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„Eine andere Heimat kannte ich nicht“

Die Kulturhistorikerin Tatjana Urupina wurde postum Ehrenbürgerin ihrer Heimatstadt
Eine der letzten Aufnahmen der Bewahrerin Tilsiter Kultur mit ihren Mitstreitern aus dem Jahr 2018: Tatjana Urupina mit dem Tilsiter Stadtvertreter Erwin Feige und ihrem Mann Jakow Rosenblum (v.L.)

Von Manuela Rosenthal-Kappi


Zukunft braucht Vergangenheit“, lautet das Motto des von der Landsmannschaft Ostpreußen veranstalteten „Deutsch-Russischen Forums“. Getreu diesem Motto verfolgte auch die russische Kunsthistorikerin, Heimatforscherin, Publizistin und Lehrerin Tatjana Urupina das Ziel, ihren  Landsleuten die reiche Geschichte ihrer Heimatstadt näherzubringen. Knapp ein Jahr nach ihrem Tod am 20. September 2019 ehrte die Stadt Tilsit [Sowjetsk] sie postum mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft (siehe auch Seite 17). Es ist eine rückwirkende Auszeichnung nicht zuletzt für ihr Lebenswerk, das ausgezeichnete Buch „Tilsiter Dominanten“, das sie 2018 beim 8. Deutsch-Russischen Forum in Berlin vorstellte.
Urupina, die 1946 als Tochter eines russischen Ingenieurs in Tilsit geboren wurde, stammt somit aus einer Familie, die, aus Kujbitschew stammend, zu den ersten Übersiedlern ins besiegte Ostpreußen gehörte. Damals lag Tilsit in Schutt und Asche. Als Kind genoss Urupina die Natur. Sie verband mit der Stadt den Geruch von Flieder, Jasmin und Linden nach dem Regen, später, in den 1960er Jahren, erkannte sie, dass die Stadt ihr Schicksal werden würde. Schon früh begann sie, sich für die Architektur und Artefakte aus deutscher Zeit, die sie in die Hände bekam, zu interessieren.
Mit der Zeit wurde Neues gebaut, Altes zerfiel. Mit großem Bedauern beobachtete Urupina den allmählichen Verfall der Kirchen und schließlich ihre endgültige Zerstörung. In ihr regte sich Widerstand dagegen: „Eine andere Heimat kannte ich nicht“, schrieb sie einmal. Der von den damaligen Machthabern tabuisierten Vergangenheit zum Trotz war sie entschlossen, die Geschichte der Stadt zu enträtseln.
So lag ihr Berufsziel nicht fern. Sie studierte Kunstgeschichte, unter anderem in der geschichtsträchtigen, zweiten Hauptstadt Russlands, St. Petersburg, und wurde nach beendetem Studium Lehrerin am Tilsiter Kunst-College. Sie weckte die Neugier ihrer Studenten auf die reiche Vergangenheit der Stadt und wirkte prägend auf sie ein: „Wenn du die Stadt, in der du lebst, zerstörst, zerstörst du dich selbst.“
Erst in den 1990er Jahren war die Zusammenarbeit mit ehemaligen Bewohnern der Stadt möglich. Dank deren Aufzeichnungen, nun zugänglichen Archivdokumenten und persönlichen Treffen gelang es, das Interesse eines breiteren Kreises der heutigen Bewohner Tilsits an der „Stadt ohne Gleichen“, wie die alten Tilsiter ihre Stadt trotz aller Zerstörungen nannten, zu wecken. Mit Vorträgen und Veröffentlichungen machte Urupina die Bürger der Stadt mit dem kulturhistorischen Erbe bekannt und betrachtete das Bemühen um den Erhalt kulturhistorischer Architektur als gemeinsame Aufgabe heutiger und ehemaliger Bewohner Tilsits. Auch unter Landsleuten fand sie Mitstreiter, die in der Organisation „Tilsit“ zusammenarbeiteten. Sie forderte den Erhalt kulturhistorischer Objekte ein. So wurde das Portal der Luisenbrücke restauriert wie auch die Fassaden einiger Gebäude der Hauptstraßen.
Die Idee lieferte Kirinnis’ Buch
Die Idee zu ihrem Werk „Tilsiter Dominanten“, zu dem ihr Mann Jakow Rosenblum, ein professioneller Fotograf, die Bilder aufnahm, kam Urupina durch den Fund eines alten deutschen Buchs von Herbert Kirinnis mit dem Titel „Tilsit – die Grenzstadt im deutschen Osten“.  Zwar konnte sie das in Frakturschrift gedruckte Buch nicht lesen, aber die Luftaufnahmen darin brachten sie auf die Idee, die Stadt Straße für Straße zu durchforsten auf der Suche nach der Vergangenheit. Die Arbeit daran nahm mehrere Jahre in Anspruch. Eine Zeit, in der die tief mit der Stadt verbundene Kunsthistorikerin diese neu sah, hörte, erfühlte und begann, ihre Geschichte zu verstehen.
Mit dem außerordentlich sorgsam recherchierten und hochwertig gestalteten Band „Tilsitskije Dominanty – Tilsiter Dominanten“ hat Urupina nicht nur ihr eigenes Lebenswerk verwirklicht, sondern auch ihrer Heimatstadt ein ideelles Denkmal gesetzt. Und dieses Verdienst hat die Stadt nun, fünf Jahre nach Erscheinen des Werks, gebührend gewürdigt.

Veröffentlicht am 19.09.2020
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