»Zweites Herz« für Kurenkahn »Kursis« gesucht
Aurelijus Armonavicius aus Nidden wurde der Schiffsmotor geklaut – Wenn er keinen Ersatz bekommt, droht seinem Kahn das EndeSie gehörten zum Kurischen Haff wie die Wanderdünen der Nehrung, die schweren schwarzen Kurenkähne, mit denen die Fischer zum Fang fuhren. Ein Bild, das man nie vergessen hat: In Kiellinie, weit auseinander gezogen, schienen sie über das stille Haffwasser zu gleiten, die bunten Wimpel auf den Masten standen dunkel gegen den verblassenden Abendhimmel. Noch gibt es einige dieser Kähne mit dem flachen Boden, fünf sollen es sein „auf der ganzen Welt“, wie Aurelijus Armonavicius aus Nidden [Nida] behauptet. Er muss es wissen, denn der Litauer ist Kapitän auf der „Kursis“, einem 1993 originalgetreu gebauten Kurenkahn, mit dem allerdings nicht mehr gefischt wird. Noch im letzten Sommer segelte er mit Touristen über das Haff – nun scheint das Schicksal des Kahns besiegelt, denn ihm fehlt sein „zweites Herz“, der Motor, das erste Herz ist das Segel. Als Aurelijus den Kahn im Jahr 2009 übernahm, ließ er drei neue Segel nähen. Und auch sonst steckte er viel Geld und Mühe in die Überholung der „Kursis“, die er auf neuen Kurs bringen wollte. Denn der Kahn war in einem schlechten Zustand und drohte, als museales Exponat am Strand zu verrotten, wie der Litauer schreibt. Und obgleich er sich mit allen Kräften um seine Erhaltung bemüht, sieht es jetzt aus, als ob die „Kursis“ doch dies Schicksal ereilen wird – wenn nicht Hilfe kommt. Und die erhofft sich der Schiffsführer nun von uns.
Zur Geschichte dieses Kahns, der für den Tourismus des schönen Nehrungsortes nicht unwichtig ist: Vor 22 Jahren kamen der Volkskundler Eduardas Jonuschas und der Schiffsbauingenieur H. Malischaukas auf die Idee, den Kahn zu bauen. Am 12. Juni 1993 wurde er zu Wasser gelassen, gesegelt von Jonuschas, später von seinem Sohn. Als dieser nach Amerika ging, übernahmen zwei andere Männer den Kahn, bis der Eigner den mit ihm befreundeten Aurelijus Armonavicius bat, ihn zu übernehmen. Inzwischen hat die Überholung des Schiffes ein kleines Vermögen gekostet. Trossen, Mast, Funkgerät, Pumpen – alles musste ersetzt oder neu angeschafft werden. Einen Teil der Finanzierung übernahmen Aurelijus und der Eigner, auch Freunde halfen, aber für einen neuen 20-PS-Außenmotor mussten 4000 Euro geliehen werden. Immerhin war der Kahn jetzt einsetzbar für Fahrten mit Gästen auf das Haff. Vielleicht werden sich manche Leserinnen und Leser daran erinnern, mit der „Kursis“ gesegelt zu sein. Der letzte Sommer aber erwies sich als schlecht für den Tourismus, das Wetter spielte nicht mit, es kamen weniger Gäste aus der Bundesrepublik Deutschland. Dann musste auch noch der Kahn im Oktober zur Überholung nach Pokalna. Und dort wurde der Motor gestohlen! Aurelijus beschreibt die Situation so:
„Der Polizei gemeldet, aber sie können nichts versprechen. Motor geklaut, Kurenkahn nicht versichert, 100 Prozent Schulden für Motor, ohne ihn kann Kurenkahn nicht funktionieren. Hatte im letzten Frühling im Rathaus um Hilfe für Reparatur gebeten, aber nichts bekommen. Will wieder schreiben, aber ob ich kriege was – keiner weiß. Jetzt bleibt nur noch betteln.“ Aurelijus wendet sich deshalb an unsere Landsleute und fragt, ob nicht irgendwo ein gebrauchter Motor vorhanden sei, der nicht mehr benötigt werde und den er zu günstigen Konditionen übernehmen könne. „Es ist wichtig 20 bis 25 PS/Kurzschaft und 50 Kilogramm Motor zu bekommen. EU verlangt Vier-Takten-Aussenmotoren für Europa. Ich kann ein Schild auf der ,Kursis‘ mit Sponsornamen machen.“ Vorsichtshalber – und das ist bezeichnend für die Situation – fügt er hinzu: „Aber in gutem Zustand, nicht zu alt und mit richtigen Papieren!“ Wir reichen hiermit seinen Wunsch weiter und hoffen, dass er sich erfüllen lässt. Was Aurelijus Armonavicius so formuliert:
„Kurenkahn gehört zur Geschichte Kurischer Nehrung, Kurisches Haff. Ich will, dass ,Kursis‘ sich bewegt und nicht verfault am Strand. Und das kann man schaffen mit Leuten, welche nennen dieses Land Heimat.“ Wer hier helfen will und kann, dass die „Kursis“ wieder ihr „zweites Herz“ bekommt, melde sich bitte bei unserer Ostpreußischen Familie.
Ruth Geede




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