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»Polnischer Korridor« und »preußische Tragödie«

Auf der Arbeitstagung der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen in Sensburg wurde offen und lebhaft diskutiert
LO-Sprecher Stephan Grigat, Bernard Gaida und Henryk Hoch (v.l.n.r.) lauschen gemeinsam mit den übrigen Teilnehmern den Vorträgen der Referenten Bild: E.G.

Die diesjährige Tagung der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen fand am 11. und 12. April in Sensburg [Mragowo] statt und wurde von dem stellvertretenden Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Gottfried Hufenbach, geleitet. So wie bei den ersten Sitzungen wurden neben organisatorischen auch wissenschaftliche und historische Inhalte angeboten.

Die erste Arbeitstagung fand vor fast 25 Jahren vom 9. bis 16. November 1990 in Bad Pyrmont statt. Das Hauptziel war es,  gemeinsam mit Landsleuten aus Ostpreußen Möglichkeiten zu finden, um deutsche Kulturvereine vor Ort zu unterstützen oder neu aufzubauen. Seit diesem Zeitpunkt sind die Treffen zwischen Vertretern der deutschen Vereine und der LO schon eine Tradition.
Zu Beginn der diesjährigen Veranstaltung drückte der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Stephan Grigat, in seinem Grußwort eines der Hauptziele des Vereins aus, nämlich den Erhalt der deutschen Volksgruppe in Ostpreußen, und er betonte, dass in der heutigen geopolitischen Lage die Bewahrung der Identität eine Garantie für den Zusammenhalt Europas sei.
Der Historiker und Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) Ralf Meindl hielt ein Referat über die wirtschaftliche und politische Entwicklung Ostpreußens in der Zwischenkriegszeit. Er schilderte die Probleme der Provinz nach dem Ersten Weltkrieg: Wirtschafts- und Agrarkrise, Inflation, Zwangsversteigerungen, Mangel an Nahrungsmitteln, Verlust von Absatzmärkten, Verschlechterung der geopolitischen Situation, Entstehung des sogenannten polnischen Korridors. Somit stellte er auch die Umstände der Machtübernahme der Nationalsozialisten, die unter anderem die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit anboten, sowie den Übergang von der Agrar- zur Industriegesellschaft dar.
Der nächste Programmpunkt war die Vorstellung der Aufgaben des ifa und dessen Bedeutung für die deutsche Volksgruppe in Polen. In diesem Vortrag präsentierte  Meindl die Institution, die eine Körperschaft des öffentlichen Rechts ist, aber  vom Auswärtigen Amt finanziert wird. Das ifa unterstützt und fördert die auswärtige Kulturpolitik, den internationalen Kulturaustausch und den internationalen Dialog. Zu seinen Arbeitsbereichen zählen: Kunst und Kultur, Bildung und Erziehung, Wissenschaft, Information sowie Dokumentation. Das Institut ist in Mittel-, Ost- und Südeuropa sowie in Asien und Afrika tätig. Zu den Hauptaktivitäten des ifa gehören: Forschungen zu Kultur in der Außenpolitik, Forschungsbibliothek, Stipendien, Informationsveranstaltungen, Beratung des Auswärtigen Amts (AA) und von Nichtregierungsorganisationen (NGO), Kunstförderung (Galerien, Wanderausstellungen), Entsendeprogramme und Projektförderung. Im Rahmen des Entsendeprogramms wurde auch Meindl als ifa-Kulturmanager zum Verband der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren entsandt. Seine Hauptaufgaben sind die Unterstützung der Projekte des Verbandes und der deutschen Gesellschaften sowie die Durchführung eigener Projekte.
Während der Tagung wurde der Film „Rosa“ (polnisch „Róza“) von Wojciech Smarzowski gezeigt. Das Historiendrama erzählt das erschütternde Los der Masuren nach 1945. Es wurde ein Einzelschicksal als Sinnbild für das Leid vieler Menschen dargestellt und somit zeigt Smarzowski die Verbrechen der polnischen und sowjetischen Armee an den Masuren.
Der Film bildete auch den Auftakt für das nächste Tagungsthema, die sogenannte preußische Tragödie. Der Begriff existiert seit Kurzem. Er entstand im Zusammenhang mit der Oberschlesischen Tragödie, die im politischen Diskurs die Verbrechen an der deutschen Bevölkerung aus dieser Region und die Vertreibungen nach 1945 bezeichnet.
Die Bedeutung des Begriffs „preußische Tragödie“ erklärte Paweł Sieger, Dokumentarfilmregisseur. Er beschränkte die Definition nicht nur auf Verbrechen und Vertreibungen, sondern bezeichnete die geraubte Identität als Tragödie. Als Zeitrahmen gab er die Jahre 1945 bis 1989 an, weil es erst ab 1990 erlaubt war, deutsche Vereine in Polen zu gründen. Nach der emotionalen Rede von Sieger, in der er nach preußischer Identität fragte und sich provozierend an die Tagungsteilnehmer wandte mit dem Vorwurf: „Was habt Ihr gemacht?!“, brach eine lebendige Diskussion aus. Es stellte sich heraus, dass die Identitätsfrage immer noch aktuell und dass auf jeden Fall der Gesprächsbedarf sehr groß sei.
Abschließend wurde über die Situation der deutschen Vereine und der LO im Hinblick auf Struktur und Mitgliederzahl berichtet. Während in den Landesgruppen und Kreisgemeinschaften in der Bunderepublik Deutschland eine stark schrumpfende Mitgliederzahl festzustellen ist, ist der Schrumpfungsprozess bei den deutschen Vereinen in Ostpreußen nicht so beträchtlich. 2011 vermerkte die Deutsche Minderheit in Ermland und Masuren 7600 Mitglieder und im Jahr 2015 beträgt die Zahl 7100.
Als letzter Tagungspunkt wurden die Vorhaben und Veranstaltungen der Landsmannschaft Ostpreußen und des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren für das Jahr 2015 dargestellt, unter anderem: 20. Juni Sommerfest in Sensburg, 27. und 28. Juni Sommerolympiade der ostpreußischen Jugend in Ermland und Masuren, 10. und 11. Oktober Kommunalpolitischer Kongress in Allenstein, 10. bis 14. November Deutsche Kinowoche in Ermland und Masuren.

Edyta Gladkowska

Veröffentlicht am 14.04.2015
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