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Streit um »Hexenverbrennung« in Rößel

Ministerin für Gleichstellung versuchte vergeblich, das Schauspiel zu verhindern – Marketingstelle bestreitet ideologischen Hintergrund

Die kleine Kreisstadt Rößel wurde diesen Sommer Schauplatz einer von vielen als bedenklich empfundenen Veranstaltung. Dort wurde nämlich die angeblich letzte Hexenverbrennung in Europa nachgestellt, die 1811 im südlichen Ostpreußen stattgefunden haben soll. Derartige Inszenierungen gab es auch schon 1981 und 2008, doch sollte diesmal wegen des runden Jahrestages das Ereignis mit großem Brimborium nachgestellt werden. Ein Protestbrief der Ministerin für Gleichstellung verschaffte der Veranstaltung dabei eine ungewollte zusätzliche Publicity. Die Ministerin vertritt in dem Schreiben die Meinung, eine nahezu authentische Inszenierung einer Hexenverbrennung sei anstößig und sittenwidrig. Sie verlangte, die für den späten Abend des 21. August geplante Inszenierung abzusagen. Trotz dieses Protestes fand das „Event“ wie geplant statt und es lockte etliche Hundert Schaulustige auf den Parkplatz vor der Rößeler Burg.

Die verantwortlichen Veranstalter sehen in ihrer Inszenierung nichts Unpassendes und argumentierten, es handele sich nur um eine Art lehrreiche Geschichtsstunde und zudem um eine Werbung für die Stadt. Der Ministerin werfen sie vor, sich nicht selber vor Ort ein Bild verschafft zu haben, bevor sie sich geäußert habe. Sie unterstreichen den angeblich informativen Charakter der Inszenierung.

Inszeniert wurde der Tod von Barbara Zdunk. Als unumstritten gilt, dass diese Frau vor 200 Jahren in Rößel auf dem Scheiterhaufen starb und polnischer Nationalität war. Umstritten ist hingegen, ob sie tatsächlich wegen Hexerei und nicht vielmehr wegen Brandstiftung verbrannt wurde, ob sie wirklich schuldlos war an den Bränden Rößels von 1806/07 und ob ihre Verurteilung zum Tode tatsächlich das Ergebnis antipolnischer Ressentiments war.

Die 1769 geborene geistig Behinderte war aus Bartenstein zu Fuß nach Rößel gekommen. Dort wurde sie bezichtigt, für den verheerenden Brand der Stadt im September des Jahres 1807 verantwortlich zu sein. Nach einem langwierigen Prozess vor dem Provinzialgericht in Königsberg wurde sie zum Tode verurteilt. Seitdem gilt sie manchen als letztes Opfer der Hexenverfolgung in Europa.

Polnische Nationalisten behaupten bis heute, dass die harte Verurteilung politisch motiviert gewesen sei. Die angeblich völlig unschuldige Zdunk sei nur aufgrund ihrer polnischen Nationalität verdächtigt worden. Sie hatte sich in einer Gasse unweit der Burg in Rößel aufgehalten und über ihren Liebhaber, der sie im Stich gelassen hatte, geschimpft. Zu dieser Zeit sollen in Diensten Napoleon Bonapartes stehende polnische Soldaten die Burg angezündet haben. Die Brandquelle befand sich in derselben Gasse und so wurde Barbara Zdunk verdächtigt.

Regisseur Artur Galicki ist eine märchenhafte und symbolträchtige Aufführung gelungen, bei der vor allem die Feuerwerker zum Zuge kamen. Musik und Tanz begleiteteten die Veranstaltung, bei der wider Erwarten Gewaltdarstellungen ausblieben. Die Zuschauer konnten aber den Henker sehen, der die Verurteilte auf den Scheiterhaufen führte. Deren Tod selbst wurde nur angedeutet.

Die meisten Zuschauer empfanden die Inszenierung in Rößel als äußerst gelungen und unterstrichen, dass sie ihnen geholfen habe, die Geschichte der Stadt, auch wenn es sich um solch tragische Vorfälle handelt, besser kennenzulernen. Diese Ansicht teilt auch Marcin Ryt­czak von der Marketingstelle im Allensteiner Rathaus. Er hält die umstrittene Initiative der Stadt Rößel für besonders attraktiv, zumal sie gut in den historischen Kontext hineinpasse und keinen ideologischen Hintergrund habe.

Grzegorz Supady/PAZ

Veröffentlicht am 11.10.2011
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