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Sonntag, 16. Juni 2019

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»Ostpreußen ist nicht sterblich!«

Die Rede des LO-Sprechers Stephan Grigat beim Jahrestreffen der Landsmannschaft Ostpreußen 2019 in Wolfsburg
Auf die Bedürfnisse der Heimatvertriebenen fokussiert: LO-Sprecher Stephan Grigat Bild: Christiane Rinser-Schrut

Wir sind heute hier zusammen gekommen, um uns zu unserer gemeinsamen Heimat Ostpreußen zu bekennen, der ostpreußischen Opfer von Flucht und Vertreibung, von Deportation und Zwangsarbeit und von Vergewaltigung und Missbrauch zu gedenken, und den Überlebenden unser Mitgefühl und unsere Solidarität zu bekunden, um der Ostpreußen zu gedenken, die Krieg und Vertreibung nicht überlebt haben, um denjenigen deutschen Soldaten zu gedenken und zu danken, die unter Einsatz und tausendfachem Verlust des eigenen Lebens den Überlebenden die Flucht aus Ostpreußen ermöglicht haben, unseren ostpreußischen Landsleuten in der Heimat unsere unbedingte Solidarität und Unterstützung zu bekunden und gleichzeitig unseren Willen zu bekräftigen, an der Zukunft Ostpreußens Anteil zu haben.
Ich heiße Sie alle in unserer Mitte sehr herzlich willkommen und darf besonders nennen:
•    den Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Gesellschaften in Ermland und Masuren Heinrich Hoch;
•    den Bundestagabgeordneten und Vorsitzenden der einzigen Vertriebenengruppe im Deutschen Bundestag, Eckhard Pols;
•    den Preußenschildträger, Altsprecher und Bundestagsabgeordneten Wilhelm von Gottberg.
•    die Landtagsabgeordnete und Beauftragte der niedersächsischen Landesregierung für Vertriebene und Aussiedler, Editha Westmann;
•    die Landesvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen in Niedersachsen, Dr. Barbara Loeffke;
•    die ehemalige stellvertretenden Sprecher Prengel und Hufenbach;
•    die Ehrenvorsitzende der Landsmannschaft Ostpreußen Gruppe Wolfsburg, Charlotte Kerbstadt.
Herzlich willkommen heiße ich alle Freunde aus der Heimat, die den weiten Weg aus Ostpreußen auf sich genommen haben und nach Wolfsburg gekommen sind – gesehen habe ich schon Landsleute aus Bartenstein, Osterode und Neudims.
Ich begrüße besonders herzlich die Weltkriegsteilnehmer, die heute noch unter und bei uns sind.
Deutsche Soldaten haben unter Einsatz ihres Lebens die Flucht hunderttausender Ostpreußen ermöglicht und dafür tausendfach ihr eigenes Leben hingegeben. Deutschland schuldet Ihnen Dank, Ostpreußen steht in Ihrer Schuld. Sie sind uns herzlich willkommen!
Ostpreußen hat im Laufe der Zeit viele Umwälzungen erlebt – und es hat 1945 nicht aufgehört zu bestehen.
Ostpreußen ist vielschichtig. Es ist Geschichte, Heimat, Platz unserer Wurzeln, Natur, Lebensfreude, Ort unserer Träume, Wünsche und Sehnsüchte – untrennbar mit unserem Schicksal verbunden.
Wir bekennen uns zu Ostpreußen! Ostpreußen ist uns Erbe und Auftrag. Ostpreußen ist Zukunft! Ostpreußen lebt!
Wenn wir wollen, dass das so bleibt, wenn wir Ostpreußen bewahren und entwickeln wollen, müssen die Ostpreußen zusammen halten.
Wir müssen zusammenhalten. Nur gemeinsam sind wir stark. Nur gemeinsam sind wir in der Lage die Untiefen der Zukunft zu bewältigen.
