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Königsbergs Bürgermeister geht

Das Aus nach elfjähriger Amtszeit – Alexander Jaroschuk will die Exklave in Moskau vertreten
Zeigte sich gut gelaunt: Königsbergs scheidender Bürgermeister Alexander Jaroschuk Bild: J.T.

Am 21. März ist Alexander Jaroschuk von seinem Posten als Königsberger Bürgermeister zurückgetreten – auf eigenen Wunsch, wie es offiziell heißt. Die Erklärungen für seinen plötzlichen Rücktritt, nur vier Monate nach seiner Wiederwahl, klangen zwar optimistisch, aber wenig überzeugend.

Bei der Bürgermeisterwahl war das Stadtoberhaupt erstmals nicht mehr direkt, sondern von den Abgeordneten des Stadtparlaments gewählt worden. Gemäß der Ende 2016 geänderten Wahlordnung wählt der Stadtrat den Bürgermeister aus den Kandidaten, die von einer Kommission vorgeschlagen werden. Diese besteht jeweils aus drei Vertretern des Stadtrats und der Gebietsregierung.
Am 29. November wählten die Delegierten Jaroschuk für weitere vier Jahre. Dieselben Abgeordneten nahmen am 21. März den Rücktritt Jaroschuks entgegen. Obwohl das Abstimmungsverfahren eine bloße Formalität war, so überraschte doch die Einstimmigkeit des Abstimmungsergebnisses.
Jaroschuk sprach zu den Anwesenden: „Ich möchte Ihnen allen und meinen Mitarbeitern danken. Sie sind mit mir durch Feuer und Wasser gegangen. Das waren die besten Jahre … Die gemeinsame Arbeit hat uns erlaubt, alle unsere Programme umzusetzen und unsere Stadt viel besser zu machen, als sie bei unserem Antritt war. Ich sage nicht: ,Lebt wohl’, ich sage: ,Auf Wiedersehen’.“ Während der Bürgermeister seine Abschiedsrede hielt, wirkten die Minen einiger Versammelter betreten, anderer sogar deprimiert. Der Einzige, der scheinbar fröhlich blieb, war Jaroschuk selbst. Als Grund für seinen Rücktritt nannte er ein Angebot, zukünftig in Moskau zu arbeiten. Gouverneur Anton Alichanow erklärte, dass Jaroschuks Rücktritt eine gemeinsame Entscheidung gewesen sei.
Keinem von Jaroschuks Vorgängern ist es gelungen, für eine dritte Amtszeit als Bürgermeister in Königsberg wiedergewählt zu werden. 2007 erstmals als Stadtoberhaupt gewählt, ist er der am längsten regierende Bürgermeister der Stadt, drei verschiedene Gouverneure hat er „überlebt“.
Der Rücktritt des Bürgermeisters kam nicht völlig unerwartet. Schon vor der letzten Wahl gab es Gerüchte, dass er zum Ende seiner Amtszeit sein Amt aufgeben könnte. Niemand hatte jedoch damit gerechnet, dass der Rücktritt noch vor Beginn der Fußball-WM erfolgen würde, in deren Vorbereitung der Bürgermeister und seine Mitarbeiter eingebunden waren.
Auf Kommentare, dass es bis zum Beginn der WM nur noch drei Monate sind, sagte der jetzige Ex-Bürgermeister: „Die Aufgaben, die ich zur Vorbereitung der WM übernommen habe, sind praktisch erfüllt. Mit Ausnahme einiger Kleinigkeiten, die aber umgesetzt werden, da die Planungen fertig sind, wie für die Einrichtung von Haltestellen und Bürgersteigen. Das Programm steht, das Geld steht bereit, alles wird getan. Die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung sind gut.“
Als Jaroschuks Nachfolger wird der Abgeordnete der Staatsduma für das Königsberger Gebiet, Alexej Silanow, gehandelt. Er war einige Jahre lang Jaroschuks Mitarbeiter. Er arbeitete zunächst in der Stadtverwaltung als Chef des Bildungskomitees und danach als stellvertretender Leiter der Sozialbehörde.
Über seine zukünftige Beschäftigung sagte Jaroschuk: „Ich möchte nicht aus Königsberg weggehen. Aber auf Bundesebene zum Nutzen unserer Region mitarbeiten, das möchte ich gern. Und ich habe solch ein Angebot, doch es ist noch zu früh, darüber zu sprechen. Ich bin es nicht gewöhnt, mich auszuruhen. Ich habe immer gearbeitet. Zunächst in der Geschäftswelt. Dann, als ich begriffen habe, dass ich nicht meine ganze Zeit der Geldvermehrung widmen will, entschied ich mich dazu, Abgeordneter zu werden. Zwei Jahre lang war ich ruhig, habe beobachtet, was sie dort machen. Dann, als ich es verstanden hatte, begann ich, vieles zu verändern. Sehr schnell habe ich mit meinem Einfallsreichtum und den Erfahrungen zu dieser Zeit die Fraktion Einiges Russland gegründet und Leute um mich versammelt. Für mich sind Menschen und das Team immer wichtig. Wenn du kein Team hast, wirst du nichts erreichen. Gemeinsam mit den Regierenden habe ich versucht, die eine oder andere Entscheidung schnell zu treffen, und dabei musste Verantwortung übernommen werden. Und so wurde ich Bürgermeister. Ich denke, dass ich in dieser Zeit alles getan habe, was ich konnte unter den Bedingungen eines ständigen Budgetmangels.“
In der Königsberger Stadtverwaltung hat Jaroschuk 20 Jahre verbracht: zuerst ab 1998 als Berater des Bürgermeisters in Wirtschaftsfragen, dann als Abgeordneter des Stadtrats, später als Vorsitzender des Stadtrats und die vergangenen elf Jahre als Bürgermeister.
Trotz der Erklärungen des Ex-Bürgermeisters bleiben die wahren Gründe für den Rücktritt Jaroschuks vom Posten des Bürgermeisters offen.    
    Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 11.04.2018
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