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»Bis zum letzten Atemzug«

Vor dem Jahrestreffen der Ostpreußen: Isabelle Kusari sagt, warum sie deutsche Volkslieder singt
Freut sich, ihr Programm in Wolfsburg vorzustellen: Isabelle Kusari Bild: "Die Schnappschützen"

Die in Düsseldorf lebende Mezzosopranistin Isabelle Kusari wird am 11. Mai beim Jahrestreffen der Ostpreußen in Wolfsburg mit ihrem Repertoire ostpreußischer und deutscher Volkslieder auftreten. Im Gespräch mit der PAZ-Redakteurin Manuela Rosenthal-Kappi erklärt sie ihre Beweggründe, als Französin auf Deutsch zu singen.

PAZ: Frau Kusari, Sie sind eine Französin mit klassischer Gesangsausbildung, die in Deutschland lebt. Sie bieten Liederabende zu französischen und deutschen Themen an. Was hat Sie dazu bewogen, auf Deutsch zu singen?
Isabelle Kusari: Mein Herz schlägt für Frankreich und für Deutschland. Ich biete französisches und deutsches Repertoire an, und ich singe gerne eine Mischung aus beiden Kulturen. Überwiegend singe ich auf Deutsch, weil Deutschland eine zweite geliebte Heimat für mich geworden ist und weil die deutsche Sprache neben der französischen Sprache einen wunderschönen Klang in meinem Herzen hat. Als ich vor 25 Jahren von Paris nach Düsseldorf kam, konnte ich kein Wort Deutsch. Als sich meine Sprachkenntnisse im Laufe der Jahre vertieft haben (bis leider auf einige Fehler bei der Deklination), habe ich die Schönheit, die Vielfältigkeit und der Reichtum der deutschen Sprache kennengelernt. Eine Sprache voller Inspiration. Die deutsche Sprache ist tief und innig an Gefühl und reich an Geist und Sinn, deshalb wird sie auch Sprache der Dichtung genannt und ist als Sprache der Musik in der Welt bekannt. Und deshalb singe ich gerne auf Deutsch.

PAZ: Neben Ihrem umfangreichen klassischen Repertoire widmen Sie sich unter anderem dem deutschen Liedgut. Wodurch wurde Ihr Interesse daran geweckt?
Kusari: Mein Interesse beruht auf der Bewunderung für die deutsche Kultur. Wenn man im Lande der großen Dichter und Komponisten lebt mit einer Volkslied-Archivsammlung von über 200000 gedruckten und ungedruckten  Liedern, dann wird nicht nur die Dimension von unermesslichen Kulturschätzen und Kunstkostbarkeiten sichtbar, sondern es wird auch klar, was die Deutschen an großen Geistern und Genies in allen Epochen hervorgebracht haben, ob Kultur, Bildung oder Wissenschaft.
Die Genies, die Deutschland reichlich an schöpferischen Kräften gaben, sowie die Volkspersönlichkeit und die gemeinsame Grundhaltung eines ganzen Volkes finden Ausdruck im Liedgut. Das deutsche Liedgut ist ein klarer Spiegel der Volksseele der Deutschen, und es gibt die deutsche Volksart in ihrer Innigkeit und Naturverbundenheit wieder. Die deutschen Volkslieder sind wie ein Geschichts- und gesellschaftliches Erzähl- und Lehrbuch mit dazu schönen Klängen. Man erfährt alles über die Lebensart und das Lebensgefühl der Deutschen aus allen Epochen: germanische Stämme, deutsche Wurzeln, deutsch-preußische Tugenden, der Reichtum der deutschen Sprache, Bauwerke und Denkmäler, Märchen und Heldensagen, historische Ereignisse, christlicher Glaube, Verbundenheit mit der Natur, die Tüchtigkeit der Deutschen, die Liebe in allen Facetten, Heimat- und Vaterlandsliebe, Brauchtum aus allen deutschen Gebiete, regionale Sitten und Gewohnheiten, der Stil der großen Denker, Fackel der Freiheit, Sangeskunst, Volkstanz, Volksscherz, nationales Schaffen in Kunst und Handwerk und viel mehr.
Und wenn ich diese deutschen Volkslieder anschaue, sage ich mir immer: Welch ein großes Glück habe ich, dieses wunderschöne Erbe der Deutschen singen zu können,  und ich bin voller Dankbarkeit, dass Gott mir dafür eine Singstimme geschenkt hat!

