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Mückenstiche im Allensteiner Sommer

Erfahrene Werkleiterinnen: Liesa Rudel, Uta Lüttich und Gudrun Breuer (v.l.)

Der Sommer hat in Allenstein Einzug gehalten, und mit ihm die Insekten. Mit solchen lebenden Mücken haben die erwähnten Stiche allerdings nichts zu tun. Um Mückenstiche, Rosenstiche und ähnlich komplizierte Dinge ging es im Rahmen der Werkwoche der Landsmannschaft Ostpreußen, die vom 7. bis 14. Juni in Allenstein im Haus Kopernikus der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit stattfand.

Unter der Leitung von Uta Lüttich und der fachfraulichen Anleitung von Gudrun Breuer und Liesa Rudel nahmen knapp 30 Frauen aus unterschiedlichen deutschen Gemeinschaften in Ermland und Masuren an der Werkwoche teil. Es ist bereits die 13. in Ostpreußen, seit es die Möglichkeit gibt, diese Ende der 50er Jahre in Deutschland entstandene Veranstaltung auch dort zu organisieren, und die 8. im Haus Kopernikus. „Es ist schade, dass wir hier nicht alles anbieten können“, meint Liesa Rudel, „aber der Transport eines großen Webstuhls übersteigt unsere Möglichkeiten.“ Die Arbeit daran sowie das Nähen von ostpreußischen Trachten ist nur auf den Werkwochen in Bad Pyrmont möglich, und dorthin fahren auch regelmäßig einige der teilnehmenden Frauen.

Doch auch auf den zur Verfügung stehenden Handwebrahmen lassen sich komplizierte Muster und schöne Werke erreichen. Kamila Mańka war die Jüngste und trotz der laufenden Prüfungszeit an der Allensteiner Universität erstmals dabei. Sie wollte eine Tasche weben, hatte aber zu Beginn Schwierigkeiten: „Man muss die Ketten selber aufziehen, das ist nicht einfach. Das Weben danach ist leichter, wenn erst einmal der Rhythmus da ist.“ Für das Band der Tasche ist wieder eine andere Technik notwendig, so Liesa Rudel: „Das ist so wie bei den Jostenbändern. Es handelt sich um einen so genannten Kettenrips. Zwar ist die Struktur der Schüsse sichtbar, aber nur die Farben der Ketten. Auf dem Webrahmen ist das umgekehrt.“ Einfluss auf das Ergebnis haben auch das gewählte Garn und der Anschlag; je nach der Festigkeit des Materials und der Verarbeitung entstehen steifere oder flexiblere Stoffe.

Kleinere Elemente lassen sich durch Webknüpfen einbauen, man kann Bilder gestalten, und sogar Farbschattierungen sind möglich. „Der Faden wird mit der Hand festgeknüpft und eingearbeitet, dann muss man zweimal darüber weben. So wird das Ganze eingeklemmt und dadurch stabil“, erklärt Liesa Rudel. Eine bekannte, immer wieder auf Bändern vorkommende Figur ist das „Madamchen“. Sie ist wie auch Buchstaben ein Beispiel für runde Formen, die an das Können der Handarbeiterinnen große Herausforderungen stellen.

Bei der Arbeit herrschte trotz der großen Anzahl Menschen im geräumigen „Bayerischen Saal“ eine so andächtige Stille, dass das Rauschen der Autos auf der Hauptstraße im vierten Stock deutlich vernehmbar war. Unterbrochen wurde sie manchmal durch Erklärungen von Gurdrun Breuer, die den Bereich Stricken und Sticken unter sich hatte. Sie waren trotz des bereits vorhandenen Könnens vieler Frauen hin wieder nötig. Während eine Teilnehmerin den Kolleginnen ihren ersten orange-braunen Handschuh in Doppelstrick präsentierte, kämpfte Krystyna Bochna aus Sensburg gerade tapfer mit dieser Technik. „Es soll ja von der einen Seite genauso aussehen wie von der anderen, nur mit vertauschten Farben. Da muss ich ständig zwei Fäden mitnehmen“, beschreibt die Debütantin ihr Problem. Am Tisch daneben blickte Janina Mańka durch eine große Lupe auf ihren Stickrahmen, die für die Arbeit notwendig ist und noch eine besonders starke kleine Lupe eingebaut hat. „Sonst übersieht man die kleinen Stiche, und trifft die geplanten Linien gar nicht“, sagt sie. Sie ist mit dem langsamen Tempo beim Weißstich vertraut, denn sie war schon mehrmals bei der Werkwoche dabei. Trotzdem hat sie sich ein relativ großes und kompliziertes Muster ausgesucht.

Die Ergebnisse der Werkwoche wurden wie üblich am Samstag Nachmittag in einer Ausstellung präsentiert, zu der auch Gäste von außen kamen. In diesem Jahr fand unter anderem Wiktor Marek Leyk, der Bevollmächtigte des Marschalls der Wojewodschaft Ermland-Masuren für nationale und ethnische Minderheiten, den Weg ins Haus Kopernikus. Ermöglicht wurde die Werkwoche durch die finanzielle Unterstützung des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien über das Kulturreferat am Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg.

Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 17.06.2015
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