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Wolfskinder im litauischen Parlament

Wilna: Erstmals konnten Betroffene über ihr schweres Schicksal im Zentrum der litauischen Macht berichten
Im Seimas (Parlament) gezeigt: Schautafeln zeugen vom Leidensweg einzelner Wolfskinder, deren Weg visuell veranschaulicht wird Bild: Froese

Im litauischen Parlament in Wilna (Vilnius) ist die Ausstellung „Wolfs­kinder: Auf dem Brotweg von Ostpreußen nach Litauen 1945–1948“ eröffnet worden. Sie zeichnet einen Weg voller Verzweiflung und Lebenswillen in einer Zeit voller Gewalt nach.

Diese Kinder sind Teil der Geschichte Litauens geworden. Und dies in einer Zeit, als das litauische Volk selbst Schreckliches erlitten hatte und erneut erlitt: Der eigenen Staatlichkeit beraubt, vom Dritten Reich im Hitler-Stalin-Pakt verraten und ausgeliefert: Sowjetischem Terror gegen die Litauer folgte die deutsche Besatzung im Krieg, mit immensen Opfern unter der jüdischen Gemeinde, dann erneute sowjetische Besatzung mit der Anmaßung Stalins, ganze Völker mit Mord, Totschlag und Sklaverei bestrafen zu dürfen, wenn sie ihm, dem „Führer und Lehrer aller Völker“, nicht botmäßig waren.
Die Litauer waren und blieben Patrioten, sich selbst treu, und sie widerstanden den Ideologien der einfachen Geister. Ihre wenigen regulären Soldaten kämpften von 1940 bis 1952 einen aussichtslosen, aber wegweisenden Kampf um Heimat und Freiheit. In den Wäldern kreuzten sich ab 1944 ihre Wege mit denen der Kinder aus Ostpreußen. Sie verband ein gemeinsamer Feind: die Sowjetsoldaten, die ihre Familien vergewaltigten, abschlachteten und in die Sklaverei verschleppten: 132000 Litauer wurden in die Sklaverei gezwungen, 70 Prozent von ihnen waren Frauen und Kinder. 30000 von ihnen starben durch die direkten Maßnahmen. 50000 kamen aus Sibirien nie wieder nach Hause zurück.
Das Grauen, das die Einwohner Ostpreußens ereilte, Deutsche, Litauer, Masowier und Polen, sowie Fremd- und Zwangsarbeiter war gleichfalls unbeschreiblich. „Im Nachkrieg in dieser Zeit starben im Königsberger Gebiet über 100000 Menschen. Das waren 50 Prozent der Bevölkerung,“ so Wolfgang von Stetten. Für die Erlebnisse der Familien fanden die Überlebenden zumeist keine Worte mehr. Die Kinder haben, so sie denn zu den Überlebenden gehörten, alles mit angesehen, alles miterlebt, mit durchlebt.
Der grausame Tod ihrer nächsten Angehörigen war begleitet von Erniedrigung und Hilflosigkeit. Von Stellen: „Im Königsberger Gebiet, heute Kaliningrad, herrschte sowjetischer Terror. Frauen, junge Mädchen wurden vergewaltigt. Oft im Beisein ihrer Kinder oder Geschwister. Wer sich wehrte, wurde erschossen.“
Etwa 25000 Kinder waren so obdach-, eltern- und heimatlos geworden. Sie wanderten jahrelang zu Fuß oder als versteckte Mitfahrer auf den Güterzügen. Eisenbahnmiliz und Sowjetsoldaten warfen sie als Feinde mitleidlos von den fahrenden Zügen. Vom Hunger gepeinigt, aßen sie Hunde, Katzen, Mäuse, Ratten und Aas. Für etwas Essbares, und war es noch so wenig, legten sie viele Kilometer zurück und bekämpften sich untereinander erbarmungslos. Hunger und Angst waren die ständigen Begleiter ihrer Kindheit. Tausende Kinder, Halbwüchsige mit kleinen und kleinsten Geschwistern im Alter von zwei, drei Jahren strebten Richtung Litauen. Sie waren dabei ständig von Hungertod, Vergewaltigung und Mord durch Sowjetsoldaten und Plünderer bedroht.
Es war vor allem die Initiative der Wolfskinder selbst, dass diese in jeder Hinsicht historische Wanderausstellung in diesen Tagen im litauischen Parlament eröffnet werden konnte, in der sie exemplarisch ihre ganz eigene Geschichte erzählen. Über 30 von ihnen waren selbst erschienen. Herzlich, voller Freude, die anderen Überlebenden zu treffen, dankbar gegenüber ihren litauischen Freunden und ihren deutschen Unterstützern.
Die litauischen Abgeordneten wie der Vorsitzende des Seimas, Professor Viktoras Pranckietis, Audronius Ažubalis oder Vida Aciene suchten das Gespräch mit deutschen Vertretern und Wolfskindern. Der Schirmherr der Ausstellung, Arvydas Anušauskas, hob hervor, dass die tragischen Schicksale der Kinder, die Opfer dieses schrecklichen Krieges waren, in der Zeit der Sowjetunion verschwiegen wurden. Die Generaldirektorin des litauischen Forschungs-Zentrums für Genozid und Widerstand, Terese Birute Burauskaite, berichtete, wie sie durch Angelika und Olaf Pasenau auf die Schicksale der 25000 Kinder aufmerksam gemacht wurde und wie schwierig es für die Opfer war, über einen Teil ihrer Erlebnisse zu sprechen. Der Direktor des Museums für die Opfer des Genozids, Eugenijus Peikštenis, kündigte an, dass die Ausstellung zunächst in Litauen, aber ab 2018 auch in Deutschland zu sehen sein werde.
Der vormalige Botschafter Litauens in Deutschland, Deividas Matulionis, und die deutsche Botschafterin, Jutta Schmitz, konnten den Eindruck echter Völkerverständigung mitnehmen. Die deutschen Redner dankten wie von Stetten in seiner Rede dem litauischen Volk, weil sie 10000 bis 15000 Kinder aus Ostpreußen vor dem Hungertod bewahrt haben. Für die Landsmannschaft Ostpreußen nahm der stellvertretende Sprecher Hans-Jörg Froese an dieser bewegenden Veranstaltung teil.     Gunnar Digutsch

Veröffentlicht am 28.06.2017
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Kommentare

Bettina Gerlach: 3. Juli 2017, 02:53 Uhr
Wurde mich freuen Wenn Diese Ausstellung auch nach Hamburg kommen würde , ich suche seit mehr als 25 Jahren nach Tante Erika Irmgard Sell & Helmut Werner Sell , Sie sind Geschwister. geboren im Kreis Goldap "1936 & 1939" beide Wolfskinder , Sie fielen beide bei der Flucht vom Wagen & gelten seitdem Als vermisst .Um Hinweise wäre ich Dankbar ????
DANKE

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