Der Zusammenhalt der Ostpreußen ist leider nicht so, dass er allzeit Bestnoten erhielte.
Das Selbstverständnis der Ostpreußen als solches, die ostpreußische Identität und das Bekenntnis zu ihr, schwächeln ein wenig.
Das Gesetz stellt für die Eigenschaft der „Deutschen Volkszugehörigkeit“ in erster Linie auf das Bekenntnis und erst in zweiter Linie auf das Bekenntnis bestätigende objektive Tatsachen ab.
So müssen wir es mit unserem „Ostpreuße-Sein“ auch halten: Wesentlich ist das aus dem Willen fließende Bekenntnis zur Zugehörigkeit zur deutschen ostpreußischen Volksgruppe!
Wesentlich ist dabei nicht das, was uns trennt, sondern was uns eint!
Wir sind nur dann Ostpreußen, wenn wir uns als Ostpreußen fühlen und das im täglichen Leben auch zum Ausdruck bringen.
Wir müssen und wir werden Ausgrenzungen entgegenwirken.
Man verliert seine ostpreußische Identität nicht dadurch, dass man in das Bundesgebiet vertrieben worden oder dahin ausgewandert ist, auch nicht dadurch, dass man als Deutscher und als Ostpreuße in der Heimat geblieben ist und dort gemeinsam mit der polnischen Mehrheitsbevölkerung lebt.
Man verliert seine ostpreußische Identität aber, wenn man sich nicht mehr als Ostpreuße fühlt, wenn man das ostpreußisch-Sein nicht mehr als wesentlich für seine eigene Identität empfindet, wenn man sich mehr als Westdeutscher oder als Pole fühlt, denn als Ostpreuße.
Das ist der Anfang vom Ende! Dem gilt es entgegenzuwirken. Bekennen Sie sich zu Ostpreußen. Sagen Sie der Welt und den Menschen bei jeder Gelegenheit: Ostpreußen lebt!
So werden wir den Zusammenhalt der Angehörigen der Erlebnisgeneration, deren Nachkommen und der Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Ostpreußen, den Zusammenhalt und unsere gemeinsame Identität als Ostpreußen stärken und bewahren.
Wichtig für uns Ostpreußen, für alle Vertriebenen, für alle Deutschen ist das sichtbare Zeichen, das die Erinnerung an Flucht und Vertreibung der Deutschen am Ende des Zweiten Weltkrieges wachhält.
Im November 2005 bekannten sich die Regierungsparteien der zweiten großen Koalition zur Umsetzung dieses lange diskutierten Vorhabens.
Infolge dessen wurde drei Jahre später im Dezember 2008 die Errichtung der Stiftung Flucht Vertreibung Versöhnung als Unterstiftung der Stiftung Deutsches Historisches Museum vom Deutschen Bundestag beschlossen.
Die Verzögerungen der folgenden Jahre geben uns Veranlassung, die Stiftung und das mit ihr verbundene Deutschlandhaus als vertriebenenpolitischen BER eigener Art anzusehen.
Erst zweieinhalb Jahre nach Gründung der Stiftung, 2011, startete der Architektenwettbewerb für die Sanierung und den Umbau des Deutschlandhauses in Berlin, dem künftigen Standort des Ausstellung-, Information- und Dokumentationszentrums der Stiftung. 2012 wurde die Stiftungskonzeption vom Stiftungsrat verabschiedet. Erst am 17. Oktober 2016, also nahezu acht Jahre nach Errichtung der Stiftung, wurde das Richtfest im Deutschlandhaus gefeiert.
Die Übergabe des Gebäudes an die Stiftung verzögert sich seit dem immer wieder. Zur Begründung wird auf allerlei Ungemach bei der baulichen Verwirklichung verwiesen – statische Mängel, fehlende Tragwerkkonstruktionen, Feuchtigkeitsschäden, Bauboom, geplatzte Ausschreibungen und vieles mehr.
