Sie sind hier: Ostpreußen
Sonntag, 19. August 2018

Bildarchiv Ostpreußen

(Zum Vergrößern klicken)

Hier geht's zum Bildarchiv...

Ostpreußen Kalender

August
Mo Di Mi Do Fr Sa So
31 30 31 1 2 3 4 5
32 6 7 8 9 10 11 12
33 13 14 15 16 17 18 19
34 20 21 22 23 24 25 26
35 27 28 29 30 31 1 2

(Klicken Sie auf einen Tag, um die Veranstaltungen zu sehen)

Wehlauer Geschichte im Kreismuseum Syke

Der ostpreußische Patenkreis ist ein fester Bestandteil der Diepholzer Heimatsammlung und Nachkriegsgeschichte
Fluchtszene mit Stücken aus dem Handgepäck und einer Meidenstation Bild: Taenzer

Im Kreismuseum Syke kann man vieles entdecken. Gleich neben dem Haupthaus steht ein Speicher. „Offen“, sagt das Schild an der Tür. Ein Ort, der sich von dem sonst so geräumigen Kreismuseum unterscheidet. Herzlich willkommen im Wehlauer Heimatmuseum: einem eigenen Museum im Museum. Hier geht es nicht um den Kreis Diepholz und seine Vorgängerkreise, sondern um den Wehlauer Patenkreis aus Ostpreußen.


