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Als die Dampfer übers Haff fuhren

Pittoreske Reiseroute per Schiff erfreute sich großer Beliebtheit − Konkurrenz durch Bahn
Startklar für die Fahrt übers Frische Haff: Dampfschiffe im Elbinger Hafen Bild: Archiv

Nach Überwindung anfänglicher Schwierigkeiten etablierte sich die Dampfschifffahrt auf der Ostsee gegen Ende der 1820er Jahre. Da ein Stettiner Dampfer seit 1827 regelmäßig und zuverlässig Passagiere, Post und Frachten zwischen Stettin und Swinemünde beförderte, planten auch einige Elbinger Kaufleute, eine Verkehrsverbindung mit einem Dampfschiff zwischen Elbing und Königsberg auf dem Frischen Haff einzurichten. Dazu ließ man eine aus Glasgow bestellte Dampfmaschine in einen hölzernen Schiffsrumpf des Werftbesitzers Fechter einbauen. Die Dampfschiffe damaliger Zeit waren meist 35 bis 40 Meter lang und hatten zwei große, seitlich angebrachte Schaufelräder, einen hohen schwarzen Schornstein und, sofern sie für die Seefahrt bestimmt waren, eine Hilfstakelage. Ab Sommer 1828 pendelte der Dampfer „Copernicus“ auf dem Haff zwischen Elbing und Königsberg hin und her. Aber schon im Oktober desselben Jahres war alles zu Ende. In einem schweren Sturm konnte sich die Besatzung noch an Land retten, bevor das Schiff bei Balga ans Ufer geworfen wurde. Es war stark beschädigt und wurde zum Segler umgebaut.  
Erst Ende der 1830er Jahre wagten fünf Elbinger Kaufleute einen Neuanfang mit der Dampfschifffahrt. Damals verkehrte von Königsberg aus ein alter schwedischer Dampfer namens „Anna Henriette“ auf der Ostsee; zu welchem Zielort, ist nicht bekannt. Er fuhr selbst für damalige Ansprüche äußerst langsam. Ein anderer Königsberger Reeder ließ in England ein Dampfschiff namens „Gazelle“ erbauen und richtete damit im Juni 1840 die Linie Königsberg-Stettin ein. Die Fahrtzeit betrug 36 Stunden. Zwischen Danzig und Königsberg verkehrte ein Dampfer, der elf Stunden Reisezeit benötigte. Wegen der geringen Wassertiefe des Frischen Haffs von nur wenigen Metern erteilte die neu gegründete Elbinger Schifffahrts-Gesellschaft einer Londoner Werft den Auftrag, ein besonders flachgehendes Fahrzeug zu erbauen und zwar ganz aus Eisen, was auch in England noch eine Ausnahme darstellte. Seine Probefahrt auf der Nordsee, durch Kattegat und Skagerrak legte der Dampfer mit dem Namen „Schwalbe“  im Sommer 1840 zurück und wurde beim Einlaufen nach Elbing von Tausenden Zuschauern begrüßt, die an beiden Ufern der Nogat standen und jubelten. Man verstand, dass eine neue Zeit angebrochen war. Im September desselben Jahres wurde die „Schwalbe“ in Dienst gestellt. Bei der ersten Reise nach Königsberg waren illustre Gäste an Bord, die zur Huldigungsfeier für König Friedrich Wilhelm IV. geladen waren. Seitdem verkehrte das Schiff regelmäßig zwischen Elbing und Königsberg. Wegen der schwachen Maschinenleistung von 24 PS dürfte die  Fahrtzeit mindestens zehn Stunden betragen haben.
Die neue Fahrgelegenheit war rasch überaus beliebt, zumal nur die enge, unbequeme Postkutsche als weiteres Transportmittel zur Auswahl stand. Die landschaftlich schöne Haffküste mit Frauenburgs Türmen auf der Südseite und der Anblick der langgezogenen, teils bewaldeten Dünen auf der Frischen Nehrung erweckten bei vielen Fahrgästen den Wunsch, ihre Ferien und Freizeit an der Haffküste zu verbringen. Weil immer mehr Urlauber kamen, entwickelte sich das auf der Nehrung gelegene Fischerdorf Kahlberg, bis dahin nur ein Geheimtipp unter Eingeweihten, rasch zu einem Seebadeort mit Villen, Straßen und Gärten. Schon 1841 brachte die Elbinger Reeder-Gesellschaft ein zweites, größeres Dampfschiff aus Eisen namens „Falke“ in Fahrt, das mit einer 32 PS-Dampfmaschine ausgestattet war. Seitdem standen tägliche Abfahrten nach Königsberg auf dem Fahrplan. Ein paar Jahre später wurde die „Schwalbe“ gegen einen anderen englischen Dampfer namens „James Watt“ ausgewechselt und auf einer neu eingerichteten Fährverbindung nach Kahlberg eingesetzt.
Auch Braunsberg und Frauenburg profitierten von der Reiseverbindung. Frauenburg war der Anlegehafen. Zubringer waren die sogenannten Journalieren, Fuhrwerke, die regelmäßig auf der Chaussee zwischen Frauenburg und Braunsberg verkehrten. Bei besonderen Anlässen reisten Bewohner aus weit entfernten Gegenden an, so zum 500jährigen Bestehen der Königsberger Schützengilde am 16. Juni 1851. Nicht nur über das Frische Haff, sondern aus allen Teilen Ostpreußens strömten die Festteilnehmer in Ostpreußens Hauptstadt und nutzten die bestehenden Dampfschiffslinien: aus Tapiau, Labiau, Tilsit, Wehlau, Memel, Angerburg, Insterburg, Preußisch Holland, Graudenz, Marienburg Marienwerder und anderen Orten. Von Memel aus bestand durch den Dampfer „Friedrich Wilhelm IV.“ eine Fahrgelegenheit nach Königsberg auf dem Kurischen Haff. Königsberger Kaufleute unterhielten Dampfschiffslinien, um das östliche Hinterland verkehrsmäßig anzubinden. Auch auf den Masurischen Seen und auf der Weichsel sah man Dampfer.
Die Eröffnung der Eisenbahnlinie Marienburg-Braunsberg-Königsberg 1851 und 1852 bewirkte zwar nicht das Ende des Dampfschiffsverkehrs auf dem Frischen Haff, aber eine starke Einschränkung. Nach einigen Jahren erwies sich auch der einzige Dampfer, mit dem die Linie Elbing-Königsberg noch aufrecht erhalten wurde, als überflüssig. Die Fahrtzeiten waren einfach zu unterschiedlich, was den Ausschlag gab: Acht Stunden dauerte die Wasserfahrt, eineinhalb Stunden die Eisenbahnfahrt. Nur noch Frachter mit Dampfantrieb, nach 1918 auch Motorschiffe, durchquerten das Haff auf der ganzen Länge von Elbing bis Pillau. Hingegen hatte die „Schwalbe“ als Fährschiff auf der Linie Elbing-Kahlberg-Narmeln noch etliche Nachfolger.
 Dagmar Jestrzemski

Veröffentlicht am 03.04.2013
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