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Bären, Wölfe und Wisente

Jagd und Jäger in Ostpreußen, Teil II
Reviergang am Dobensee im Kreis Angerburg Bild: Archiv

Der leitende niedersächsische Forstdirektor Horst F. Buchalsky (62) ist ein profunder Kenner der einzigartigen Natur Ostpreußens, ihrer Tiere und der dortigen Jagdverhältnisse. Dass er auch fesselnd und unterhaltsam darüber berichten kann, zeigte er anlässlich der Gedenkveranstaltung zur Gründung des Ostpreußischen Jagdmuseums vor 60 Jahren (siehe PAZ 43, Seite 19). Die PAZ veröffentlicht seinen Vortrag „Jagd und Jäger in Ostpreußen – einst und heute“. in mehreren Teilen. Lesen Sie hier den zweiten Teil.

Insbesondere auf den Internationalen Jagdausstellungen 1880 in Budapest, 1890 in Graz, 1910 in Wien, 1930 in Leipzig und 1937 in Berlin zeigte sich vor allem beim Rot-, Elch- und Rehwild die Leistungsfähigkeit ostpreußischer Reviere. Sie waren unter anderem ein wesentlicher Grund der außerordentlichen Wertschätzung und Anerkennung ostpreußischer Hege- und Jagderfolge.
Dass dieses nicht selbstverständlich und immer so war, geht aus einem Bericht des Oberregierungs- und Forstrat Müller bei der Regierung in Königsberg aus dem Jahr 1929 hervor mit dem Titel „Aus der Geschichte des ostpreußischen Wildes“. Forstrat Müller begründet die besonderen Verhältnisse in der Provinz Ostpreußen im Vergleich zum übrigen Deutschland damit, dass hier durch die abgelegene Lage, durch Klima und Standort (also durch die Biotopverhältnisse), durch eine geringere Bevölkerungsdichte einhergehend mit einer extensiveren Landbewirtschaftung sich eine größere Ursprünglichkeit von Natur und Landschaft bis ins 19. und 20. Jahrhundert hinein erhalten konnte, die sich positiv auf die Entwicklung aller Wildarten ausgewirkt habe. Dieses sei anders zu bewerten, als in Gegenden mit älterer Landeskultur, wo die Wildarten schon viel früher durch menschliches Wirken unter Druck gerieten.
Er beschreibt dann aus ihm vorliegenden Unterlagen, Berichten und Ausführungen von Autoren des
19. Jahrhunderts sowie aus der eigenen Archiv- und Aktenlage in Königsberg die Entwicklung einiger bedeutender Wildarten in Ostpreußen: Der letzte westfälische Bär ist danach schon im Jahr 1446, der letzte thüringische 1686 erlegt worden, im Fichtelgebirge ein vermutlich zugewanderter 1769.
In Ostpreußen war der Braunbär im gesamten Mittelalter sehr häufig. Sein Fleisch bildete nach den vorliegenden Aufzeichnungen in gesalzenem und geräucherten Zustand ein wichtiges Nahrungsmittel der Ordensburgen und er war durch sein Berauben der Bienenstöcke den Wild-imkern sehr lästig.
Markgraf Johann Sigismund, dessen Streckenverzeichnis erhalten geblieben ist, erlegte 1612 bis 1619 38 Bären. Noch 1725 ist der Bär nach den amtlichen Revierbeschreibungen Standwild im nördlichen Ostpreußen bis in die Rominter Heide und Wechselwild überall bis zur Weichsel.
In den größeren Wäldern werden Bärenfänge aufgestellt. Die Waldbeschreibungen ab 1780 erwähnen den Bären dann nicht mehr als Standwild. Allerdings wurden 1800 und 1806 in der Borkener Heide Bären erlegt, vermutlich aber „Einwanderer“ aus Litauen oder Polen.
Forstrat Müller betrachtet dann den Wolf, ein Thema, welches uns aktuell in Niedersachsen stark bewegt, um schon einmal einen Ausblick auf das „Heute“ zu werfen. Müller stellt fest, dass es bis zum Jahre 1800 im Osten der Provinz Ostpreußen noch mehr Wölfe gab als Hasen oder Rehe. In der Rominter- und der Johannisburger Heide sind bis 1880 regelmäßig Jungwölfe geworfen worden und er geht anhand seiner Unterlagen davon aus, dass erst um die Jahrhundertwende (also um 1900) Ostpreußen von Wölfen frei war. Kriege und andere Ereignisse, die eine zusätzliche Zuwanderung aus dem Osten begünstigten, hatten zur Folge, dass die latente Anwesenheit der Wölfe auf die Wirtschaftsverhältnisse der Landbevölkerung erheblichen Einfluss hatte, insbesondere bei Verlusten von Weidevieh. Nach Berichten aus den Ämtern Ragnit und Insterburg wurden allein in den Jahren 1696/97 477 Pferde, 162 Stück Rindvieh, 679 Schafe und Ziegen und 226 Schweine Opfer von Wölfen.
