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Geglückte Expansion

Visuell beeindruckend – Ostpreußisches Landesmuseum in Lüneburg nach Umbau und räumlicher Erweiterung wiedereröffnet
Kluge Köpfe unter sich: Museumsleiter Joachim

Nach mehr als dreijähriger Schließung ist das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg wie­dereröffnet worden. Die neue Dauerausstellung, die jetzt über ein zentrales Foyer von der Altstadt her zu erreichen ist, ist um das Flüchtlingselend nach 1945 sowie eine Deutschbaltische Ab­teilung erweitert worden.
Kulturstaatsministerin Monika Grütters zeigte sich beeindruckt. „Das haben Sie auf den ersten Blick gut gemacht. Wirklich toll!“, lobte die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien den Direktor des Ostpreußischen Landesmuseums, Joachim Mähnert. Beim Rundgang durch das Mu­seum am Eröffnungstag be­wunderte sie die visuelle Umsetzung der Geschichte Ostpreußens und der Deutschen im Baltikum.
Grütters zeigte sich zufrieden, dass die 5,2 Millionen Euro, mit denen der Bund die Erweiterung und die Dauerausstellung unterstützt hat – weitere 1,8 Millionen Euro kamen vom Land Niedersachsen hinzu –, gut angelegt worden sind. Es musste auch viel unternommen werden, um vor allem die jüngeren Generationen davon zu überzeugen, dass die museale Darstellung des deutschen Ostens nichts mit rück­wärtsgewandter Heimattümelei zu tun hat, sondern eine lehrreiche und spannende Angelegenheit sein kann.
„Ostpreußischen Boden“ betritt man in Lüneburg jetzt auch nicht mehr praktisch durch die Hintertür. Statt von einer kleinen Seitengasse kommt man jetzt von einer Straße von der Altstadtseite aus ins Museum. Dafür hat man ein denkmalgeschütztes Gebäude er­worben, in dem sich jetzt unter anderem das Museumscafé befindet. Über einen Erweiterungsbau im Innenhof gelangt man in das zentrale Eingangsfoyer, von dem man Zugang hat zur Dauerausstellung mit den bewährten Dioramen mit ostpreußischen Natur­szenen sowie auch zu den Son­derveranstaltungen und dem be­nachbarten Brauerei-Museum.
Die 17 in der Ausstellung aufgegriffenen Themen, die auf drei Ebenen von den Prußen über die Ordensritter bis hin zu Flucht und Vertreibung reichen, sind farblich voneinander abgegrenzt und tragen überhaupt ein besucherfreundliches Gewand. Das moderne Ausstellungskonzept mit Lernstationen für Kinder und mit Objekten zum Anfassen öffnet einem die Augen für die reichhaltige Archäologie, Kultur, Natur sowie für die Menschen eines schicksalsgebeutelten Landes.
Besonders emotional wird es beim Thema Flucht und Vertreibung. Als das Landesmuseum 1987 als Nachfolger des Ostpreußischen Jagdmuseums eröffnet wurde, durfte damals das Thema der Integration der Vertriebenen in die deutsche Nachkriegsgesellschaft aus politischer Räson nicht thematisiert werden. Die Ge­schichte Ostpreußens endete dort mit dem Jahr 1945.
Im Zuge der Vereinigung ist das nun zur Makulatur geworden. In Berlin ist eine ganze Dauerausstellung zu Flucht, Vertreibung und Aufnahme der Vertriebenen im 20. Jahrhundert geplant. In Lüneburg genügt ein Ausstellungsbereich mit realen Fluchtkarren, Koffern und dem Nachbau einer winzigen Nissenbehausung für eine ganze Familie, um den Schrecken und das Elend der Kriegsfolgen nachvollziehbar zu ma­chen. „Gesehen habe ich das in dieser Form noch nie“, sagte eine sichtlich bewegte Grütters.
Der Höhepunkt und Grund für den ganzen Modernisierungsaufwand findet sich ganz am Ende: die Deutschbaltische Ab­teilung, um die das Museum er­weitert und für die die Ausstellungsfläche um ein Viertel auf jetzt 2000 Quadratmeter vergrößert wurde. Hier ist zu erleben, wie die damals wohlhabende deutschsprachige Oberschicht im Baltikum gelebt hat und es ihnen mit Silberpokalen, kostbarem Tafelgeschirr so­wie edlen Möbeln an nichts gefehlt hat. Mit ihrem Verschwinden aus dem Osten ging dem baltischen Raum auch ein unermesslich großer kultureller und geistiger Reichtum verloren.
Laut Direktor Mähnert sind aktuell insgesamt 1300 Exponate ausgestellt. Und doch machen diese nur etwa vier Prozent des gesamten Bestandes aus. Man kann sich vorstellen, welche Schätze noch in den Depots schlummern. Und das ist noch nicht das Ende. Da das Museum Stadt Königsburg in Duisburg schließen musste, hat man von dort die gesamte Sammlung einschließlich der weltweit größten Kant-Sammlung übernommen.
Um diese in bewährter moderner Form ausstellen zu können, ohne sich dabei den Anstrich eines Heimatmuseums geben zu müssen, will das Landesmuseum noch weiter räumlich expandieren. Für acht Millionen Euro will man auf dem Grundstück eine weitere Freifläche bebauen. Nachdem der Bund bereits zugesagt hat, zwei Drittel der Kosten zu tragen, willigte Niedersachsen ein, das restliche Drittel zu übernehmen. Die Eröffnung ist für 2024 geplant, wenn der 300. Geburtstag des Königsberger Philosophen Immanuel Kant ansteht.
Staatsministerin Grütters kann zuversichtlich sein, dass Kant in Lüneburg in besten Händen ist. Zur aktuellen Realisierung der Ausstellung im Landesmuseum resümierte sie: „Das ist solide und besitzt einen Standard, den man sonst kaum zu sehen kriegt.“ Hier kann man ihr nicht widersprechen.    Harald Tews


Das Landesmuseum in der Heiligengeiststraße 38, 21335 Lüneburg, ist geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 10 bis 18 Uhr. Eintritt: 7 Euro. Telefon: (04131)
759950, Internet: www.ol-lg.de

Ein weiterer Höhepunkt am Eröffnungstag war ein Festessen mit geladenen Gästen in der Kronendiele des Ostpreußischen Landesmuseums. Bei seinem Grußwort betonte der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Stephan Grigat, dass der Fortbestand des Ostpreußischen Landesmuseums nur durch eine starke Landsmannschaft auf Dauer gesichert wird. Der Sprecher erinnerte an die Zeit, als unter einer rot-grünen Bundesregierung versucht wurde, die Ostpreußische Kulturstiftung zu zerschlagen. Nur dem entschlossenen Entgegentreten des damaligen Sprechers der LO und Stiftungsratsvorsitzenden der Ostpreußischen Kulturstiftung, Wilhelm v. Gottberg, sei es zu danken, dass diese politisch motivierten Angriffe abgewehrt werden konnten. Grigat würdigte die herausragende Leistung von Dr. Mähnert und seinen Mitarbeitern bei der Neugestaltung des Museums. Die Reihe der Redner schloss mit Lorenz Grimoni, dem ehemaligen Leiter des aufgelösten Museums Stadt Königsberg in Duisburg, der betonte, dass viele Menschen das Museum in Duisburg vermissen.

 

Veröffentlicht am 29.08.2018
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