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Letzte Ruhe in Bartossen

Nach 70 Jahren: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge sorgte für Umbettung von 2974 Toten
Feierliches Umbettungszeremoniell: Die Überreste deutscher Toter werden auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Bartossen beigesetzt. Bild: E.G.

Am 15. Juli wurden die bei Bauarbeiten in Thorn entdeckten Gebeine von knapp 3000 Toten des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit feierlich bestattet. In Bartossen [Bartosze] fanden sie ihre letzte Ruhestätte.


Auf dem deutschen Sodatenfriedhof in Bartossen fand bei einer feierlichen Zeremonie die Beisetzung von 2974 deutschen Kriegstoten statt. Die sterblichen Überreste der vor gut 70 Jahren Umgekommenen wurden Ende vergangenen Jahres bei Bauarbeiten in Thorn [Torun] gefunden und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge umgebettet. Es handelte sich um Kriegsgefangene und Zivilisten, darunter auch  Frauen und Kinder, die in einem sowjetischen Internierungslager, zu dem auch ein großes Lazarett gehörte, ums Leben gekommen sind. Die Mehrzahl der Toten bleibt wahrscheinlich unbekannt. Es wurden 200 Erkennungsmarken gefunden, 50 von ihnen konnten identifiziert werden.
Gut 70 Jahre nach Kriegsende konnten die Toten aus Thorn nun endlich würdig bestattet werden. Die Grube mit Reihen von schwarzen Särgen wirkte auf die Teilnehmer der Zeremonie eindrucksvoll. Zu Beginn der feierlichen Beisetzung zitierte Tore May, Bundesvorstandsmitglied des Volksbundes, aus einem Brief, den der Volksbund nach dem Fund der Gebeine in Thorn erhalten hatte. Der Verfasser des Briefs ist Fritz Hieckmann, geboren 1922, Teilnehmer am Zweiten Weltkrieg und Kriegsgefangener in Thorn. Er schilderte seine Erlebnisse und sagte, er könnte auch hier liegen. So beschrieb der Zeitzeuge die damaligen Ereignisse: „… Im eingeschlossenen Graudenz an der Weichsel gerieten wir in russische Kriegsgefangenschaft. … Nach einem Drei-Tagemarsch, ohne Wasser und Speise, erreichten wir Thorn. Unterwegs schlürften viele Kameraden aus den dreckig-blutigen Pfützen der vereisten Straße das Wasser. Vor dem russischen Gefangenenlager umherliegend erhielten wir erste Nahrung. Es gab amerikanisches Schmalzfleisch. Mit Heißhunger verschlangen wir das Fett … und bekamen die Ruhr. … In der Nacht kam ich, auf einem ‚Haufen‘ Toter liegend, kurz zu mir. Ich spürte die Kälte und die warme, kostbare Flüssigkeit aus meinem Körper sickern. Ach hätte ich jetzt die Tannalbin-Tabletten, von denen ich doch einmal eine Handvoll in einem Lazarett stiebitzte und an meine Kameraden verteilte. Hatte ich nicht damals eine der in Packpapier eingerollten Tablettenpackungen in meine Fallschirmjäger-Hosentasche gesteckt? Es gelang mir, diese komplett in den Mund zu befördern. Als ich dann wieder zu mir kam, fühlte ich mich in der Lage, langsam vom ‚Haufen‘ zu kriechen. … Später sah ich dann, wie Kameraden die vielen Toten auf Tafelwagen legten und sie dann ohne Zugpferde aus dem Lager schoben. Ich erfuhr, dass sie die Toten in große Gruben geworfen hatten. … 1949 kam ich nach Hause. Ich habe nicht mehr geglaubt, jemals noch etwas von Thorn zu hören. Durch diese wunderbare Tätigkeit des Volksbundes mit der Umbettung und der Pflege … bin ich sehr glücklich und danke allen beteiligten Helfern ganz herzlich. Ich wünsche allen beste Gesundheit für ein mindestens so langes Leben, wie ich es trotz allem haben durfte. Viel Erfolg bei der Erhaltung dauernden Friedens!“
Nach dem Vorlesen des erschütternden Briefes fanden die 2974 deutschen Toten aus Thorn ihre letzte Ruhestätte in Bartossen. Stellvertretend wurden den Ehrengästen fünf Särge übergeben und von ihnen beigesetzt. Anschließend wurden noch 24 Tote des Ersten Weltkrieges, die an der Schnellstraße bei Bialystok gefunden worden waren, bestattet.
Zur feierlichen Beisetzungszeremonie gehörte ein ökumenischer Gottesdienst, der von Pastorin Monika Zuber und den Pfarrern Zygmunt Sedziak und Dariusz Zuber gehalten wurde, anschließend fand ein Totengedenken und die Kranzniederlegung statt. Die Gäste steckten auch kleine Holzkreuze mit den bekannten Namen und mit einem symbolischen blaugelben Vergissmeinnicht am Rande des Grabes ein. Vor der Zeremonie in Bartossen fand eine stille Kranzniederlegung zum Gedenken an die polnischen Kriegstoten auf dem Kommunalfriedhof in Lyck [Ełk] auf dem dortigen Kriegsgräberfeld statt. An der Umbettungszeremonie in Bartossen nahmen der deutsche Militärattaché Oberst i. G. Andreas Meister, die polnischen Vertreter der Gemeinden Thorn, Lyck und Bartossen, der Woiwodschaft Ermland und Masuren, des Polnischen Roten Kreuzes, der Feuerwehr und Polizei Lycks, Vertreter der deutschen Volksgruppe aus Lyck und Elbing und die Repräsentantin der Landsmannschaft Ostpreußen in Allenstein, sowie eine sächsische Volksbund-Reisegruppe teil.
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. ist eine humanitäre Organisation. Er widmet sich im Auftrag der Bundesregierung der Aufgabe, die Gräber der deutschen Kriegstoten im Ausland zu erfassen, zu erhalten und zu pflegen. Im Rahmen von bilateralen Vereinbarungen erfüllt der Volksbund seine Aufgabe in Europa und Nordafrika. Er betreut heute 833 Kriegsgräberstätten in 46 Staaten mit etwa 2,7 Millionen Kriegstoten.
Im Zweiten Weltkrieg sind in der Republik Polen insgesamt fast eine halbe Million deutsche Soldaten gefallen. Viele von ihnen ruhen auf den insgesamt zehn Kriegsgräberstätten des Volksbundes in der Republik Polen, unter anderem auch in Bartossen. Dazu kommen etwa 550 denkmalgeschützte Kriegsgräberstätten des Ersten Weltkrieges. Der Volksbund wird bei seinen umfangreichen Arbeiten in Polen durch die 1994 gegründete deutsch-polnische Stiftung Pamiec (Gedenken) speziell bei Umbettungs-, Bau- und Pflegemaßnahmen unterstützt.
Nach der Umbettungszeremonie in Bartossen lud die Deutsche Minderheit aus Lyck zum Empfang ein. In ihrem Sitz bei dem Wasserturm in Lyck wurde die deutsche Gesellschaft vom Volksbund für die Pflege der deutschen Kriegsgräberstätte in Bartossen ausgezeichnet.     Edyta Gladkowska

Veröffentlicht am 26.07.2017
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