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Ein Lachen für die Kunst

Mehr als nur die »Schmerzensmutter der Nation« – Die ostpreußische Künstlerin Käthe Kollwitz wurde vor 150 Jahren geboren
Ein Jahrhundertgenie: Kollwitz-Denkmal in Berlin Bild: ske

Käthe Kollwitz gilt als größte deutsche Künstlerin des 20. Jahrhunderts. Vor 150 Jahren wurde sie in Königsberg geboren.

„Ich soll das Leiden der Menschen aussprechen.“ Mit diesen Worten beschrieb Käthe Kollwitz ihre Lebensaufgabe. Wegen dieser sozialen Haltung ist die Künstlerin hoch geachtet, wird aber auch als „Schmerzensmutter der Na­tion“ bespöttelt. Doch ihr Sohn Hans wandte ein: „Was konnte die Mutter lachen, und wie sehnte sie sich, zu lachen. Menschen, die sie nur erlebt haben mit ihren guten traurigen Augen zuhörend, oder die sie nur von ihren Arbeiten her kennen, kennen nur einen Teil von ihr und nicht den, der Freude hatte an der Bejahung, an den jungen Menschen, am Witz, am Lachen, am Übermut, an der Komik.“
Die am 8. Juli 1867 in Königsberg geborene Grafikerin und Bildhauerin verbrachte mit ih­ren drei Geschwistern eine glück­liche Kindheit. Ihr Vater Carl Schmidt war Bauunternehmer, ihre Mutter Katharina die Tochter des evangelischen Theologen Ju­lius Rupp. Die angehende Künstlerin heiratete 1891 den Berliner Kassenarzt Karl Kollwitz. Das Paar bekam die Söhne Hans und Peter. Trotz Mutterpflichten setzte die Arztfrau am Küchentisch ihre künstlerische Arbeit fort.
Mit einem für eine Künstlerin außergewöhnlich revolutionären Thema feierte sie ihren ersten großen Erfolg. Drei Jahre lang arbeitete sie an den drei Radierungen und drei Lithografien des Zyklus „Ein Weberaufstand“ und präsentierte ihn 1898 auf der Großen Berliner Kunstausstellung. Die Jury schlug vor, Kollwitz für ihren Weber-Zyklus mit einer Me­daille auszuzeichnen. Doch Kaiser Wilhelm II. verhinderte das: „Ich bitte Sie meine Herren, eine Medaille für eine Frau, das ginge denn doch zu weit.“ Ein Jahr später war der Weberaufstand in der Deutschen Kunstausstellung Dresden zu sehen – und Max Lehrs sorgte dafür, dass Kollwitz die Kleine Goldmedaille erhielt.
Als Leiter des Dresdner Kupferstich-Kabinetts war Max Lehrs der erste Museumsmann, der Werke von Kollwitz in eine öffentliche Kunstsammlung aufnahm. Wiederholt bat er die Künstlerin, ihm Probe- und Zustandsdrucke zu überlassen. So besitzt das Kupferstich-Kabinett einzigartige Ab­züge, auf denen Kollwitz die weiteren Schritte der Bearbeitung notiert oder Änderungen eingezeichnet hat. Sie gehören zusammen mit Selbstbildnissen aus allen Lebensabschnitten zu den Attraktionen der Sonderausstellung, mit der das Kupferstich-Kabinett ab Oktober den 150. Ge­burtstag der Künstlerin feiert.
Während eines Studienaufenthaltes 1904 in Paris machte sich Kollwitz mit den Grundlagen der Bildhauerei vertraut. Der rang sie mit dem 1932 vollendeten Mahnmal der „Trauernden Eltern“ ihr ergreifendstes Werk ab. Den An­stoß zu ihm gab der schwerste Schicksalsschlag ihres Lebens: Der Tod des Sohnes Peter. Der 18 Jahre alte Kriegsfreiwillige fiel 1914 in Flandern. Daraufhin wandelte sie sich zur engagierten Pazifistin. Eines ihrer Plakate fordert „Nie wieder Krieg!“ (1924). Ein anderes klagt „Deutschlands Kinder hungern!“ (1923). Sie verkündete: „Ich bin einverstanden damit, dass meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“
Die Nationalsozialisten verdüsterten die letzten Lebensjahre der Künstlerin. Sie nötigten Kollwitz zum Austritt aus der Akademie der Künste und sorgten für die Entfernung ihrer Arbeiten aus Ausstellungen. Doch Kollwitz setzte ihr Schaffen unverdrossen fort. Ihr letztes Werk ist die 1943 geschaffene Plastik „Zwei wartende Soldatenfrauen“. Das Gipsmodell ist im Sterbezimmer der Künstlerin ausgestellt.
Im Juli 1944 war Kollwitz auf Einladung des sächsischen Prinzen Ernst Heinrich nach Moritzburg bei Dresden gezogen. Hier bewohnte sie zwei Zimmer im „Rüdenhof“, wo sie am 22. April 1945 starb. Das heute zur „Ge­denkstätte Käthe Kollwitz Haus“ ausgebaute Anwesen ist ihr einziger erhaltener Wohnsitz. Die Dauerausstellung berichtet über Leben und Werk der Künstlerin. Ihre Enkelin Jutta Bohnke-Kollwitz urteilte anlässlich der Eröffnung: „Hier ist eine Form von Lebensauthentizität erhalten geblieben. Ich denke, hier im Rüdenhof kann man Käthe Kollwitz begegnen: in ihrer Kunst, in ihrem Ernst, in ihrer Menschlichkeit.“    Veit-Mario Thiede

Veröffentlicht am 05.07.2017
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