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Was siegreiche Völker nicht tun dürfen

Auch ein hoher ausländischer Staatsgast war bei der Gedenkstunde der Opfer von Flucht und Vertreibung dabei
Unter den Gästen: Marianne Becker vom der Berliner Landesgruppe, LO-Sprecher Stephan Grigat und sein Stellvertreter Hans-Jörg Froese Bilder (2): Kai Lüdemann

Eine Premiere brachte der dritte bundesweite Gedenktag für die Opfer von Flucht und Vertreibungen am Dienstag, 20. Juni, im Schlüterhof des Deutschen Historischen Museums: Zum ersten Mal hielt ein ausländischer Würdenträger die Gedenkansprache. Der rumänische Staatspräsident Klaus Johannis war auf Einladung des Veranstalters, das Bundesministeriums des Innern (BMI), gekommen und berichtete von der Geschichte Rumäniens im Hinblick auf Vertreibung, Deportation und Unterdrückung der dortigen deutschen Volksgruppen. Johannis, selbst deutschstämmig, ging aber auch auf die Herausforderungen der heutigen Zeit ein, denen sich nicht allein Rumänien oder Deutschland, sondern Europa als Ganzes zu stellen hätte.  
Eröffnet wurde die Gedenkstunde vom Gastgeber, Bundesinnenminister Thomas de Maizière. Ausgehend vom Beispiel des rund 180 Jahre alten Gedichtes „Mondnacht“ des oberschlesischen Dichters Joseph Freiherr von Eichendorff wies er auf Werke hin, die zum deutschen „identitätsstiftenden Kulturerbe“ gehören – deren Entstehungsorte heute jedoch nicht in der Bundesrepublik liegen. Dieses Kulturerbe verlange geradezu eine aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte und vergegenwärtige auch immer wieder Krieg und Vertreibung.
Für ein geistliches Grußwort war Erzbischof Dietrich Brauer, Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Russland, nach Berlin gekommen. Der Erzbischof bekannte, dass das Thema Vertreibung ihn spätestens seit Beginn seines Pastoraldienstes begleite. Die Salzburger Kirche in Gumbinnen [Gussew], wo er seine erste Pfarrstelle hatte, sei 1732 von Protestanten errichtet worden, die aus dem
Fürsterzbistum Salzburg vertrieben worden waren. Das berühmte Altarbild zeige die Flüchtlinge von damals. Die auch gegen Kirche und Glauben gerichtete Okt-oberrevolution vor 100 Jahren und die Verbannung und Zerstreuung der Russlanddeutschen zu Beginn des Zweiten Weltkrieges sei darüber hinaus prägend für viele Familienbiografien. Daher gelte es, das Vertrauen auf Gott zu richten und aus der Vergangenheit die richtigen Lehren zu ziehen.
Auch Staatspräsident  Johannis, beklagte, dass die Stimme der Erinnerung „die Waffen in unserer Welt nicht immer zum Schweigen“ bringe. Trotz der Erfahrungen der Vergangenheit seien Flucht, Vertreibung und Leid bis heute weltweit zu beobachten. Der Blick auf den Zweiten Weltkrieg und seine Nachwirkungen zeige 60 Millionen Todesopfer, darunter 40 Millionen Zivilisten. Er zeige aber auch die größten Vertreibungen der Geschichte: 30 Millionen Menschen seien damals deportiert oder vertrieben worden – darunter unzählige Deutsche. Allein aus Rumänien seien 70000 nach Russland deportiert worden. 10000 Menschen hätten dies nicht überlebt. Viele Deutsche seien nach ihrer Rückkehr fremd in der eigenen Heimat und Gefangene totalitärer Regime geworden. Johannis erinnerte an die 200000 Deutschen aus Rumänien, die von der Bundesrepublik in den 1970er und 1980er Jahren „freigekauft“ wurden. Rumänien stehe zu diesen unauslöschlichen Teilen seiner Geschichte. „Uns damit auseinanderzusetzen, wird dazu beitragen, eine bessere Wahrnehmung zu entwickeln, darüber wer wir sind und was wir in Zukunft zu tun haben“, so der Staatspräsident, der selbst den Siebenbürger Sachsen angehört.  
Das Schlusswort zur Gedenkstunde kam, fast schon in guter Tradition, dem Präsidenten des Bundes der Vertriebenen, Bernd Fabritius, zu. Er erinnerte zunächst daran, dass jeder Mensch, der vertrieben oder gezwungen werde, seine Heimat zu verlassen, ein Opfer sei und „einen dramatischen Bruch in der eigenen Biografie“ erlebe. „Das war 1945 so und es gilt in Gegenwart und Zukunft“, betonte Fabritius.
Die immerwährende Verantwortung wegen der von Deutschen im Zweiten Weltkrieg begangenen Verbrechen schmälere nicht das Unrecht der Vertreibungen, so der BdV-Präsident. Umso wichtiger sei es, dass die deutschen Heimatvertriebenen mit ihrer zukunftsweisenden Charta schon 1950 „dem Teufelskreis aus Rache und Vergeltung“ eine Absage erteilt hätten. Eindringlich mahnte Fabritius, es gehöre „eben nicht zu den durch Kriegs- oder Völkerrecht gedeckten Privilegien der sieg-reichen Mächte, dass im Krieg besiegte Volk aus seiner jahrhundertealten Heimat zu vertreiben“, Flüchtlingstrecks zu bombardieren, Frauen zu vergewaltigen oder der Zivilbevölkerung eine Kollektivschuld an Krieg oder Kriegsverbrechen zuzuweisen.     PAZ

Veröffentlicht am 30.06.2017
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