Zurzeit wird davon ausgegangen, dass das Gebäude Ende dieses Jahres, elf Jahre nach Errichtung der Stiftung, übergeben werden kann.
Da bei der Errichtung von Ausstellungen in der Regel ein Jahr nicht ausreicht, um die fertig konzeptionierte Ausstellung zu schaffen, ist damit zu rechnen, dass – wenn überhaupt – die Dauerausstellung im Frühjahr 2021 eröffnet werden kann, im 13. Jahr nach Errichtung der Stiftung.
Wenn die Stiftung 2021 endlich ihre Dauerausstellung eröffnet wird, was wird uns erwarten?
Was wollen wir dort sehen?
Von den 2,5 Millionen Ostpreußen verloren durch Krieg, Flucht und Vertreibung mehr als ¼ ihr Leben.
In Deutschland insgesamt, also auch unter Einschluss der Ostprovinzen, starben während des Krieges etwa 6,8 Millionen, dies ist ein Zwölftel der Bevölkerung gewesen.
Die Wahrscheinlichkeit, in Ostpreußen während des Krieges durch Kampfhandlungen oder Vertreibungsmaßnahmen umzukommen, war also drei- bis viermal höher als im übrigen Deutschland.
56000 Ostpreußen fielen im Kriege als Soldaten.
123000 Personen oder fünf Prozent starben nachweislich direkt bei den allgemeinen Vertreibungsmaßnahmen, 390000 Zivilpersonen oder 16 Prozent galten 1965 noch als verschollen. Diese Menschen haben also Ostpreußen 1945 verlassen und sind nie wieder aufgetaucht, verschwunden in den Wirren von Krieg, Flucht und Vertreibung.
In Ostpreußen war die Gefahr, als Zwangsarbeiterin in die sibirischen Weiten verschleppt oder – auch vielfach – vergewaltigt zu werden, um ein mehrfaches höher als im übrigen Reichsgebiet.
Die Ostpreußen, die Älteren unter uns selbst, von den jüngeren die Eltern und Großeltern, wurden 1944 und in den folgenden Jahren gegen ihren Willen mit Gewalt oder Androhung von Gewalt und unter teils grausamsten Umständen zum Verlassen der angestammten Heimat gezwungen, also vertrieben, so wie ihre Schicksalsgefährten aus den übrigen Ostprovinzen des Reiches auch.
Diese Vertreibung war in Art, Umfang und Durchführung ein furchtbares singuläres Verbrechen, das dicht an einen Völkermord heranreichte.
Es kann auch durch die in deutschem Namen zuvor von den Nationalsozialisten begangenen schlimmsten Verbrechen weder erklärt noch gerechtfertigt noch entschuldigt werden.
Diese Vertreibung ist der Grund dafür, dass das es unsere und die übrigen Landsmannschaften gibt.
Sie ist das Trauma Deutschlands.
Das ist das, was wir in der Dauerausstellung sehen müssen, wiederfinden wollen.
In diesem Zusammenhang ist mir wichtig, dass der Krieg und die Verbrechen der Nationalsozialisten keine zwingenden Ursachen der Vertreibung der Deutschen sind.
Ich möchte in aller Deutlichkeit dem Standpunkt entgegentreten, dass die Deutschen durch ihre Verbrechen noch selbst an ihrer Vertreibung schuld sein.
Ich darf dazu den bekannten Völkerrechtler Alfred de Zayas zitieren: „Der Zweite Weltkrieg war zwar der Anlass, aber nicht die Ursache der Vertreibung. Der heute oft behauptete einfache kausale Nexus (das meint ursächliche Verbindung) zwischen Krieg und Vertreibung überzeugt nicht und ist zudem wissenschaftlich unhaltbar. Das Kriegsende wäre ohne Vertreibung der Ostdeutschen durchaus denkbar gewesen. Die Rheinländer wurden von den Franzosen und Niederländern nicht nach Osten vertrieben. Weshalb wurden die Ostpreußen und Sudetendeutschen nach Westen verjagt? Ursache der Vertreibung waren die freien Entscheidungen einer nicht allzu großen Zahl von Politkern mehrerer Staaten, deren langfristiges Kalkül 1945 in die größte Vertreibung der Geschichte mündete.“
So war es.
