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Kopfsteinplaster ist etwas für Experten

Arbeiten vor dem Königsberger Südbahnhof stocken – Bürgermeister Jaroschuk ist für Neuausschreibung
Völlig verzweifelt: Usbekische Bauarbeiter versuchen, das Mosaikpflaster vor dem Königsberger Südbahnhof zu verlegen Bild: J.T.

Das Verlegen von Pflastersteinen gehört in Expertenhand. Zu diesem Schluss kam Königbergs Bürgermeister Alexander Jaroschuk, nachdem er die Bauarbeiten am Südbahnhof inspiziert hatte. Der Auftrag wird nun neu ausgeschrieben.

Vor dem Eingang zum Südbahnhof gehen die Arbeiten an der Zufahrt und dem Gehweg nur schleppend voran. Kopfschüttelnd beobachten Passanten, wie sich Arbeiter aus Usbekistan seit Monaten mit dem Verlegen der Steine abmühen und keinen Schritt vorankommen. Der Grund dafür sind die Pflastersteine der Vorkriegszeit, die beim Beginn der Modernisierungsarbeiten des Bahnhofs zunächst aufgehoben wurden, um anschließend wieder ordentlich verlegt zu werden.
Die Situation hat sich nun derart verschärft, dass Bürgermeister Alexander Jaroschuk beschloss, sich persönlich vor Ort ein Bild vom Fortschritt der Arbeiten zumachen. Er hatte sich vorgenommen, den Auftragnehmer wegen der Nichterfüllung des Zeitplans zu tadeln. Was er zu sehen bekam, öffnete ihm die Augen.
Bei den Pflastersteinen handelt es sich um ziemlich kleine Basaltwürfel, deren Verlegung Kenntnis und handwerkliches Geschick erfordern. Die damit beauftragten Gastarbeiter waren völlig überfordert und verzweifelten an der Aufgabe. Mühsam setzten sie Reihe um Reihe, doch das Ergebnis sah stets schlimmer aus als vorher. Passanten machten spöttische Bemerkungen, was die Arbeiter nur noch mehr aufbrachte: „Das ist eine Strafarbeit! Wir schaffen nur, anderthalb bis zwei Meter am Tag zu verlegen. Und doch liegen sie nicht gleichmäßig.“ Mit dem Brustton der Überzeugung sagte ein usbekischer Arbeiter: „Diese Deutschen waren einfach nur Teufel. Wir können sie einfach nicht wie sie setzen. Ich würde lieber den ganzen Platz mit Platten auslegen.“
Nachdem Jaroschuk gesehen hatte, welche Tortur diese Aufgabe für die Arbeiter aus Zentralasien ist, kam er zu dem Schluss, dass es so nicht weitergehen könne: „Es gibt nur eine Lösung: Ich habe einen Menschen, der buchstäblich mit den Steinen spricht. Ich bitte ihn zu kommen, sich das Ganze anzusehen und Ratschläge zu erteilen. Wir haben hier schon alles ausprobiert, wer mit diesen Granitstückchen arbeiten kann. Es ist fast ein Mosaik, das wieder herzustellen sich als sehr schwierig herausstellt.“ Bei der Auftragserteilung hatte die Stadt einen Preis für die Pflasterung von umgerechnet fünf Euro pro Quadratmeter ausgehandelt. Für einen Quadratmeter benötigt man 620 bis 650 dieser kleinen Steine. Die Vertreter des Stadtausschusses der Königsberger Verwaltung mussten erkennen, dass es heute keine Steinsetzer mehr gibt wie früher, deren Hände an diese Arbeit gewöhnt waren.
Bisher waren sechs Arbeiter mit der Verlegung des Kopfsteinpflasters beschäftigt, doch sie können die Aufgabe nicht bewältigen. Kein erfahrener Spezialist würde für diesen Preis einen solchen Auftrag übernehmen wollen. Bei der Ausschreibung der Stadt war man für die Verlegung des Basaltmosaiks vom gleichen Preis ausgegangen wie für die von einfachem Kopfsteinpflaster.
Der Stadtausschuss für kommunale Wirtschaft wird nun versuchen, eine angemessene Preisgestaltung für diese Arbeit zu erstellen, um jemanden zu finden, der in der Lage ist, die Pflastersteine in guter Qualität zu verlegen.
Bis dahin hat Jaroschuk die weitere Verlegung der Basaltsteine einstellen lassen, da die Arbeiter völlig hinter dem Zeitplan liege und gar nicht fähig sind, die Fläche wiederherzustellen. Es wurde beschlossen, nur die stark beschädigten Pflastersteine auszutauschen und einen Teil des Pflasters durch Platten zu ersetzen, obwohl ursprünglich beabsichtigt war, 1500 Quadratmeter zu pflastern. Und so geht der Kampf mit dem Kopfsteinpflaster weiter.    
    Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 11.10.2017
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