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Abschied mit Mozarts »Ave verum«

Nach 65-jährigen Bestehen und vielen erfolgreichen Auftritten, gab der Ostpreußenchor Hamburg sein Abschiedskonzert
18 Sängerinnen auf der Bühne, davor bis auf den letzten Platz gefüllte Kirchenbänke: Ein Chor sagt seinen treuen Fans Adieu

Mit einem feierlichen Gottesdienst würdigte die evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Gabriel in Hamburg-Barmbek den Ostpreußenchor Hamburg. Traurig, besinnlich und denkwürdig war der Anlass: Der Chor feierte einerseits sein 65-Jähriges Bestehen und gab andererseits seine Auflösung bekannt. Er trat aus Altersgründen zum allerletzten Mal auf.
Zum ersten Sonntag im Mai um 10 Uhr hatte der Chor in das Gotteshaus eingeladen. Natürlich auch dabei war Ilse Schmidt. Die Vereinsvorsitzende, trat vor über 30 Jahren der Chorgemeinschaft bei. Vor drei Jahren zur Gründung des Vereins befragt, berichtete sie, wie es begann: „An einem Frühlingstag im Jahre 1950 trafen sich am frühen Morgen im U-Bahnhof Klosterstern zwei Herren, die sich zuletzt in ihrer Heimat Ostpreußen gesehen hatten. Es war eine freudige Begegnung. Es war einerseits Herr Kirchner, bis Kriegsende war er Vorstandsmitglied im Deutschen Sängerbund für dessen Sektion 2 Ostpreußen, und Herr Raulien andererseits, ebenfalls bis Kriegsende ein bekannter Chorleiter in Ostpreußen.
Beide Herren stammten aus Wehlau. Sie fassten spontan den Entschluss, einen Ostpreußenchor zu gründen. Gesagt, getan. Zunächst fehlte es an Liederbüchern, Übungsraum und Sängern. Diese wurden schnell gefunden, da es in Hamburg viele Flüchtlinge aus Ostpreußen gab. Und mit ‚materiellen Sachen‘ war die Unterstützung durch den Sängerbund aus Hamburg groß. Am 7. Mai 1950 erschienen zur Gründungsversammlung 22 ostpreußische Sänger. Es wurde der Vorstand gewählt. Im Laufe der Jahre gab es viele Konzerte und Auftritte. So zum ‚Tag der Heimat‘ in der Musikhalle und zu landsmannschaftlichen Veranstaltungen. Die höchste Mitgliederzahl betrug 153 Personen. Er war ein Erfolg auf der ganzen Linie.“
Ilse Schmidt berichtete damals vor 13 Jahren, dass man, solange es ginge, weitermachen wolle und dass man noch sehr gefragt sei. „Mit 14 öffentlichen Auftritten im Jahr sind wir dabei“, erklärte sie. Mit dem Jahr 2015 aber ging es nicht mehr. Der Ostpreußenchor Hamburg bat zum Abschiedskonzert. Eine gute halbe Stunde vor Beginn strömten die Besucher in die Kirche und füllten die Bänke bis zum letzten Platz. Harald Ehlbeck, Pastor der Gemeinde, begrüßte die zahlreichen Besucher und Chormitglieder, die sich mit stimmungsvollen Liedern auf die festliche Veranstaltung einstimmten.
Aufgabe des Chores war es auch an diesem Tage, das überlieferte Liedgut der Ostpreußen, erneut zu Gehör zu bringen und vor dem Vergessen zu bewahren. In diesem Sinne hatte die Chorleiterin Hanna Guzinski ein fröhlich besinnliches Programm erstellt. Der nun im Jahre 2015 noch 18 Mitglieder zählende Chor nahm seine Zuhörer auf eine musikalische Reise durch vergangene Zeiten mit. Brillant gesungen und Höhepunkte zugleich waren das „Ave verum“ von Mozart, „Ännchen von Tharau“ von Simon Dach und das „Anne Mämel, anne Mämel“ von Charlotte Keyser im ostpreußischen Platt.
Musikalisch standen die schwarz-weiß gekleideten und Bernsteinschmuck tragenden Chormitglieder im Zeichen heimatlicher Liedtradition und wurden für die Zuhörer zu einem Erlebnis. Hanna Guzinski leitete das Konzert unter Einsatz voller Gestik und Mimik. Sie spielte selbst ein Stück auf der Querflöte und lud zum Mitsingen bekannter Weisen ein. Ilse Schmidt trug Gedichte und Erlebtes vor. Zur Erinnerung und als Andenken überreichte sie danach der Chorleiterin ihre eigene Bernsteinkette.
Nach dem gemeinsamen Vaterunser sprach Pastor Ehlbeck dem Ostpreußenchor für sein langjähriges Wirken Dank und Anerkennung aus. Mit dem Lied „Land der dunklen Wälder“ endete die Veranstaltung. Jedes Mitglied des Chores erhielt eine Rose zum Abschied.
Beim anschließenden Beisammensein und Plachandern im Gemeindesaal gratulierte die Landesgruppe Hamburg dem Ostpreußenchor, der auf viele Jahre Aktivitäten zurückblicken kann. Lange Jahre traf sich der Chor wöchentlich zu Proben im „Haus der Heimat“ vor dem Holstentor.  In und außerhalb der Hansestadt trat er auf bei Konzerten in Kirchen, bei Jahresfesten der Landsmannschaft oder zum „Singen im Advent“ im Ostpreußischen Landesmuseum.
In der Adventszeit prägten seine Mitglieder so manche „ostpreußische Weihnacht“ mit Gesang und Vorträgen in unverwechselbarem Dialekt. Der Chor  ging auch auf Tournee: Auf dem Deutschlandtreffen der Ostpreußen in Berlin war er Teil des Programms. Über viele Jahre ist es ihm gelungen, seine Zuhörer mit  bewegenden Konzerten zu erfreuen. Nicht nur Landsleute erinnern sich gern an jenen besonderen Chor, dessen Mitglieder sich idealerweise in Treue und Liebe zur Heimat verdient gemacht haben.
Herzlichen Glückwunsch und vielen Dank an all die Sängerinnen und Sänger. Wöchentliche Gesangsproben finden nun nicht mehr statt, doch werden sich weiterhin ab 13. Juli jeden zweiten Montag im Monat um 12 Uhr im Traditionshaus Lackemann in Wandsbek jene Freunde des Gesangs treffen. Kontakt: Ilse Schmidt, Telefon (040) 2543935.
    Hartmut Klingbeutel

Veröffentlicht am 27.05.2015
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