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Königsberg mit neuem Bürgermeister

Alexej Silanow löste das langjährige Stadtoberhaupt Alexander Jaroschuk ab
Inspizierten gemeinsam das Stadtzentrum: Alexej Silanow (l.) und Anton Alichanow (r.) Bild: J.T.

Königsberg hat einen neuen Bürgermeister. Der 57-Jährige Alexej Silanow löst Alexander Jaroschuk ab. Er ist kein Unbekannter, da er bereits vor Jahren in der Stadtverwaltung leitende Funktionen innehatte.

Königsberg hat einen neuen Bürgermeister. Als vor einem Monat Alexander Jaroschuk sein Amt niedergelegt hat, wurde schon bald bekannt, wer sein Nachfolger sein wird. Deshalb wurde das Wahlverfahren, das genau nach dem Szenario von vor fünf Monaten ablief (die PAZ berichtete), als Ritual mit vorhersagbarem Ergebnis gesehen.
Im letzten Stadium der Bürgermeisterwahl waren drei von zehn Kandidaten übrig: Der Abgeordnete der Staatsduma aus dem Königsberger Gebiet Alexej Silanow, der Leiter der städtischen Wahlkommission Jewgenij Tschernyschew und die Unternehmerin Jelena Nilowa. Die Wettbewerbskommission bestand aus drei Abgeordneten des Stadtrates und zwei Vertretern der Regionalregierung.
Die Abgeordneten des Stadtparlaments unterstützten fast einstimmig Silanow, 26 stimmten für ihn, nur einer gegen ihn. Silanow ist kein Neuling und vielen Bürgern der Stadt wohlbekannt. Er war Direktor der Mittelschule in Ebenrode [Nesterow], der dortigen Oberschule, Leiter der Bezirksabteilung für Bildung sowie erster stellvertretender Chef der Verwaltung in Ebenrode gewesen, bervor er nach Königsberg ging, wo er noch unter dem damaligen Bürgermeister Jurij Sawenko die städtische Bildungsbehörde leitete. Dann wurde er stellvertretender Leiter der Stadtverwaltung Königsberg und beschäftigte sich mit sozialen Fragen. Später wurde ihm die Stelle als Vize-Gouverneur für soziale Fragen angeboten, und vor zwei Jahren wurde er von der Partei Einiges Russland zum Mitglied der Staatsduma nominiert. Im September 2016 zog er nach Moskau, wo er bis vor Kurzem im Parlament saß.
Silanow sagte, dass er nicht vorhabe, große personelle Änderungen in der Stadtverwaltung vorzunehmen. Als Schwerpunkt seiner Tätigkeit nannte er die Themen „Wohlstand, Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur, Ökologie und das moderne Erscheinungsbild der Stadt“.
Der neue Bürgermeister sprach nicht zufällig vom Wohlstand. Seit der Zeit, als die Gebietsduma die Regierungsgewalt zwischen der Stadtregierung und der Gebietsregierung zugunsten letzterer teilte, befindet sich die Städtebaupolitik in der Hand der Gebietsregierung. Das bedeutet: Die Entscheidung über Bauvorhaben und die Ausstellung von Genehmigungen für den Straßenbau treffen Gebiets- und nicht Stadtbeamte. Die Stadtverwaltung hat nur eingeschränkte Möglichkeiten, den Zustand der Straßen und allgemein genutzter Flächen zu verbessern, kann selbstständig weder ein Konzept für die Stadtentwicklung erarbeiten noch umsetzen, was aber
zweckdienlicherweise im Entscheidungsspielraum der Stadt liegen müsste.
In der Tat kann man von einer Wahl mit besonderer Bedeutung sprechen. Konnte Jaroschuk diese Wahlprozedur und die eingeschränkte Macht noch mit seiner Erfahrung, seinem Einfluss und seinem Charisma kompensieren, so hat Silanow diese Möglichkeit nicht. Man kann daher mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass  Si-lanow die langjährige Konkurrenz zwischen Gebiets- und Stadtregierung beenden wird. Bislang hat der Bürgermeister eine vollkommen untergeordnete Position gegenüber dem Chef der Gebietsregierung. Der erste Rundgang Silanows mit Gouverneur Anton Alichanow hat das plastisch vor Augen geführt.  Silanow lief hinter dem Gouverneur, der nur etwa halb so alt ist wie er, her und hatte Mühe mit dessen schnellen und großen Schritten mitzuhalten. Der Rundgang durch die Stadt, der teils zu Fuß, teils mit der Straßenbahn stattfand, erinnerte an die Unterhaltung eines jüngern Lehrers mit einem älteren Schüler.
Alichanow hielt ständig an den Baustellen, an neuen Bordsteinen, neu gepflanzten Bäumen, neu aufgestellten Bänken an und gab dem Bürgermeister Anweisungen – warum und wofür es notwendig sei, dieses oder jenes zu tun. Der Rundgang des Gouverneurs und des Bürgermeisters ging über den Steindamm bis zum Hansaplatz. Beide kommentierten das Aussehen der zentralen Straßen der Stadt.
Einige Tage nach dieser Inspektion wurde der neue Bürgermeister feierlich in sein Amt eingeführt. Die Zeremonie fand im Haus der Künste statt, genau wie vor fünf Monaten. Deshalb wirkte die ganze Veranstaltung wie ein Déjà-vu. Der einzige Unterschied war, dass an der Feier der scheidende Bürgermeister Jaroschuk teilnahm, der wie immer beste Laune zu haben schien. Es war nicht erkennbar, ob er über irgendetwas verärgert war. „Es gibt die Unterstützung von Gott und dem Gouverneur, das ist sehr wichtig“, sagte er und fügte hinzu: „Wenn es nötig ist, helfe ich dem neuen Bürgermeister so gut ich kann.“
     Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 16.05.2018
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