer Kontrolle des Bildungskuratoriums der Woiwodschaft in den Schulen entkräftet werden, zeigen jedoch das Ausmaß des Widerstands gegen solchen Unterricht. „Die Schulen sind nach der Kontrolle nur noch besser. Es gibt neue Nachfragen von Eltern. Für uns war es letztendlich gute Werbung“, resümierte Wylengowska.
Als Entspannung nach dem intensiven Sonnabend hatten die Organisatoren der Tagung für die Teilnehmer am Abend einen Film im Angebot – einen Ausschnitt  aus der DVD-Box von Hermann Pölking „Ostpreußen – Panorama einer Provinz“, in der historische Filmaufnahmen aus den Jahren 1913 bis 1945 zusammengestellt sind. Die Reaktionen des Publikums zeigten deutlich, dass selbst für die Bewohner der gezeigten Städte und Ortschaften solche Aufnahmen neu waren.
Nicht zuletzt dient die Arbeitstagung der Vorsitzenden und Delegierten der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen der Begegnung der in der Diaspora lebenden einzelnen Gruppen und Menschen der Region und dem Austausch von Informationen zu ihren Plänen. Dafür war der Sonntagvormittag angesetzt, an dem die anwesenden Vertreter ihre Projekte für das Jahr 2017 und darüber hinaus schriftlich festhielten und vorstellten. Sehr zur Freude von Tagungsleiter Chilla, der so sehr schnell ein umfangreiches Bild der vielseitigen Tätigkeit der Vereine gewinnen konnte.     Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 29.03.2017
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