Das alles gehört in die Dauerausstellung der Stiftung.
Der Blick zurück ist wichtig. Nur wer weiß, wo er herkommt, kann verantwortlich bestimmen, wo er hin will.
Zukunft braucht Vergangenheit.
Aber wir dürfen darin nicht verharren.
Krieg, Flucht und Vertreibung liegen fast nun über sieben Jahrzehnte zurück.
Sie sind – zunächst langsam und unmerklich, aber doch unaufhaltsam – Geschichte geworden. Erlebte Geschichte von noch vielen, die unter uns sind und leben.
Geschichte, die unser Dasein bis heute prägt.
Von den Tätern der damals wechselseitig begangenen Verbrechen lebt fast niemand mehr.
Schuld ist immer individuell. Sie ist mit den Tätern gestorben. Auch sie ist Geschichte geworden.
Die Vergangenheit bleibt uns Mahnung und Auftrag, es anders, besser zu machen.
Wir müssen den Blick nach vorn richten.
Das letzte Wort des Stiftungsnamens lautet Versöhnung. Das ist Programm.
Wir Ostpreußen sind auf diesem Weg schon ein beträchtliches Stück des Weges gegangen. Wir haben eine Vielzahl an gemeinsamen Projekten mit polnischen, russischen und litauischen Partnern vor Ort auf die Beine gestellt. Oft sind aus Partnern Freunde geworden.
Menschen, die glauben, Ostpreußen beschäftigen sich damit, gegen Grenzen anzurennen, sollten endlich bemerken: Wir haben sie überwunden.
Ostpreußen hat ungemein von der Mitgliedschaft Polens in der Europäischen Union profitiert. Ostpreußen ist abgesehen vom Königsberger Gebiet heute ein prospendierendes Land, das sich lange vom Schatten des Kommunismus gelöst und seine Anbindung an Europa geschafft hat.
Ostpreußen ist in seinen EU-Teilen heute ein freies Land.
Es ist beindruckend, wie schnell und gründlich Infrastruktur, vor allem Straßen, geschaffen worden ist.
Nun sagen zwar viele, dass diese Infrastruktur von der Europäischen Union und damit vor allem von Deutschland bezahlt worden ist.
Na gut, sei es so. Polen hat jedenfalls unter Beweis gestellt, dass es diese Gelder effizient, gründlich und schnell verwendet. Angesichts der Dauer solcher Bauten in Deutschland (ich sage nur BER) sind die Polen Deutschland deutlich voraus.
Nicht so glücklich können wir als Deutsche und als Ostpreußen nicht mit den eingetrübten deutsch-russischen Beziehungen sein.
Die Ostpreußen und unsere Landsmannschaft leiden unter den Auswirkungen der großen Politik.
Das fängt bei Schwierigkeiten mit der Grenzkontrolle an, geht über gestrichene Flug- und Eisenbahnverbindungen und endet bei Drangsalierungen uns wohlgesonnener Amtsträger im „Oblast“ durch die „Oblast“-Führung wohl auf Weisung aus Moskau.
In diesem Zusammenhang ist auch das früher deutsch-russische Haus in Königsberg zu nennen, das zu anderen Zeiten ungezwungener Treffpunkt für Deutsche, Russen und Ostpreußen war, wo viele gute Veranstaltungen abgehalten wurden, das heute aber nach vorübergehender Schließung und Entlassung des früheren Personals als rein Russland-deutsche Einrichtung mit Berührungsängsten zu Ostpreußen und zur deutschen Geschichte Ostpreußens geführt wird.
