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Wer ist Anton Alichanow?

Der neu gewählte Gouverneur des Königsberger Gebiets gibt erstmals ein Interview zu seiner Herkunft
Der neuen Wirkungsstätte verbunden: Anton Alichanow mit einem Stück ostpreußischen Bernsteins Bild: FO/TWW

Über die Herkunft des vom Kreml eingesetzten und jetzt durch die Wähler bestätigten jungen Gouverneurs des Königsberger Gebietes, Anton Alichanow, ist viel spekuliert worden. Staatlicherseits hat man wenig dagegen getan, sondern im Gegenteil manche Nebelkerze gezündet, die eher Fragen aufwarf, als dass sie Antworten gegeben hätte. Aufklärung erbrachte der jugendliche Hoffnungsträger Moskaus freilich selbst in einem Gespräch mit dem Königsberger Fernsehen.
Der Vater seiner Mutter – der höfliche Politiker begann seine Schilderung mit der weiblichen Linie – stammte demnach von griechischen Steinmetzen aus dem Gebiet des früheren Trapezunts ab, also dem heutigen Trabzon an der östlichen türkischen Schwarzmeerküste. Dieser heiratete dann  eine Don-Kosakin, in deren Adern neben slawischem auch kasachisches Blut floss. Sein Großvater väterlicherseits war ein Georgier, dessen Frau wiederum aus Zentralrussland stammte. Alichanows Eltern hatten sich während ihrer gemeinsamen Schulzeit in der abchasischen Hauptstadt Suchumi kennengelernt, das zur Sowjetzeit ein Teil Georgiens war. Die junge Familie floh schließlich mit Beginn des abchasisch-georgischen Krieges 1992 nach Moskau, wo der junge Anton seitdem aufwuchs.
Mittellos waren diese Emigranten freilich nicht, denn sein Vater Andrej verfügte hier bereits über beste Kontakte, zu denen sich sein Sohn freilich weniger freimütig äußerte. Zu ihnen zählen der jetzige Erste Stellvertretende Regierungschef Igor Schuwalow, ein enger Vertrauter Präsident Putins, der bekannte Umweltpolitiker und Grünen-Chef Oleg Mitwoll, der im Lande bereits höchste Posten bekleidete, auch vor Auseinandersetzungen mit mächtigen Oligarchen und der Kreml-Jugend nicht zu-
rückschreckte und selber schon als Kandidat für die Führung Königsbergs gehandelt wurde, sowie der jetzige Vertreter des Präsidenten im Wolgagebiet, Michail Babitsch, der damals gemeinsam mit Alichanow Senior beim russischen Fleischhandelsunternehmen Rosmjasomoltorg arbeitete – einem Giganten seiner Branche, der, wie man den verfügbaren Firmenunterlagen entnehmen kann, dem Vater des Politikers zu einem Fünftel gehört.
Auch Alichanows Frau Darja stammt aus keiner unvermögenden Familie. Sie ist eine Enkelin des bekannten Moskauer Mediziners Mogeli Chubutija, einem ebenfalls aus Suchumi stammenden Georgier, welcher eine eigene Klinik besitzt. Zu ihren Verwandten gehört der Präsident der Vereinigung der Georgier in Russland, Michail Chubutija, der wiederum mehrere Unternehmen kontrolliert beziehungsweise besitzt und zudem über einen nicht unerheblichen politischen Einfluss auf die russische Regierung verfügt. Angesichts des ebenso engen wie bisweilen belasteten Verhältnisses Russlands zu Georgien könnte einem solch georgischstämmigen und -versippten Politiker wie dem jungen Alichanow in Zukunft noch eine wichtige Aufgabe im Bereich der „Nahen Außenbeziehungen“ zukommen. Bis es soweit ist, betonte er aber freilich lieber den griechischen Anteil seiner Herkunft – man sollte sich eben nicht vor der Zeit verbrauchen.
2015 wurde Anton Alichanow denn auch zunächst auf Veranlassung Präsident Putins zum Vize-Premier im nördlichen Ostpreußen bestimmt und wechselte erst einmal von der Moskwa an den Pregel, bevor er vor einem Jahr ebenfalls vom Präsidenten kommissarisch zum dortigen Gouverneur ernannt und nun durch das Volk in diesem Amt bestätigt wurde. Wie er im Fernsehen launig anmerkte, kenne jeder den „Weg von den Warägern zu den Griechen“, der an den wikingischen Anfängen des russischen Staates stand – sein eigener Lebensweg sei aber eben genau umgekehrt verlaufen. Der junge Spross des alten Byzanz hatte demnach seine Vorfahrenaufzählung also durchaus mit Bedacht gewählt – und könnte angesichts seiner auch sonst unter Beweis gestellten Umsicht durchaus das Zeug dazu haben, den ein oder anderen neueren Sumpf im alten Preußenlande trockenzulegen.
    Thomas W. Wyrwoll

Veröffentlicht am 10.11.2017
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