PAZ: Sie singen auch Volkslieder aus dem deutschen Osten, die hierzulande kaum noch allgemein wahrgenommen werden. Gibt es aus Ihrer Sicht einen Unterschied zwischen ostdeutschem Liedgut und dem allgemeinen deutschen?
Kusari: Das deutsche Liedgut trägt die geistig-seelische Einheit der Deutschen und umfasst alle deutschen Stämme insgesamt durch gleichgestimmte Herzen, durch die Gemeinsamkeit des Blutes, der Sprache, des christlichen Glaubens. Die deutsche Seele erklingt in den Volksliedern und diese deutsche Seele ist im Volksgut aus dem Osten, dem Westen, dem Norden oder dem Süden – überall „Soweit die deutsche Zunge klingt und Gott im Himmel Lieder singt!“ hörbar und fühlbar.
Der Komponist und Mönch Irenäus Totzke aus Danzig, der mehrere Gedichte von Agnes Miegel vertont hat, schrieb Folgendes über die preußische Dichtung: „Und ich kaufte mir das erste Agnes-Miegel-Buch, die gesammelten Gedichte … Ich las, und die Wogen schlugen über mir zusammen. Ich sagte zu mir: Mein Gott, das bist ja Du! Ostsee ist doch Ostsee, ob nun Cranz oder Glettkau, und die Kiefern von Schwarzort sind die gleichen wie die von Zoppot. Und die Sprache: wer denkt so, wer redet so wie Agnes Miegel? Das kann doch nur ein Preuße, egal ob Ost- oder Westpreuße, verstehen! Denn es geht ja nicht um Grammatik, es geht um jene Schwingungen, die in der Wortwahl und in der Wortzusammenstellung aufgrund jahrhundertalter, vielleicht sogar prä-historischer, Seelenstrukturen weitergeben und Mittels seelischen Plektrons zum Klingen gebracht werden. Das hört ein Westpreuße wie ein Ostpreuße. Ich las und las – und plötzlich begannen die Verse in mir zu klingen …“
Bis auf die Landsmannschaften und regionalen Heimatvereine haben die Deutschen keine Möglichkeit, ihre Volkslieder und ihr heimatliches Erbe hören zu können und vergessene deutsche Dichter zu erleben. Die Nachfrage und die Sehnsucht nach deutschem Liedgut ist sehr groß. Die Deutschen freuen sich sehr, ihr Kulturerbe, sowohl aus allen deutschen Bundesländern wie aus den ehemaligen deutschen Provinzen und Siedlungsgebieten, zu hören. Beispielsweise habe ich vor Kurzem Preußens Geschichte mit Liedern und Gedichten in München präsentiert,  und das Konzert war ausverkauft und das Publikum vom deutschen Liedgut begeistert.
Das deutsche Volksliedgut aus allen Bundesländern sowie aus den ehemaligen deutschen Provinzen und Siedlungsgebieten wird von den Deutschen wahrgenommen, leider aber von den Verantwortlichen der städtischen Kulturämter, Volkshochschulen und Stadtbibliotheken vernachlässigt, unterdrückt und missbraucht. Die Aufgabe der Verantwortlichen bei den städtischen Kulturbehörden sollte es sein, das deutsche Volkstum zu pflegen, die Einheit der deutschen Seele durch diese Volkslieder zu bewahren, und durch regelmäßige Veranstaltungen zu vermitteln und zu erhalten, stattdessen unterdrücken und missbrauchen sie das Erbe der Deutschen. Das deutsche Heimaterbe und die deutschen Volkslieder werden leider nicht wie alle anderen multikulturellen Musikrichtungen bedacht und gefördert. Die großen Leistungen und die kostbaren Werke der deutschen Denker bleiben vergessen in den Archiven, in den Bibliotheken und in Antiquitätengeschäften, und das bei einer Sammlung von über 200000 deutschen Lieder, und das im Land der großen Dichter und Komponisten.

PAZ: Was dürfen die Besucher des Jahrestreffen der Ostpreußen am 11. Mai in Wolfsburg von Ihrem Auftritt erwarten?
Kusari: Ich möchte den Besuchern des Jahrestreffens der Ostpreußen viel Freude und glückliche Momente mit Liederschätzen aus ihrer Heimat schenken. Auf diesen Auftritt freue ich mich seit Langem sehr, und ich bedanke mich beim Vorstand der Landsmannschaft für die Einladung. Die Heimat lebt in den Liedern weiter. Ich werde Komponisten und Dichter, die in Ostpreußen, Westpreuße und Danzig geboren wurden, dort gelebt und das kulturelle Leben geprägt haben, präsentieren. Ich werde die geliebte Heimat von Millionen Deutschen in all ihrer Schönheit und Vielfältigkeit besingen. Ich werde von Liebe und Sehnsucht, Naturschönheiten, Haff und Meer, Wellen und Dünen, Wäldern und Seen, von Elchen und Pferden, von Freiheit und mehr singen. Ich freue mich auch auf gute Gespräche, Gedanken-Austausch, auf die schönen Trachten und auf den gemeinsamen Tag.

PAZ: Wie ist die Aufnahme Ihrer Auftritte bei Polen, Litauern und Russen? Gibt es überhaupt Reaktionen von dieser Seite?
Kusari: Sicherlich waren bestimmt bei manchen meiner Auftritte Gäste aus Russland, Polen oder dem Baltikum dabei. Bestimmte oder verreinzelte Reaktionen habe ich noch nicht gehabt. Ich bin jedoch offen für zukünftige Reaktionen.
Was ich bestätigen kann, ist, dass mein deutsches Repertoire allgemein sehr gut beim Publikum ankommt. Das Publikum ist begeistert vom Reichtum und der Schönheit der deutschen Kultur aus vergangenen Epochen. Die deutsche Kultur wird weltweit geschätzt und in allen Kontinenten gesungen. Die Reaktionen sind sehr positiv, und oft gibt es sehr lang anhaltenden Applaus sowie Standing Ovations für die wunderschönen alten deutschen Lieder.

PAZ: Haben Sie Pläne, Ihr Repertoire in weitere Richtungen auszuweiten?
Kusari: Die Volksmusik ist die Wurzel aller Musik. Ihr reinster Ausdruck ist das Volkslied. Warum soll ich was anderes singen oder mein Repertoire ausweiten, wenn uns hier in Deutschland eine kolossale Sammlung an deutschen Liedern zur Verfügung steht. Laut einer Volkslied-Forschung im Jahre 1914 gibt es mehr als 200000 Lieder des Deutschen Kulturraums. Wenn ich mindestens 150000 deutsche Volkslieder gesungen habe, dann kann ich mein Repertoire in weitere Richtungen auszuweiten. Ich recherchiere und sammele alle Volkslieder weiter. Für die nächsten Jahre und sogar „im nächsten Leben“ bin ich mit dieser enormen Sammlung an deutschen Kulturschätzen und Kostbarkeiten aus vergangenen Epochen beschäftigt und singe gerne, – und das bis zum letzten Atemzug, – die wunderschönen alten deutschen Lieder.

Veröffentlicht am 13.03.2019
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