Auch ich bin der Meinung, dass man die russische Regierung nicht mit allem durchlassen kann.
Trotzdem können uns der Zustand der deutsch-russischen Beziehungen und die Ergebnisse der Russland-Politik nicht zufrieden stellen.
Ich kann da nur sagen, Deutschland ist es eigentlich immer gut gegangen, wenn die deutsch-russischen Beziehungen gut waren.
Die Landsmannschaft Ostpreußen setzt sich seit langem intensiv für die Angehörigen der Deutschen Volksgruppe in Ostpreußen ein. Beleg dafür ist nicht zuletzt unser Verbindungsbüro direkt unterhalb der Allensteiner Burg, von dem zahlreiche Aktivitäten für Angehörige der Deutschen Volksgruppe und mit ihnen ausgehen.
Die Landsmannschaft Ostpreußen ist seit vielen Jahren mit einer großen Zahl von Veranstaltungen präsent, als da zu nennen wäre:
•    Kommunalpolitischer Kongress,
•    Deutsch-Russisches Forum,
•    Ostpreußisches Sommerfest,
•    Frühlingsseminar für die Angehörigen der mittleren Generation der Deutschen Volksgruppe in Ostpreußen,
•    Sommerolympiade der deutschen Jugend in Ostpreußen,
•    Volkstanzseminar für Kinder und Jugendliche,
•    Arbeitstagung der deutschen Vereine,
Ziel muss wo möglich und gewünscht eine Schul- und Berufsausbildung für die jungen Menschen aus der deutschen Volksgruppe in deutscher Sprache sein.
Hier ist der deutsche Staat gefordert, der im Vergleich zu anderen Staaten viel zu wenig für seine Auslandsdeutschen tut. Ich fände ein Engagement Deutschlands für die Angehörigen seiner Deutschen Volksgruppe in der Republik Polen in dem Maße überaus angemessen, das Polen für seine Auslandspolen in Litauen aufwendet.
Ziel muss weiter sein, auch der nachwachsenden Generation übergreifend – ob aus Ostpreußen oder aus dem Bundesgebiet – eine Lebensperspektive in Ostpreußen zu geben.
Leben und arbeiten für Deutsche in Ostpreußen – innerhalb EU-Europas eine theoretische Selbstverständlichkeit – muss auch praktische Realität, Selbstverständlichkeit, werden.
Die vergangenen Jahre haben an vielen Stellen erfreuliche Ergebnisse unserer politischen Arbeit und der unseres Dachverbandes BdV gebracht.
Als erstes ist hier die Zwangsarbeiterentschädigung zu nennen. Viel zu spät zwar konnte dieses wichtige Anliegen zum Gelingen gebrachten werden, das den betroffenen Zwangsarbeitern wenigstens eine kleine Anerkennung und Genugtuung gebracht hat. Die Mehrzahl der Anträge ist inzwischen bearbeitetet und fast alle Anträge sind auch bewilligt worden.
Ähnliches gilt für den Gedenktag gegen die Vertreibung der Deutschen, der nun mit dem Weltflüchtlingstag gemeinsam am 20. Juni jeden Jahres begangen wird. Die Terminierung dieses lange geforderten Gedenktages auf den Weltflüchtlingstag ist Beleg dafür, dass die deutschen Vertriebenen national und international nicht weniger Gewicht haben, als andere internationale Flüchtlinge auch.
Trotzdem tut es Not, auf die gravierenden Unterschiede zwischen den heutigen Migranten und den deutschen Vertriebenen der Nachkriegszeit hinzuweisen.
Bei den deutschen Vertriebenen war deren Vertreibung beabsichtigt, also prioritäres Ziel der brutalen Vertreibungsmaßnahmen, insbesondere der Russen.
