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Beliebter Markt in Königsberg muss weichen

Zahlreiche Kioske wurden Opfer der Abrissbirne – Steigende Arbeitslosigkeit ist die Folge
Platz für Neues: Gähnende Leere, wo sich einst der belebte Zentralmarkt im Königsberger Zentrum befand Bild: J.T.

Der älteste Markt in Nachkriegs-Königsberg wurde abgerissen. Es gibt in der Stadt kaum jemanden, der nicht schon einmal dort eingekauft hat. Für knapp 30 Jahre war der Konsumgüterteil des Zentralmarkts ein nicht wegzudenkender Teil des Königsberger Stadtzentrums. In den 1990er Jahren, als es noch keine Handelszentren und Einkaufsmeilen gab, waren die Ladenzeilen des Zentralmarkts die Haupthandelsplätze der Stadt. An ihnen konnte man Kleidung günstiger als in den Läden kaufen. An jedem Wochenende strömten die Menschen mit der ganzen Familie dorthin, um etwas Passendes für sich und die Kinder zu finden.
Der Zentralmarkt war nicht nur ein Ort für günstige Einkäufe, sondern auch ein Ort, der viele nach dem Zerfall der Sowjetunion aufgefangen hatte. In den 1990er Jahren arbeiteten hier Hochschullehrer, Schullehrer, Ärzte, ehemalige Ingenieure – sie alle verdienten ihr Brot als Kleinhändler. Sie führten aus der Türkei, Polen und anderen Ländern günstige Kleidung ein und verkauften sie an die Städter. Am Eingang tummelten sich ständig „Wechsler“, die zu einem günstigeren Kurs Geld wechselten als die Wechselstuben. Sie tauschten ausländische Währungen in Rubel und umgekehrt. Damals waren es US-Dollar und Deutsche Mark, wobei letztere bei Königsbergern besonders beliebt war.
Nach dem Abriss wird es bitter für diejenigen, die auf dem Markt gearbeitet haben. Es ist ungewiss, ob sie neue Arbeit finden. Viele fragen sich, warum entschieden wurde, den Markt abzureißen. Insgesamt waren von der Schließung 1000 Menschen betroffen, die dort gearbeitet hatten. Viele sahen sich sogar mit dem Verlust ihrer Geschäfte konfrontiert. Einige derjenigen, die weitermachen konnten, zogen auf den Markt im Stadtteil „Selma“ um, einem Schlafbezirk Königsbergs , ein anderer Teil zog auf den zentralen Lebensmittelmarkt um.
Ein Teil der Kleinunternehmer hatte seine Verträge nicht mit dem Zentralmarkt, sondern mit den städtischen Behörden abgeschlossen. Als der Abriss begann, beanstandeten sie, dass die Handlung der Behörden gesetzeswidrig sei, da ein von ihnen initiiertes gerichtliches Verfahren noch ausstand.
Das Grundstück, auf dem die Ladenzeilen standen, war 2007 an die „Bau- und Investitionskorporation“ verpachtet worden mit dem Ziel, es zu bebauen. Im Sommer 2016 wandte sich die „Bau- und Investitionskorporation“ an die Stadtverwaltung wegen einer Baugenehmigung, aber sie erhielt eine Absage wegen technischer Probleme beim Anschluss des Bauprojekts an die städtische Wasserversorgung. Die Baufirma klagte erfolgreich gegen diese Entscheidung.
Anfang 2018 erteilte die Gebietsregierung der „Bau- und Investitionskorporation“ die Erlaubnis, ein Einkaufszentrum mit mehrstöckigem Parkhaus anstelle des Markts zu bauen. Die Gesamtgrundfläche des geplanten Gebäudes beträgt 27000 Quadratmeter. Die Investitionen betragen umgerechnet rund 158 Millionen Euro. Die Genehmigung ist bis zum 8. April 2021 gültig. In Vorbereitung auf die Fußballweltmeisterschaft soll jedoch ein temporärer „Fußballplatz“ auf dem Gelände des ehemaligen Marktes entstehen. Es sollen Symbole und Figuren aufgestellt werden zum Thema Fußball. Nach den WM-Spielen werden diese wieder entfernt. Erst dann beginnt der Bau des Einkaufszentrums.
Die betroffenen Kleinunternehmer haben dafür kein Verständnis. „Es werden nur Steuergelder verbraten. Warum hat man nicht einen anderen Ort für einen ständigen Fußballplatz gewählt? So viele Schwierigkeiten und Verluste wurden den Menschen bereitet. Viele haben noch unbezahlte Kredite, die sie für ihre Läden aufgenommen haben, und nun machen die Behörden ihnen solche Überraschungen,“ klagt ein Betroffener.
     Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 11.05.2018
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