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Ostpreußen steuerten positive Beispiele bei

Aus ganz Deutschland reisten die Teilnehmer an, um im Haus Schlesien über den Erhalt der Heimatstuben zu diskutieren
Ortelsburger Heimatstube in Herne: Schaufenster ostdeutschen Kulturgutes. Eine von 500 ähnlichen Einrichtungen Bild: Göllner

Die Zahl ist beeindruckend: Mehr als 500 Heimatsammlungen aus zwanzig ehemals ostdeutschen Regionen ergänzen derzeit das in großen Landesmuseen oder landsmannschaftlich geführten Institutionen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zusammengetragene Kulturgut. Die zunächst als soziale Stuben, Archive und Patenschaftsräume bezeichneten Einrichtungen gelten als Schaufenster der jeweiligen Herkunftsregion und informieren über deren historische und aktuelle Bedeutung in Europa.
Die Heimatsammlungen fortzuführen wird allerdings immer schwieriger – sei es aus Kostengründen oder Raummangel, vor allem jedoch vor dem Hintergrund der älter werdenden, meist ehrenamtlich tätigen Betreuerinnen und Betreuer. Das Schicksal des ostdeutschen Kulturgutes stand jüngst gleich zweimal im Fokus von Tagungen im Haus Schlesien, einem Kulturzentrum im nordrhein-westfälischen Königswinter. Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen mit Sitz in Bonn unterstützte beide Veranstaltungen. Die PAZ berichtet bereits über die erste Tagung (PAZ 49/16, Seite 20).
An der Fortsetzung des Projektes unter dem Motto „Erhaltung von ostdeutschem Kulturgut und Unterstützung der ostdeutschen Heimatsammlungen“ beteiligten sich aus ganz Deutschland angereiste Betreuerinnen und Betreuer von Sammlungen. Es hat sich auch bei diesem Treffen einmal mehr gezeigt, dass nach wie vor großer Informations- und Beratungsbedarf besteht und der Dialog mit Experten und Gleichgesinnten gerne angenommen wird. Auch wenn einige Teilnehmer über die Perspektive ihrer Sammlungen besorgt waren, gab es mitunter Vertreter von gut funktionierenden Häusern, die mit ihren Berichten für eine optimistische Stimmung sorgten. Wichtig war allen, mit ihren Sammlungen zur Bewahrung der Identität der jeweiligen Volksgruppe beizutragen sowie das gesammelte ostdeutsche Kulturerbe den nachkommenden Generationen fachgerecht zu überlassen.
Ein positives Beispiel stellte Ute Eichler, verantwortlich für Archiv, Heimatmuseum und Geschäftsstelle der Kreisgemeinschaft Lötzen in der Patenstadt Neumünster, vor. In ihrem Vortrag bot sie einen Rückblick auf die ersten 50 Jahre der Lötzener Heimatsammlung, auf die Neuordnung des Sammlungsbestandes sowie nicht zuletzt auf die guten Kontakte zum Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und zum Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen. Mit Blick in die Zukunft verwies die Rednerin auf das umfangreiche Veranstaltungs- und Begegnungsprogramm des Jahres 2017, das sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Dieter Eichler vorbereitet. Allerdings, so Ute Eichler, haben auch die Lötzener in Zukunft finanzielle Hürden zu bewältigen.
Im Vortrag „Patenschaft und Partnerschaft, ein Gegensatz?“ informierte Damian Spielvogel von der Landsmannschaft Schlesien in Königswinter über die erfolgreich geführte Hindenburger Heimatsammlung in der Patenstadt Essen. Die Kultur- und Erinnerungsstätte mit den Schwerpunkten „Hindenburg OS gestern – Zabrze heute“ spricht mit ihrem modernen Ausstellungs-Konzept sowohl Vertriebene und Aussiedler als auch deren Nachkommen und nicht zuletzt die Einwohner des Ruhrgebietes an.
