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»Der Schönste seiner Art«

Hengst Hessenstein zog als Bronzeplastik schon im Ostheim alle Blicke auf sich, demnächst geht es für ihn nach Lüneburg
Hessenstein als Statue vor dem Ostheim Bild: C. Höges

Der Blick ist in die Ferne gerichtet. Die Ohren sind gespitzt. Der Bronzekörper wirkt leicht angespannt, als würde hinter den klugen Augen gerade ein verwegener Gedanke aufkeimen. Warum nicht einfach von diesem langweiligen Sockel springen, und dann im fliegenden Galopp dem Horizont nachjagen – so wie es sich für ein leistungsbereites Pferd ostpreußischer Abstammung gehört. Getreu dem etwas flapsigen Spruch von Marion Gräfin Dönhoff: „Wer früher Trakehner geritten hat, der muss heute schon Porsche fahren, um das Niveau zu halten“.
Dem Bronze-Vierbeiner dürften solche Überlegungen, ob Porsche, Audi oder Volkswagen, allerdings einerlei sein, und von der Stelle bewegt hat er sich – den letzten Meldungen aus Bad Pyrmont zufolge – auch noch nicht. Noch steht das bronzene Abbild des Trakehnerhengstes Hessenstein – 1968 vom Bildhauer Georg Fuhg (1898–1976) erschaffen – vor dem Gebäude des ehemaligen Ostheims (siehe PAZ 53, 2015). Im Laufe des Jahres wird der Vierbeiner dann allerdings tatsächlich in die Ferne schweifen. Sein neuer „Weidegrund“ liegt vor dem Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg. Als männliches Fotomodell wird er dort sicherlich ebenso viel Anklang finden, wie schon in Bad Pyrmont: Kein Gruppenbild von Ostheimgästen ohne den prächtigen Pferdemann im Hintergrund.
Der echte Hessenstein, ein damals zehnjähriger Landbeschäler auf den Gestüt Hunnesrück, „gilt vielen Fachleuten als der schönste seiner Art“, schwärmte bereits der Kollege vom Ostpreußenblatt, der im Juni 1968 über die feierliche Einweihung der Statue berichtete. Natürlich erwähnte er auch die Vorgeschichte des Pferdedenkmals. Aufgrund der tragischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts ist der Bronze-Hessenstein bereits der dritte seiner Art. Ostpreußische Züchter hatten vor dem Ersten Weltkrieg eine ähnliche Statue – ein Abbild des Hengstes Morgenstrahl – vor dem Landstallmeisterhaus des Gestütes Trakehnen errichten lassen. Als die russische Armee 1914 weite Teile Ostpreußens besetzte, ließ einer ihrer Generäle, der Deutsch-Balte Paul von Rennenkampff, das Standbild abmontieren und als Beutegut nach Hause verfrachten.
Achtzehn Jahre blieb das berühmteste und bedeutendste Gestüt des Deutschen Reiches, die Wiege der Trakehner-Zucht, ohne Pferdestandbild. Zum 200. Gründungsjubiläum, am 26. September 1932, wurde dann ein lebensgroßer Bronzeabguss des Hengstes Tempelhüter vor dem Landstallmeisterhaus eingeweiht. Zwölf Jahre später kamen die Russen das zweite Mal. Auch Tempelhüter wurde zum Raubgut. Die Eroberer verfrachteten 1945 das Denkmal als Siegestrophäe nach Moskau. Noch heute steht Tempelhüter als einsamer Deportierter im dortigen Landwirtschaftsmuseum.
Flucht und Vertreibung endeten unterdessen für Millionen Ostpreußen im Westen Deutschlands. So lag der Gedanke nahe, hier ein drittes Pferdedenkmal zu errichten. Allerdings auf ostpreußischem Boden, wie es hieß; nämlich im Garten des Ostheims. Reinhold Reh, damals Sprecher der Landsmannschaft, erklärte bei der Einweihung des Hessenstein-Denkmals: „Ostpreußen ist ohne sein edles Pferd nicht denkbar. Unsere Trakehner-Pferde haben geholfen, Ruf und Ruhm Ostpreußens in die weite Welt zu tragen. Die Landsmannschaft hat es als ihre Plicht angesehen, eine neues Monument ostpreußischer Treue zu errichten.“
Mit größter Treue hatten viele Hundert Trakehner ihren Menschen auch während der großen Flucht vor der Sowjet-Armee beigestanden. Zahllos sind die Geschichten über ihren Mut, ihre Genügsamkeit, ihre Ausdauer und ihre Charakterstärke in Zeiten größter Not und Gefahr. Die Inschrift auf dem Stein vor dem Pferde-Standbild weist darauf hin: „Wir Ostpreußen danken dem Pferde. Unserem treuen Freund in schwerer Zeit.“
Der echte Hengst Hessenstein gehörte 1968 mit seinen damals zehn Jahren natürlich längst zur vierbeinigen Nachkriegsgeneration. Mit seiner edlen, nahezu perfekten Statur ist er gleichzeitig ein Beispiel, wie erfolgreich die Trakehner-Züchter darin waren, auch nach der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges an alte Erfolge anzuknüpfen und das, obwohl nur wenige hundert von einst 30000 Pferden in den Westen gelangt waren.
Der Bildhauer Georg Fuhg wird wahrscheinlich viel über den beinahe Untergang und die glanzvolle Wiederauferstehung der Trakehnerzucht gehört haben, wenn er abends mit den Leuten vom staatlichen Hengstaufzuchtgestüt Hunnesrück beisammen saß. In der Schmiedewerksatt des Gestütes erschuf er die Statue. Fuhg, der 1898 in der Stadt Mehlsack im Kreis Braunsberg geboren wurde, hatte die Kunstakademie in Königsberg besucht. Zeit seines Lebens war er ein vielbeschäftigter und begehrter Bildhauer. Kurz vor der Arbeit an der Pferdestatue hatte er für die Ostpreußische Landsmannschaft Büsten von Immanuel Kant und Agnes Miegel fertiggestellt. Dem Ostpreußenblatt verriet er, wie viel Freude es ihm bereitete nun an einem dritten Symbol der ostpreußischen Heimat arbeiten zu können. Grundlage für die Statue waren nach intensiven Vorbesprechungen zunächst kleine Skizzen. Dann wurde die Statue mit einem Drahtgeflecht vorgeformt und zunächst in Gips modelliert. Den Bronzeguss übernahm dann später eine Gießerei in Düsseldorf.
Vorher aber verwandelte der berühmte Bildhauer die einfache Schmiedewerkstatt im niedersächsischen Dorf Hunnesrück drei Monate lang zu seinem Atelier. Abends, so erzählte er dem Redakteur des Ostpreußenblattes, habe er dann oft mit den Gestütsleuten beisammengesessen, und dabei viel über das Wesen des Pferdes gelernt.
Fuhgs Bildhauerhände haben derlei Erkenntnisse sicherlich beim Modellieren einfließen lassen. So schaut der Bronze-Hessenstein nun höchstlebendig und voller Tatkraft in die Runde – ein echter Trakehner eben.
    Frank Horns

Veröffentlicht am 09.03.2016
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