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»Gotische Perle des Ermlands«

Eine neuer Bild-Reiseführer informiert über die Geschichte der Bischofsburg in Heilsberg
Burg Heilsberg: Gut erhaltenes Zeugnis der Geschichte des Landes Bild: Miroslaw Garniec

Burg Heilsberg ist nicht nur schön und majestätisch, sonderen auch gut erhalten. Soeben ist ein neuer Reiseführer über die Sehenswürdigkeit im südlichen Ostpreußen erschienen.

In den vergangenen Jahren wurden in der Heilsberger Burg umfangreiche Renovierungsarbeiten durchgeführt. Unter anderem gehört nun ein Hotel zum Komplex der Burganlage. Da bislang nicht viel über die Geschichte und Architektur des Bauwerks bekannt war, haben Małgorzata Jackiewicz-Garniec und Mirosław Garniec einen neuen Reiseführer mit dem Titel „Das Schloss der Bischöfe in Heilsberg“ herausgegeben, eine reich illustrierte Publikation. Sie enthält nicht nur Fotografien des historischen Interi-eurs und von Gegenständen des prächtigen Denkmals, sondern auch Grafiken und Karten, welche die Geschichte dieses Ortes erläutern.
Die Autoren erinnern an den preußischen Ermlandstamm, der das Gebiet bis zum 13. Jahrhundert bewohnte. Sie erzählen von der Gründung der Diözese Ermland. Dies veranschaulicht eine Karte, welche die Kirchen- und Verwaltungsabteilungen des Deutschen Ordens in Preußen zwischen 1341 und 1466 zeigt, auf der die riesige Diözese Ermland markiert ist. Der Reiseführer enthält auch eine Karte der ermländischen Herrscher mit einer mittelalterlichen Verwaltungseinteilung sowie eine Karte der Stadt und der Burg um das Jahr 1500. Das Buch erwähnt auch die berühmten Ermländer Bischöfe Ignatius Krasicki, Johannes Dantiscus sowie Stanislaus Hosius, Martin Cromer und Adam Stanislaus Grabowski, Domherr Nicolaus Copernicus und seinen Onkel Lukas Watzenrode, die alle einst Bewohner der Burg waren. In dem Reiseführer sind alte Gravuren und Fotografien des Denkmals, der Orangerie sowie der Gärten des Bischofs Krasicki enthalten.
Die Texte stammen von Małgorzata Jackiewicz-Garniec, der Direktorin des in der Burg gelegenen Ermländer Museums. Mirosław Garniec zeichnet für die Fotos sowie für Planung und Entwürfe wie auch für die Druckvorbereitung verantwortlich. Der Reiseführer ist bereits im Verkauf. Er ist in polnischer, englischer, deutscher und russischer Sprache erhältlich.
Der polnische Name für Heilsberg [Lidzbark Warminski] stammt vom preußischen Namen Lecbarg ab. Die Stadt wurde zu Beginn des 14. Jahrhunderts errichtet, die Burg im Jahre 1350 fertiggestellt. Dieser Ort wurde das Herz des Ermlandes. Die Burg war das Hauptquartier der Ermländer Bischöfe, die nicht nur Kleriker waren, sondern auch die weltliche Autorität auf dem Gebiet von Ermland ausübten.
Ihre Erbauer orientierten sich an den Burgen des Deutschen Ritterordens, obwohl sie auch versuchten, die Burg Heilsberg den Bedürfnissen des Bischofs und seines Hofes anzupassen. Keine Komturburg blieb in so gutem Zustand wie die in Heilsberg. Sie ähnelt den Hauptquartieren von Komtureien mit ihren Plänen, der Gestaltung der Räume und dem Hauptturm. Wegen der Erhaltung der ursprünglichen Elemente mit ihren Kreuzgängen wird sie heute auch „Wawel des Nordens“ genannt. Der Wawel ist die ehemalige Residenz der polnischen Könige in Krakau.
Der prominenteste Bewohner der Burg war Nicolaus Copernicus, der sieben Jahre hier verweilte. Er kam nach Heilsberg weil sein Onkel Lucas Watzenrode Bischof von Ermland wurde.
Nach dem Fall der Adelsrepublik Polen Ende des 18. Jahrhunderts verlor die Burg ihre Bedeutung als königliche Residenz. Von 1859 bis 1932 gab es hier Kasernen, ein Krankenhaus und ein Waisenhaus. Dies geschah, weil im 18. und bis ins 19. Jahrhunderts die Menschen alte Gebäude nicht wertschätzten. Die Burgen wurden in Büros, Gefängnisse oder Kasernen umgewandelt.
Heute gilt das Hotel vor der Bischofsburg als gotische Perle des Ermlands. Es gibt dort viele Originalteile wie den Grabowski-Palast, und der Uhrturm wurde nach historischen Dokumenten rekonstruiert. Die Überreste der Gebäude waren in sehr schlechtem Zustand. Die Errichtung des Hotels sorgte für Kontroversen, aber dank des Hotelbaus konnte die Burg gerettet werden. Im Sommer kann man während des Festivals „Varmia Musica“ kostenlos antike und zeitgenössische Musik hören. Die Innenarchitektur der Burg liefert ihre außergewöhnliche Aura dazu.
In den Kreuzgängen sind im Boden nicht nur farbige Inschriften aus dem Mittelalter erhalten. Es wurden auch solche aus den Tagen entdeckt, als Copernicus dort lebte. Der Reiseführer ist mehr zum Anschauen als zum Lesen geeignet. Die Bilder wurden sehr präzise gewählt, um die Burg zu verschiedenen Zeiten des Jahres zu unterschiedlichen Tageszeiten zu zeigen.
Das Buch ist eine wichtige Publikation, denn in Polen und auch im Ermland selbst ist wenig über die Geschichte und die herausragenden Bewohner des Ermlands bekannt.
     Leszek Chaburski

Veröffentlicht am 25.10.2017
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