Öffnet man die Tür, so fallen die ersten Blicke auf Modelle von Backsteinkirchen und Burgen. Exponate, Bild und Textmaterial geben einen Einblick in die Geschichte Ostpreußens sowie des Landkreises Wehlau und wecken erste Erinnerungen. Der Kreis Wehlau war von der Land- und Forstwirtschaft geprägt. In der Kreisstadt Wehlau fand auch der Wehlauer Pferdemarkt statt, der in den 1920er Jahren Europas größter Pferdemarkt war.
Geht man weiter, taucht man in den Teil der Geschichte ein, der für die ostdeutschen Provinzen alles änderte: der Zweite Weltkrieg und die Flucht. Eine Fluchtwageninszenierung begleitet die Besucher von Ostpreußen vorbei an Westpreußen, Danzig, Schlesien und Pommern. Im ersten Stock kommen die Besucher an in der Inszenierung einer Amtsstube des Kreises Grafschaft Hoya in Syke. Die Flüchtlingsämter waren wichtige Anlaufstellen für die Flüchtlinge und Vertriebenen in ihren neuen Landkreisen.
Dieser Teil der Ausstellung hat nicht nur die Wehlauer im Blick. Er geht vom heutigen Landkreis Diepholz aus, in deren Vorgängerkreisen zahlreiche Flüchtlinge ein neues Zuhause fanden. Die Wohnzimmereinrichtung von 1954 aus einem Bassumer Siedlungshaus erzählt von dem Ende der Notunterkünfte und Proviso-rien. Für die Flüchtlinge und Vertriebenen setzte wieder ein Stück Normalität ein – doch die Sehnsucht und die Erinnerung an die Heimat blieben.
Erinnerungen sind ein wichtiges Stichwort. In kleinen Filmen erzählen Zeitzeugen und deren Kinder von ihren Erlebnissen und dem Umgang mit ihrer Heimat, beziehungsweise der Heimat der Eltern. Neben Erinnerungsstücken, die zum Fluchtgepäck oder zu den ersten Habseligkeiten nach der Ankunft gehörten, finden sich auch neuere Erinnerungsstücke. Dinge, die gebastelt oder auf Reisen gekauft und mitgebracht wurden. Ein besonderes „Mitbringsel“ ist ein Stapel Porzellan. Dieser wurde 1945 vor der Flucht in Goldbach vergraben und 48 Jahre später beim Erdaushub für eine neue Scheune wieder ausgegraben. Durch Zufall sahen dies gebürtige Goldbacher, die gerade im Rahmen einer Erinnerungsreise (1993) vor Ort waren. Sie erhielten einige Stücke des Fundes, die nun hier im Wehlauer Museum gezeigt werden.
Offiziell trägt das Museum den Titel „Wehlauer Heimatmuseum – Flucht und Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten 1945–1948. Neuanfang und Integration im heutigen Landkreis Diepholz“. Ein sperriger Name, der eine ganze Museumsgeschichte in sich trägt: 1955 übernahm der ‚Agrarkreis‘ Grafschaft Hoya die Patenschaft für den ‚Pferdekreis‘ Wehlau in Ostpreußen. Gleich zur Patenschaftsübernahme wurde ein Wehlauer Zimmer im Syker Kreishei-matmuseum eingerichtet, das hatte aber nur wenige Jahre Bestand.
1981 erhielt die Kreisgemeinschaft, auf Betreiben des Wehlauer Kreisvertreters Werner Lippke, den Ochtmannier Speicher auf dem Gelände des Kreisheimatmuseums zur Nutzung. Dieser wurde mit viel Engagement zu einer Erinnerungsausstellung ausgestaltet, blieb aber für die Öffentlichkeit weitgehend unzugänglich. Klaus Schröter übernahm 1998 die Verantwortung für die Ausstellung. „Er hat aus einer Heimatstube ein Heimatmuseum gemacht“, so Ralf Vogeding, der Leiter des Kreismuseums, der nun beratend zur Seite stand. Jetzt hatten alle Besucher des Kreismuseums Zugang zu der Ausstellung über Ostpreußen und Wehlau. Nach dem Tod Schröters, unter Regie des gebürtigen Königsbergers Gerd Gohlke, unternahm die Kreisgemeinschaft Wehlau gemeinsam mit dem Kreismuseum einen wichtigen Schritt zur Zukunftssicherung. Zusammen mit dem hier ebenfalls aktiven BdV-Kreisverband und einem Gestaltungsbüro wurde die Ausstellung neu gestaltet und 2009 als „Wehlauer Heimatmuseum“ wiedereröffnet. Mit Hilfe einer Kooperationsvereinbarung ist das Museum mit seiner informativen Ausstellung, das weiter in Trägerschaft und Verantwortung der Kreisgemeinschaft liegt, zu einem festen Bestandteil des Kreismuseums geworden. Darauf sind alle Beteiligten stolz.
Die ursprünglichen Patenkinder, die Kreisgemeinschaft Wehlau und der Kreis Diepholz, sind sich in den letzten 20 Jahren immer näher gekommen. Nach längerer Pause finden seit einigen Jahren die Kreistreffen wieder im Patenkreis statt. Zudem hat sich die Zusammenarbeit mit dem Kreismuseum intensiviert. Zunächst zeigte die Kreisgemeinschaft kleine, eigene Sonderausstellungen im Kreismuseum. 2014 war im Kreismuseum eine Ausstellung zum Ersten Weltkrieg geplant. Der Patenkreis wurde eingeladen, eine Parallelausstellung für das Foyer zu konzipieren. Denn anders als in den Vorgängerkreisen des Landkreises Diepholz war Wehlau in Ostpreußen direkt vom Geschehen des Ersten Weltkrieges betroffen. Im Folgejahr (2015) ging die Kooperation noch ein Stück weiter. Wieder anlässlich eines Krieges, 70 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges, entstand im Kreismuseum die Ausstellung „Die Not vor Augen. Europa im Blick. Alltagssorgen, Neuanfänge und Visionen in den Altkreisen Grafschaft Hoya und Grafschaft Diepholz 1945–1948“. Hierfür arbeiteten zwei Kuratorinnen im Auftrag des Kreismuseums und des BdV-Kreisverbandes/der Kreisgemeinschaft Wehlau eng verzahnt die Nachkriegsgeschichte auf.
Auch im Museum tut sich was. Bald nach der Wiedereröffnung wurde klar, dass die modernen Sitzgelegenheiten für die Besucher des Wehlauer Museums ungeeignet waren. So wurden diese umgebaut. Zudem steht in Aussicht, dass in den nächsten Jahren im Museum zusätzliche Inhalte gezeigt werden können. Und auch das Wehlauer Archiv, in dem weitere Sammlungsbestände bewahrt werden, wird aktuell intensiv bearbeitet, damit ebenfalls dieses für die Zukunft gesichert werden kann.    Ulrike Taenzer
Das Wehlauer Museum hat gleiche Öffnungszeiten und Adresse wie das Kreismuseum Syke, Herrlichkeit 65, 28857 Syke. Montags geschlossen, Sommeröffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14 bis 17 Uhr, Sonnabend 14 bis 18 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr (zu den Winteröffnungszeiten siehe www.kreismuseum-syke.de). Ansprechpartner: Gerd Gohlke für das Wehlauer Museum (04241) 5586 und für das Kreismuseum Syke (04242) 2527.

Veröffentlicht am 18.05.2016
Testen Sie die PAZ!

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 
Zurück