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Sonntag, 23. September 2018

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Alte und »neue« Ostpreußen rücken zusammen

Stephan Grigat und Wolfgang Freyberg

5. Deutsch-Russisches Forum in Königsberg: Bemühungen um Erhalt des kulturellen Erbes weisen positive Bilanz auf

„Zukunft braucht Vergangenheit“, lautet das Motto, unter dem die Landsmannschaft Ostpreußen e.V. (LO) zum fünften Mal ihr „Deut s ch-Russisches Forum“ veranstaltete. In Königsberg kamen zu diesem Jubiläum deutsche und russische Kulturschaffende der Kreisgemeinschaften, Museumsleiter, Archivare und Bibliothekare im Deutsch-Russischen Haus zusammen, um über ihre Bemühungen um den Erhalt des gemeinsamen kulturellen Erbes zu berichten.

Die Beschäftigung mit der Geschichte des Königsberger Gebiets beinhaltet immer auch eine Suche nach der eigenen Identität der dort heute lebenden Menschen. „Wer sind wir eigentlich?“, lautet die zentrale Frage. Ilja Dementjew, Dozent an der Königsberger Immanuel-Kant-Universität, brachte es in seinem Vortrag „Das Kaliningrader Gebiet als Raum des Kulturdialogs und des Zusammenpralls von Erinnerungen“ auf den Punkt. „Deutsche sind wir nicht, auch nicht wirklich Russen, wir sind wohl am ehesten ,russische Preußen‘.“ Analog zu Forschungen des französischenWissenschaftlers Pierre Nora sowie Publikationen deutscher und polnischer Kollegen definierte Dementjew den Begriff „Erinnerungsorte“. Diese entstehen aus Zeitzeugenberichten, lebendigen Erinnerungen und aus dem lebendigen Gedächtnis einer Bevölkerung und finden Niederschlag in Denkmälern, Archiven, Feiern und Gedenktagen. Im Königsberger Gebiet treffen russische, deutsche und gemeinsame Erinnerungsorte aufeinander. Deutsche und russische Erinnerungsorte sind beispielsweise Königin Luise, Kant und Bernstein. Bei Überlappungen deutscher und russischer Erinnerungsorte kam es in der Vergangenheit zu Konflikten, etwa bei der Umbenennung der Universität, ein Konflikt, der positiv gelöst wurde: Heute heißt die ehemalige Albertina „Kant-Universität“. Anhand seiner eigenen Biografie schilderte Dementjew, wie sich der Umgang mit der Geschichte gewandelt hat. Seine Eltern kamen nach dem Krieg nach Ostpreußen. Die Beschäftigung mit deutscher Geschichte war zu dieser Zeit verboten. Quellen gab es nicht. In Zukunft müsse deshalb der Forschungsrückstand gegenüber dem Westen verringert werden und das Konfliktpotenzial schrumpfen. Ein „Krieg der Erinnerungen“ müsse zum „Dialog der Kulturen“ führen. Die gemeinsame Geschichte solle deshalb zum gemeinsamen Forschungsobjekt werden.

Dass es bereits erfolgreiche gemeinsame Forschungsprojekte gibt, bewies Professor Leonid Kalinnikow, indem er in einem Vortrag „Kant als Erinnerungsort“ vorstellte. Seit 20 Jahren gibt es die „Allrussische Kant-Gesellschaft“, zu deren Gründern er gehört. Es gibt enge Kontakte zur Kant-Gesellschaft in Mainz. Neben dem Bemühen, Immanuel Kants absolute gesellschaftliche Ziele vor allem der Jugend nahezubringen, verfolgt Kalinnikow die Absicht, weitere Erinnerungsorte in Königsberg einzurichten. Zum Beispiel soll das Kant-Haus wieder aufgebaut werden und eine Kant-Straße in der Stadt eingeführt werden.

Daneben hatten russische Teilnehmer die Möglichkeit, von der Entwicklung ihrer jeweiligen Projekte zu berichten. Irina Koschewnikowa präsentierte Fotos eines Schulprojekts, bei dem Schüler der Scheffner-Schule die Geschichte der Lehranstalt rekonstruiert und mittels einer Fotostellwand vorgestellt hatten. Die Informationen lieferten unter anderem PAZ-Leserinnen.

Nikolaj Wassiljewskij schilderte die Veränderungen im Schloss Labiau nach der Übernahme durch die Russisch-Orthodoxe Kirche und von ersten Erfolgen bei der Einführung eines naturnahen Tourismus per Fahrrad oder Wassersport im Bezirk.

Swetlana Sokolowa berichtete über den Stand der Bemühungen um den Erhalt der Luisenrotunde im Park Luisenwahl, für den sich nun auch Politiker interessieren.

Dass es wichtig ist, Öffentlichkeit zu erzeugen, um etwas zu erreichen, bestätigte Jewgenij Snegowskij aus Palmnicken. So sei es gelungen, mit Bürgerprotesten die Bebauung des Grünstreifens an der Küste durch reiche Moskauer zu stoppen. Obwohl die Bevölkerung überwiegend passiv sei, verändere sich etwas: Ein neues Bürgerbewusstsein sei deutlich spürbar.

In der anschließenden Diskussion wurde der Wunsch nach einer lebhafteren Vernetzung zwischen den Foren deutlich, Fragen zum Beispiel nach der Bedeutung der Rolle von Denkmälern sowie Probleme bei der Grenzabfertigung wurden erörtert, Tipps und Hilfen ausgetauscht. Dank der tatkräftigen Unterstützung des Ehepaars Valentina und Klaus Lunau vor Ort sowie der modernen technischen Ausstattung mit Simultanübersetzungsanlage am Veranstaltungsort konnten LO-Sprecher Stephan Grigat und Brigitte Stramm sowie Vizekonsul Daniel Lissner gemeinsam mit den anderen Tagungsteilnehmern eine positive Bilanz ziehen: Bei dem Ziel, die bisherigen Verbindungen zu festigen und Visionen am Leben zu erhalten ist man einen Schritt vorangekommen.

Manuela Rosenthal-Kappi

"Zukunft braucht Vergangenheit"

Am 27. Oktober 2012 findet zum fünften Mal das Deutsch-Russische Forum "Zukunft braucht Vergangenheit" statt. Veranstaltungsort ist in diesem Jahr das Deutsch-Russische Haus in Königberg. Ein Programmpunkt ist Kurzberichten von russischen Kulturschaffenden über ihre aktuellen Projekte gewidmet. Das Kaliningrader Gebiet ist auch ein Raum des Kulturdialogs und des Zusammenpralls von deutschen und russischen Erinnerungsorten. Über diesen für das nördliche Ostpreußen bedeutsamen Aspekt wird Prof. Ilya Olegovic Dementev berichten. In einem weiteren Beitrag stellt Dr. Leonard Kalinnikow die allrussische Kant-Gesellschaft und ihre kulturelle Arbeit vor. Diskussionen über die Erfahrungen der deutschen und russischen Partner bei der kulturellen Zusammenarbeit bilden einen weiteren Schwerpunkt der Veranstaltung. Der Teilnehmerkreis des Forums ist auf die Kreisvertreter der Landsmannschaft Ostpreußen und ihre kommunalen russischen Partner im Kaliningrader Gebiet begrenzt. 

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