Bei Situation und Lage Ostpreußens beschreibt der Autor 1929 den Wolf als ständigen Faktor hinsichtlich des Einflusses auf die Wildbestände und als Gefahr für das Weidevieh. Er betrachtet die Wolfsregulierung als Daueraufgabe der Forst- und Jagdbehörde. – Daran hat sich bis heute im Osten nichts geändert.
Über den Wisent, der in Ostpreußen nur Auer genannt wurde, schreibt Forstrat Müller, dass er wohl neben dem Elch in der Provinz die weitverbreitetste Wildart gewesen sei, aber schon bei Eintreffen des Ritterordens durchaus nicht mehr überall zu finden und Ende des 16. Jahrhunderts nur noch auf die östlichen Gebiete beschränkte gewesen war. Gegen Ende des 17. Jahrhunderts wird der Rest in den Wäldern um Labiau (nordöstlich von Königsberg) an Fütterungen konzentriert. Dieses geschah vornehmlich zur Erleichterung des Einfangens; denn der ostpreußische Wisent bildete ein viel erwünschtes und viel gewährtes Geschenk an auswärtige Machthaber und Potentaten. 1717 bis 1739 sind 28 Stück des spärlichen Bestandes eingefangen und verschickt worden. Dieser Fang hat wahrscheinlich bei der endgültigen Ausrottung eine ebenso große Rolle gespielt, wie die immer wieder ausgeübte Wilderei. Dieser fällt der letzte Wisent 1755 in der Oberförsterei Leipen (nordwestlich von Insterburg) zum Opfer. Der wesentlichste Grund aber für das Aussterben des Wisents in Ostpreußen dürfte in der zunehmenden Inanspruchnahme der freien Äsungsflächen, der Wiesen und flachen Niedermoore, durch die wachsende Bevölkerung gewesen sein.  
Die Entwicklung des Rot- und Elchwildes war ebenfalls bis zum Ende des 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausgesprochen wechselvoll. Auch wenn die Bestände um 1800 bei beiden Edelwildarten sehr stark dezimiert waren und sich die Frage ihrer weiteren Existenz durchaus stellte, konnte durch das Eingreifen von verantwortlichen Forstleuten ihre Ausrottung verhindert werden.
Dieses wurde möglich mit dem Aufbau einer neu organisierten und geregelten Forstverwaltung im Rahmen der preußischen Reformen ab 1806 und nach der napoleonischen Herrschaft, die 1813 endgültig endete. Daran hatte im Wesentlichen der Oberlandforstmeister Georg Ludwig Hartig herausragenden Anteil. Darüber hinaus wirkte sich positiv der Aufbau von forstlichen Meisterschulen seit Mitte des 18. Jahrhunderts und die Gründung der Forstlichen Akademie 1830 in Eberswalde (östlich von Berlin) durch den Oberforstrat Wilhelm Pfeil auf das praktische Wirken von Oberförstern und Förstern in Preußen gepaart mit einer entsprechenden Dienst- und Pflichtauffassung zum Wohle von Wald und Wild aus. Die Oberförsterei Pfeilswalde in Masuren (Landkreis Sensburg), die noch heute besteht, erhielt ihren Namen zu Ehren des ersten Akademiedirektors Wilhelm Pfeil.
Aus dieser pflegenden und hegenden Tätigkeit heraus, verbunden mit praktischem, wissenschaftlich fundiertem Können und Wissen, entwickelte sich über vier Förster- und Jägergenerationen in Ostpreußen das, was an Wildbeständen und Waldbildern seit Anfang des 19. Jahrhunderts bis 1945 aufgrund des Erfolges weit über die Provinzgrenzen hinaus anerkennend bewundert wurde.

Lesen Sie in der nächsten Ausgabe mehr über Görings kurzsichtige Jagd auf „kapitale Elchschaufler“ und die Rominter Heide als eines der bedeutendstens Rotwild-Spitzenreviere.

Veröffentlicht am 01.11.2017
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