Bei den Fluchtbewegungen der heutigen Zeit ist die Flucht der Betroffenen, soweit es im engeren Sinne überhaupt eine solche ist, nicht Sinn und Zweck des Handelns der Gewalt ausübenden Mächte, nicht deren Absicht, sondern Folge deren Tuns.
Die deutschen Vertriebenen hatten keine Handys, sie bekamen erst nach etlichen Jahren Notunterkunft eine Wohnung, sie bekamen kaum oder gar kein Geld, niemand rief Refugees are welcome, sie konnten nicht in die Heimat auf Urlaub fahren.
Aber anders als die heutigen Geflüchteten wären die allermeisten sofort und auf den Knien nach Hause zurückgekehrt, wenn man sie denn nur gelassen hätte.
Erfreulich ist auch das Bemühen der dritten großen Koalition um die Belange der Vertriebenen. Dies macht sich an spürbar erhöhten Bundesmitteln im Bereich der Kulturförderung gem. § 96 BVFG für Einrichtungen und Museen und bei der Entwicklung der institutionellen Förderung der Vertriebenen bemerkbar, aber auch am persönlichen Engagement der Bundeskanzlerin auf den Veranstaltungen des BdV.
Davon profitiert nicht zuletzt auch das Ostpreußische Landesmuseum in Lüneburg, das unmittelbar nach Vollendung des dritten Bauabschnitts die Zusage für den vierten Bauabschnitt, insbesondere für den Schwerpunkt Kant-Ausstellung, erhalten hat.
Aber auch andere Landsmannschaften haben Anteil daran, wie zum Beispiel die Sudentendeutschen mit ihrem neuen Landesmuseum in München.
Nicht zufrieden stellen kann allerdings nach wie vor die
Behandlung bestimmter Vertriebenengruppen bei der Fremdrente. Auch die letzten Beschlüsse zur Fremdrentenpolitik hat die gravierende Benachteiligung der Betroffenen hinsichtlich pauschaler Abwertung der Rentenpunkte und der Deckelung der Rentenpunkte bei Eheleuten nicht beseitigt. Auch hier müssen wir - und werden wir – schlussendlich noch zu Verbesserungen kommen.
Ostpreußen lebt und es entwickelt sich weiter. Wir wollen und werden an seiner Entwicklung mitwirken und teilhaben!
Wir wollen und werden den Anschluss behalten, wir wollen und werden uns in der Heimatprovinz engagieren und mitgestalten.
Dazu bedarf es der Zusammenarbeit mit dem heutigen Ostpreußen, denn ohne oder gar gegen die heutige Mehrheitsbevölkerung ist kein sinnvolles Arbeiten möglich. Und diese Zusammenarbeit ist nicht nur möglich, sie ist beiderseitig gewünscht und sie ist inzwischen auch erprobt!
Die Vertreter der heutigen Mehrheitsbevölkerung haben vielfach den Kontakt zu den Vertretern der angestammten Bevölkerung, zur Landsmannschaft Ostpreußen, den sie brauchen, wenn sie Bezüge zu Geschichte und Kultur der jetzt von ihnen bewohnten Landstriche entwickeln wollen, nicht nur gesucht, sondern auch gefunden.
Nur die wenigsten heute dort lebenden Menschen haben einen Großelternteil, der dort schon 1945 oder früher dort gelebt hat.
Ohne uns gibt es keinen Zugang zur Vergangenheit Ostpreußens – und die Menschen wissen das.
Beide Seiten sind bei verständiger Würdigung auf Zusammenarbeit angewiesen. Wir werden diese Zusammenarbeit, eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe, suchen, pflegen und ausbauen.
Wir werden weiter für Ostpreußen arbeiten im Dienste einer gemeinsamen Zukunft in Frieden, Freiheit und Wohlstand in Europa.
Liebe Ostpreußen, verehrte Gäste, meine Damen und Herren! Bedenken Sie, dass Ostpreußen nicht sterblich ist.

Veröffentlicht am 15.05.2019
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