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Investor soll »Fränkische Villa« retten

Weil bislang Geld für die Sanierung fehlte: Tilsiter Sehenswürdigkeit droht der Verfall
Kunstwerk der Architektur und Sehenswürdigekeit im Zentrum Tilsits: Die Fränkische Villa an der Kreuzung Lindenstraße und Königsberger Straße mit ihrer schönen Fassade Foto: J.T.

In Tilsit, der zweitgrößten Stadt im Königsberger Gebiet, stehen noch viele Vorkriegsgebäude, um deren Erhalt und Sanierung sich die Stadt bemüht. Die Fränkische Villa droht allerdings zu verfallen, weil ihr Eigentümer, die Russisch-Orthodoxe Kirche (ROK), jahrelang nicht den Denkmalschutzauflagen nachgekommen ist.

Die Stadt Tilsit sticht unter den Städten im Königsberger Gebiet durch bemerkenswert schöne Gebäude hervor, die den Zweiten Weltkrieg überstanden haben. Als ein Kunstwerk der Architektur gilt die sogenannte Fränkische Villa. Neben der berühmten Luisenbrücke stellt sie die Visitenkarte der Stadt dar.  
Die Fränkische Villa ist ein zweistöckiges Haus im Zentrum der Stadt, an der Kreuzung Lindenstraße und Königsberger Straße gelegen, das aufgrund der Schönheit seiner Fassade auffällt. Sie ist in dem damals populären Stil des Historismus gestaltet. Im Erdgeschoss der Villa wurden horizontale Blöcke aus rustikalem Stein verwendet. Die Fenster im ersten Stock sind mit geschnitzten Pilastern mit Intarsien verziert. Die Dachfenster zeichnen sich durch die besondere Eleganz der Stuckdekoration aus.
Das Gebäude wurde 1887/1888 als Privathaus für den Geschäftsmann Franz Frank gebaut. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatte er die Räume des Hauses vermietet, unter anderem an Mitglieder der evangelisch-lutherischen Gemeinde. Das Haus wurde deshalb inoffiziell auch „das Pastorenhaus“ genannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte die Verwendung der Villa mehrfach. Befand sich dort  zunächst das Militärregistrierungs- und Einstellungsamt, wurde später  das Waisenhaus „Iskorka“ dort untergebracht. Seit einigen Jahren untersteht die Villa der Russisch-Orthodoxen Kirche, und 2010 wurde diese endgültig auch Eigentümerin des Gebäudes. Vertreter der regionalen Behörden und der Königsberger Diözese berichteten, dass sie auf diese Weise das Kulturerbe vor den Ansprüchen anderer Glaubensrichtungen bewahren wollten. Als Nutzungsmöglichkeit schlug die Diözese vor, hier Sonntagsunterricht in orthodoxem Glauben abzuhalten.
Zwei Jahre später legte allerdings die Staatsanwaltschaft Beschwerde gegen die Diözese beim Schiedsgericht ein. Sie forderte, die Eigentumsübertragung des Gebäudes an die ROK für ungültig zu erklären wegen Verstößen gegen das Gesetz der Russischen Föderation „über Objekte des Kulturerbes“ und „über die Gewissensfreiheit religiöser Vereinigungen“.
Die Staatsanwaltschaft befand, dass die Fränkische Villa aufgrund des Bautyps und ihrer funktionalen Bestimmung ein Wohnhaus sei. In diesem Fall gäbe es keinen Grund, dieses Gebäude als ein Objekt der religiösen Bestimmung zu betrachten. Die Staatsanwaltschaft sah auch keinen anderen Kultstatus für gegeben an. Die einzige Verbindung des Gebäudes mit religiösen Themen habe darin bestanden, dass die Zimmer für lange Zeit und lediglich für Wohnzwecke an Mitglieder der evangelisch-lutherischen Gemeinde vermietet waren.
Der Fall kam dann jedoch nicht vor Gericht. Zunächst entdeckte das Königsberger Schiedsgericht einen Formfehler bei der Klageforderung, und zudem sei diese falsch zugestellt worden. Das Gericht gab der Staatsanwaltschaft einen Monat Zeit, um den Fehler zu beseitigen, doch die reagierte nicht. Infolgedessen wurde der Fall nicht weiter behandelt.
In der Zwischenzeit ist die Fränkische Villa immer baufälliger geworden. Von der Fassade bröckeln die Ornamente ab. 2016 wurde auf der offiziellen Internetseite des Stadtkreises Tilsit bekannt gegeben, dass die Diözese der ROK eine Möglichkeit gefunden habe, das Gebäude zu sanieren. Doch sichtbare Veränderungen erfolgten nicht.
Im Dezember 2017 sagte der Leiter der Tilsiter Stadtverwaltung Nikolaj Woischtschew, dass „aufgrund einer Verletzung der übernommenen Verpflichtung zum Gebäudeerhalt kleine und teils große dekorative Fassadenelemente verloren gegangen seien. Inzwischen sei es der Leitung der Stadtverwaltung, zusammen mit der örtlichen religiösen Organisation der orthodoxen Pfarrei der Kirche der Drei Heiligen gelungen, einen Investor zu gewinnen, der Interesse an der Wiederherstellung dieser einzigartigen Einrichtung zeige.
Wer dieser geheimnisvolle Investor ist und wann die Fränkische Villa wieder zum Leben erwacht, ist noch unklar.
    Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 07.03.2018
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