 Zu den Referenten, die für die Tagung gewonnen werden konnten, gehörte Klaus Mohr vom Sudetendeutschen Archiv in München, der in seinem Vortrag auf „Aktuelle Probleme der Sudetendeutschen Heimatsammlungen“ verwies. Anhand von Beispielen aus seinem Wirkungskreis sprach Mohr Schwierigkeiten an, die auch andere Heimatsammlungen bewältigen müssen. Er bot Hinweise und Lösungsansätze zum fachgerechten Umgang mit den Sammlungsstücken – von der systematischen Erfassung und Inventarisierung bis hin zur Aufbereitung für die Präsentation im Internet.
Um „Angewandte Museumsdidaktik für Heimatsammlungen“ ging es im Vortrag von Maike Trentin-Meyer, der Leiterin des Deutschordensmuseums in Bad Mergentheim. Aufgrund ihrer Erfahrung mit der Neugestaltung der Ausstellungskonzeption im eigenen Haus konnte die Referentin den Tagungsteilnehmern konkrete Anregungen für die Arbeit in ihren Heimatstuben bieten. Ausschlaggebend für eine gelungene Präsentation seien – so Trentin-Meyer – drei „Schlüsselwörter“: Zielgruppe, Kommunikation und Identifikation.
Der ehemalige, langjährige Leiter der Martin-Opitz-Bibliothek in Herne, Wolfgang Kessler, hat erkannt, dass einige Sammlungsbetreuer trotz der theoretischen Anregungen aus der ersten Beratungstagung sich in der Praxis dennoch oft als „Einzelkämpfer“ behaupten müssen. Um dem entgegenzuwirken, hat der Referent im Vortrag „Erschließung von Sammlungen über die museale Präsentation hinaus“ eine einfache Methode für die Gestaltung einer systematischen Übersicht vorgestellt. Neben der Erfassung und Gewichtung der Objekte und Schriftstücke sei es vorteilhaft – so Kessler – auch die Geschichte hinter den vorhandenen Gegenständen zu notieren und zu kommunizieren.
Ernst Gierlich, Geschäftsführer der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen, Bonn, stellte im Rahmen der jüngsten Informations- und Begegnungstagung die Publikation „Handreichung für die Betreiber ostdeutscher Heimatsammlungen“ vor. Die von Elke Wilming herausgegebene Broschüre enthält interessante Fachvorträge rund um die Thematik der Sammlungen sowie Ergebnisse einer aktuellen Fragebogenaktion zur Lage der Heimatstuben. Das Handbuch kann bei der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen kostenlos angefordert werden (E-Mail: kulturstiftung@t-online.de).
Nicola Remig, die Leiterin des Dokumentations- und Informationszentrums Haus Schlesien, hob die Aspekte der vielfältigen „ostdeutschen Szene“ hervor. Da es für die Perspektive der Heimatstuben kein allgemeingültiges „Rezept“ geben kann, setzte Remig auf die Erarbeitung unterschiedlicher Lösungswege und thematischer Ansätze, die in die Zukunft weisen.
Am Tagungsprogramm waren auch Mitarbeiterinnen von Haus Schlesien beteiligt. So erhielten die Heimatstubenbetreuer praktische Tipps für eine effektive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Bernadett Fischer. Silke Findeisen, die Kuratorin der aktuellen Sonderschau „Zu Hause und doch fremd – Vom Umgang mit Entwurzelung und Heimatverlust am Beispiel Schlesien“, verwies auf die gute Zusammenarbeit mit vier polnischen Museen. Nur dank der grenzübergreifenden Kontakte konnte eine so facettenreiche Präsentation zustande kommen.
Fazit: Es ist davon auszugehen, dass die Betreuerinnen und Betreuer von Heimatsammlungen im Rahmen der zwei Tagungsveranstaltungen viel Wissenswertes zum Umgang mit dem gesammelten Kulturerbe und zur Weiterführung ihrer Häuser erfahren haben, dass jedoch auch der lebendige Dialog und der rege Erfahrungsaustausch unabdingbar sind.     Dieter Göllner

Veröffentlicht am 19.04.2017
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