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Ein Däumling, allen wohlbekannt

Beim Deutschlandtreffen in Kassel dabei: Schauspieler Herbert Tennigkeit, der für heitere Momente sorgt
Ohne Kaffee keine Lesung: Schauspieler und Rezitator Herbert Tennigkeit Bild: Bel

In diesem Jahr feiert Herbert Tennigkeit sein 50. Bühnenjubiläum. Der Jahrestag fällt in die Zeit des Deutschlandtreffens der Ostpreußen, das am 17. und 18. Mai in  Kassel stattfindet. Der aus der Tilsiter Gegend stammende Schauspieler, der am 28. Februar seinen 77. Geburtstag feiert, wird dort Erzählungen, Gedichte und Bonmots aus seiner Heimat vortragen.

Als Bühnenmime und Rezitator hat Tennigkeit in seinen 50 Berufsjahren fast die ganze Republik sowie auch Ostpreußen bereist. Und als Serienstar in TV-Produktionen wie „Schwarzwaldklinik“, „Traumschiff“, „Großstadtrevier“ oder „Kreuzfahrtreise ins Glück“ hat er sogar die halbe Welt gesehen. Trotzdem gibt es für ihn noch einen weißen Fleck auf der Landkarte: Kassel.

Tennigkeit: Kassel kenne ich nur als Zugreisender. Ich bin da immer durchgefahren, wenn ich mal nach München musste. In Kassel bin ich nie aufgetreten. Meine Lesung beim Deutschlandtreffen kann man als mein Debüt dort bezeichnen.

Seine ostpreußischen Landsleute kennen ihn schon von den früheren Deutschlandtreffen. In Leipzig, Düsseldorf und Köln hat er Vorlesungen gegeben oder auch bei bunten Abenden die Moderation übernommen. Wer ihn damals erlebt hat, weiß von dem begeisterten Applaus zu berichten, nachdem Tennigkeit mit seinem ostpreußischen Zungenschlag die Zuhörer immer wieder zum Lachen brachte. Was hat er für Kassel geplant?

Tennigkeit: In Kassel ist eine Lesung geplant. Ich habe Texte meines guten Freundes Siegfried Lenz sowie Arno Surminiskis im Programm. Und ich habe außerdem einige Dichter im Gepäck, die keinen großen Namen haben wie die Ostpreußin Ingrid Koch. Sie hat wunderschöne Gedichte geschrieben, die mir sehr ans Herz gehen.

PAZ: Das klingt nach Wehmut. Haben Sie denn auch wieder Heiteres im Gepäck?
Tennigkeit: Aber ja! Ich beginne immer mit den schweren Sachen aus der Kriegszeit und der Vertreibung. Danach gehe ich langsam über zu heiter-fröhlichen Texten wie jenen von Günther Ruddies. Die Leute sollen heiter nach Hause gehen und nicht „bedriebst“, wie der Ostpreuße sagt.

Das ostpreußische Idiom ist es, das kein anderer Vortragskünstler so beherrscht wie Tennigkeit. „Wie man mir immer wieder bestätigt, bin ich einer der ganz wenigen  Rezitatoren in Deutschland, der diesen Dialekt beherrscht“, sagt er.
Obwohl er schon lange in Hamburg lebt, wohin ihn die Liebe, aber auch ein Engagement bei den Karl-May-Festspielen in Bad Segeberg ge­führt haben, so hat er das Idiom seiner Heimat nie vergessen. Er fühlt sich mit seinen Landsleuten sehr verbunden, sagt er.
Nachdem er im August 1944 mit der Familie aus seinem Dorf Pogegen fliehen muss­te, hat er Ostpreußen etwa achtmal bereist. So tief ist die Sehnsucht.

Tennigkeit: Bei meiner ersten Reise wollte ich unbedingt mein Pogegen wiedersehen, meinen Sandkasten, meinen Apfelbaum, meine Schule und unser blau angestrichenes Holzhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Als ich dort ankam, habe ich einen Jubelschrei herausgelassen: „Es steht noch, es steht noch!“ So viele Jahre waren vergangen, und dann stand ich damals wieder wie in der Vergangenheit, weil ja noch alles da war. Das war emotional so aufwühlend, dass mir ein paar Tränchens geflossen sind.

PAZ: In Ostpreußen hat sich inzwischen viel verändert. Mit welchen Gefühlen würden sie jetzt dorthin fahren?
Tennigkeit: Ich fahre nicht mehr mit einem Gefühl der Trauer in die Heimat. Die habe ich mittlerweile abgelegt. Aber wenn ich dann zurückfahre, sage ich mir immer wieder: So, das war das letzte Mal, jetzt kommst du nicht wieder her. Es tut immer so weh, wenn ich zurückfahre.

PAZ: Werden Sie trotzdem wieder zurückkehren?
Tennigkeit: Ja, und zwar schon am 29. April! Dann habe ich einen großen Le­sungsauftritt in der Königsberger Handelskammer und trage ein wenig zur deutsch-russischen Freundschaft bei.

Der Künstler denkt gar nicht daran, einen Ruhestand zu genießen. Einmal Schauspieler, immer Schauspieler. Im Prinzip hat er es mit der Muttermilch aufgesogen. Die Mutter war mu­sisch begabt und brachte ihm die Lie­be zur Musik bei. Schon in der Grundschule in Pogegen stand er auf der Bühne und rezitierte ein Gedicht, das er noch heute auswendig kann: „Ich bin der kleine Däumling, euch allen wohlbekannt.“
Nach der Flucht in den Westen, die ihn über Berlin ins Ruhrgebiet  führte, musste er zunächst einen handwerklichen Beruf lernen und wurde Anstreicher. 1962 hängte er den Pinsel an den Nagel und kam als Bühnentechniker in Oberhausen mit dem Theater in Berührung. Mit dem Gehalt finanzierte er sich private Gesangs- und Schauspielstunden. Mit Erfolg: Er erhielt danach sofort erste Theaterengagements. Anfang der 70er hatte er seine ersten „Tatort“-Rollen, stand mit seinem Tilsiter Landsmann Armin Mueller-Stahl in Bernhard Wickis Kinofilm „Das Spinnennetz“ vor der Kamera und wurde als Anästhesist in der „Schwarzwaldklinik“ bundesweit bekannt.

PAZ: Auch in späteren Serien waren Sie auf die Arzt-Rolle abonniert. Wie kam es dazu?
Tennigkeit: Wolfgang Rademann war schuld. Der Produzent der „Schwarzwaldklinik“ hat mir die Rolle anvertraut. Plötzlich kam ich da nicht mehr raus. Ich wollte auch nicht, denn für Rademann, mit dem ich gern zusammengearbeitet habe, hätte ich alles gespielt, was er mir anbot.

PAZ: Gibt es denn darüber hinaus noch eine Lieblingsrolle?
Tennigkeit: Aber ja: der Hauptmann von Köpenick. Der Schuster Wilhelm Voigt, der sich als Hauptmann ausgegeben hat, kommt ja aus Ostpreußen, und zwar ganz aus der Nähe meines Heimatorts. Harald Juhnke hat ihn auf Berlinerisch gespielt. Ich möchte der erste Schauspieler in Deutschland sein, der den Hauptmann in seinem original ostpreußischen Idiom spricht. Ja, das wäre mein Traum. Harald Tews

Veröffentlicht am 12.02.2014
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