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Vom Landwirt zum Künstler

Ausstellung in Ellingen zeigt Bekanntes und Unbekanntes des Ehepaars Sanden-Guja
Plastik seiner Frau Edith: Otter "Ingo" im Garetn des Ehepaars Foto: Archiv

Eine Kabinettausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen erzählt das Leben des Naturschriftstellers Walter von Sanden-Guja. Nach seiner Flucht aus Ostpreußen nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte er sich für den Naturschutz am Dümmer.

Der am 18. Juni 1888 in Marienwalde im Kreis Darkehmen geborene Walter von Sanden wuchs in Launingken im Kreis Angerapp, das 1938 in Sanden umbenannt wurde, auf. 1911 übernahm er die wirtschaftliche Leitung des 2750 Hektar großen Besitzes seiner Eltern, wovon 366 Hektar zu Klein Guja gehörten. Unterbrochen durch den Einsatz als Offizier im Ersten Weltkrieg an der Ostfront, blieb er bis zur Flucht im Januar 1945 Landwirt. Der Lebensmittelpunkt von Walter von Sanden, der 1914 Ehefrau Edith heiratete, war ab diesem Zeitpunkt das Gut Klein Guja im Kreis Angerburg südlich des Nordenburger Sees. In dieser Zeit hatte er Kontakte mit Amtsgerichtsrat Dr. Friedrich Tischler, einem der besten Kenner der ostpreußischen Vogelwelt und Ernst Schütz, dem örtlichen Leiter der Vogelwarte in Rossitten, die seine Gedanken an die Natur wesentlich beeinflussten sowie mit Otto Koehler, Professor für Zoologie in Königsberg, der ihn auf Grund seiner Kenntnisse der Tierwelt als „ganzheitlichen Ökologen“ bezeichnete.

Faszinierte ihn vor dem Ersten Weltkrieg noch die Jagd, so spürte er später den Tieren seiner Umgebung nur noch mit dem Fotoapparat nach. Er baute sich Ansitze und unternahm Touren mit seinem Boot, um Tiere und Landschaft im jahreszeitlichen Rhythmus zu fotografieren. Die Abzüge für seine ersten Ausstellungen stellte er in der eigenen Dunkelkammer her.

Gegebenheiten des täglichen Lebens und die Abläufe in der Natur beschrieb Walter von Sanden in einfühlsamer und leicht verständlicher Sprache. 1933 erscheint mit „Guja – See der Vögel“ sein erstes Buch. „Das gute Land“ und „Schicksal Ostpreußen“ sind herausragende Autobiografien, seine Naturschilderungen entstammen seiner Umgebung. Von ihm erdachte Geschichten erschienen erst nach dem Zweiten Weltkrieg wie auch 1965 sein erster eigener Gedichtband. Ein weiteres bekanntes Werk von Sanden ist „Die Geschichte meines Fischotters“ aus dem Jahre 1939. Dazu modellierte Frau Edith die Plastik des auf dem Gutshof lebenden Fischotters „Ingo“, der auch den bekannten Tierfilmer Heinz Sielmann bei seinem Besuch in Klein Guja im Sommer 1937 faszinierte.

Die Jahre des Nationalsozialismus beeinflussten Sanden in vielfältiger Weise. Sein menschenfreundlicher Umgang mit auf dem Gut eingesetzten Kriegsgefangenen wurde kritisch von regimetreuen Nachbarn und der NSDAP betrachtet. Den Versuchen der Partei, ihn in ihre Strukturen einzubinden, widersetzte er sich mit Nachdruck.

Als im Januar 1945 die Rote Armee nach Ostpreußen eindrang, brachen Walter und Edith von Sanden-Guja am 22. Januar in Richtung Westen auf. Über das Eis des Frischen Haffes und weiter auf überfüllten Straßen, gelangten sie  nach Pommern, Neustrelitz und Havelberg. Dort entschieden sie sich, die Flucht zu dem 1929 von ihnen erworbenen Hafnerhof in Kärnten fortzusetzen. Später siedelten sich die beiden am Dümmer an, wo sie 1952 in Hüde ein kleines Haus erbauten. Wie in seiner ostpreußischen Heimat für den Nordenburger See engagierte sich Sanden an seinem neuen Wohnort für die Natur, vor allem für den natürlichen Erhalt des Dümmer. Allerdings konnte er die Maßnahmen zur Rettung des Sees wie etwa den Bau einer Abwasserringleitung, der den See vor der Überdüngung durch die Landwirtschaft schützte, nicht mehr in Gänze erleben. Der 1958 mit dem Kulturpreis der Landsmannschaft Ostpreußen für Literatur und 1965 mit dem Verdienstkreuz des Niedersächsischen Verdienstordens für seinen Einsatz um den Dümmer ausgezeichnete Walter von Sanden-Guja starb am 7. Februar 1972.

Sein Nachlass  liegt bei der Kreisgemeinschaft Angerburg in Rothenburg/W. Die vom Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg konzipierte und von Bernhard Denga vom Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen grafisch gestaltete Ausstellung „Walter von Sanden-Guja“, in der neben den Bildtafeln über das Leben des Schriftstellers auch zahlreiche Originalwerke sowie Tierplastiken seiner Frau Edith zu sehen sind, ist bis Dezember 2011 im Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen zu sehen.

Das Museum im Deutschordensschloss ist Dienstag bis Sonntag von 10 bis 12 und von 13 bis 17 Uhr geöffnet, ab Oktober von 10 bis 12 Uhr und von 14 bis 16 Uhr.             

Manfred E. Fritsche

Veröffentlicht am 07.09.2011
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