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Verpasste Chance für Allenstein

Hochschulübernahme kam nicht zustande – Schulen in Südostpreußen von Schließung bedroht
Ihr droht das Aus: Privathochschule OSW in Allenstein Bild: study4u.eu

Die Würfel sind gefallen. Es gibt keine Hoffnung mehr auf den von vielen ersehnten Zusammenschluss der Allensteiner Privathochschule Olsztynska Szkoła Wyzsza (OSW) mit der Universität Ermland-Masuren.

Alle, denen die Entwicklung des Hochschulwesens im südlichen Ostpreußen am Herzen liegt, sind enttäuscht. Bereits im November vergangenen Jahres berichteten lokale Medien darüber, dass sich die nichtstaatliche Hochschule an den Rektor der Universität, Ryszard Górecki, mit der Bitte gewandt hat, übernommen zu werden. Die Unibehörden betrachteten diesen Vorschlag mit großem Interesse, weil die private Bildungsstätte dafür bekannt ist, dass sie Fachrichtungen wie Physiotherapie, öffentliches Gesundheitswesen, Sport auf Lehramt oder Kosmetologie anbietet, was eine Ergänzung zu den von der staatlichen Uni angebotenen Studiengängen darstellt.
Außerdem verfügt die private Hochschule über gut ausgestattete Hörsäle, Übungsräume sowie eine eigene Turn- und Schwimmhalle. Ihr Vermögen schätzt man auf zirka zehn Millionen Euro. Vor allem die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Medizinfakultät hätten gern die Gelegenheit zur Zusammenlegung der Bildungsstätten ergriffen, hätte solch ein Schritt doch die ohnehin schon breite Palette der universitären Studiengänge um einige weitere Fachrichtungen bereichert. So hätte sich eine Möglichkeit zur Ausbildung von Physiotherapeuten ergeben.
Professor Ireneusz Kowalski, Leiter des Lehrstuhls für Rehabilitation an der Uni Ermland-Masuren, unterstrich auf der Tagung des Unisenats, dass Physiotherapeuten in der Region dringend benötigt würden. Nach vielen Sondierungsgesprächen stellte sich  heraus, dass der erwartete Zusammenschluss nicht zustandekommen wird. Dazu trugen viele Faktoren bei.
Eines der Hindernisse steckte im Verwaltungsrecht, demzufolge es unmöglich ist, die Fusion einer privaten und einer staatlichen Hochschule aus dem Staatsbudget zu finanzieren. Somit müsste die Universität Ermland-Masuren die Investition mit eigenen Mitteln umsetzen. Das wiederum steht den Plänen der Unibehörden entgegen, die einen neuen Sitz für die Fakultät für Recht und Verwaltung aufbauen wollen und ein Zentrum für Wissens- und Innovationsverbreitung planen. Schätzungsweise wird diese Investitionen rund 15 Millionen Euro kosten, sodass es seitens der Uni waghalsig wäre, die Kosten für die Übernahme der privaten Bildungsstätte zu übernehmen. Aus diesem Grund wurde die Idee der Vereinigung von Bildungsinstitutionen von der Mehrheit der wissenschaftlichen Unimitarbeiter endgültig abgelehnt.
Dass überhaupt die Idee aufkam, die OSW mit der staatlichen Uni zu vereinigen, liegt eindeutig am demografischen Wandel. Es mangelt an jungen Menschen im Studentenalter. Da die Finanzierung der privaten Bildungsstätte zum Großteil aus den Studiengebühren stammt, geriet die Hochschule in den vergangenen Jahren in eine Finanzkrise. Sie versuchte ihr Budget aufzubessern, indem sie ihre Sportobjekte, die Turnhalle, den Fußballplatz und die Leichtathletikanlage, an einen Bauträger verkaufte. Dort, wo sich damals Sportanlagen befanden, werden neue Wohnblöcke entstehen. Auf längere Sicht geht es ohne neue Studienbewerber nicht mehr. Das Horrorszenario einer Schließung der Hochschule könnte Wirklichkeit werden.
Die geburtenschwachen Jahrgänge sind nicht nur ein Problem im Bereich des Hochschulwesens, sondern auch für die städtischen allgemeinbildenden Lyzeen, Technika und Berufsschulen. Seit dem Jahr 1999 lässt sich polenweit ein Rückgang der Geburtenzahlen beobachten, wie aus den Angaben des Statistischen Hauptamtes hervorgeht. Zwar erlebte Polen 2009 und in den drei draufkommenden Jahren einen kleinen Zuwachs der Bevölkerung, aber seitdem verzeichnet man wieder einen Bevölkerungsschwund. Zu den Gründen dieser demografischen Entwicklung gehören veränderte Lebensweisen, das gängige Modell der Kleinfamilie, neu definierte Geschlechterrollen, eine steigende Zahl der Scheidungen sowie relativ geringe Durschnittsgehälter.
Die Tatsache, dass wenige Kinder geboren wurden, wirkt sich jetzt dramatisch auf die weiterführenden Schulen aus. Da man im letzten Jahr mit der Rekrutierung von neuen Schülern Schwierigkeiten hatte, mussten in vielen Bildungsstätten Allensteins Klassen geschlossen werden. Laut den statistischen Angaben gibt es gegenwärtig in einer Klasse durchschnittlich 20 bis 22 Schüler, während vor Jahren noch mindestens 30 Schüler in einer Klasse lernten. Solch ein Entwicklungsstand erzwingt Entlassungen von Lehrern von Oberschulen, die eine Neueinstellung in Grundschulen suchen. Dort spürt man wegen des Geburtenzwischenhochs noch den Zustrom von geburtenstarken Jahrgängen.
Es brechen schwierige Zeiten für die Lehrkräfte an, weil der Stadtrat angesichts der wenigen Jugendlichen erwogen hat, im kommenden Schuljahr das C.K.-Norwid-Lyzeum Nr. 8 und das 9. Lyzeum mit Integrationsklassen aufzulösen. Erfreulich ist dagegen, dass Allenstein 2018 zum Spitzenreiter bei Geburten ausgerufen wurde. Das lässt ein wenig positiv in die Zukunft blicken.     Dawid Kazanski

Veröffentlicht am 06.06.2018
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