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»Schwerelos und glücklich«

»Bemerkens- und Bestaunenswertes« erlebte Teilnehmerin Ulrike Madeya beim 8. Musikwochende im Ostheim
Karin Petersen, Brigitte Schulze und Marianne Kopp konnten ein beschwingtes Lied davon singen (v.l.) Bild: Heinrich

Gesungen, getanzt und auf vielerlei andere Weise musiziert wurde zu Pfingsten im Ostheim in Bad Pyrmont. Vom 22. bis 25. Mai hatte die Landsmannschaft zusammen mit dem Arbeitskreis Nordostdeutsche Musik zum 8. Musikwochenende eingeladen. Eine traditionsreiche Veranstaltung, die schon seit 1979 stattfindet. Seit 2008 erklingt das nordostdeutsche Liedgut im Ostheim.
Zum Programm der stets gut besuchten Veranstaltungen gehört nicht nur zwangloses Singen, Musizieren und Tanzen, sondern auch die Fortbildung. Schon am zweiten Abend wurde uns in diesem Jahr ein bemerkenswerter Vortrag von dem Musikstudenten Benjamin Mausolf und seinem Bruder Raphael über Carl Loewe geboten. Beide Brüder kennen die Musikwo-chenenden schon von Kindesbeinen an, denn sie wurden regelmäßig von ihrer Großmutter mitgenommen. Ihren Vortrag über Loewe lockerten sie mit Lichtbildern und Musikbeispielen gekonnt auf.
Danach folgte der gemütliche Teil mit Geschabber und Gesang. Er klang spät aus, wie sich denken lässt. Ein festes Arbeitsprogramm gab es für die nächsten Tage. Um sieben Uhr wurde geweckt, doch nicht mit einem Gong, sondern mit engelsgleichem Gesang und zarten Flöten- oder Geigentönen. Jeden Morgen übernahm jemand anderer diese Aufgabe. Um 7.45 Uhr wurde dann im Treppenhaus schwungvoll und fröhlich der Morgen begrüßt, bevor es zum Frühstück ging.
Danach wurde nach einer Stunde gemeinsamen Singens bis zum Mittagessen in Gruppen gearbeitet: der Chor mit der begnadeten Leiterin Karin Petersen, jetzt Gloger, die Flötengruppe unter der bewährten Leitung von Solveig Hachtmann und die Gitarren- und Violinengruppe, die von Roland Funck geführt wurde. Er ist der Sohn von Eike Funck, dem langjährigen Vorsitzenden des Vereins und Herausgeber des Liederbuchs „Der wilde Schwan“ mit 265 Liedern aus Pommern, Ost- und Westpreußen und dem Baltikum.
Um zwölf Uhr wurde ein deftiges Lied „Bevor das Essen kommt herein“ geschmettert. Der Nachmittag leiteten Volkstänze unter Leitung von Brigitte Schulze ein, an denen jeder teilnehmen konnte. Die einen zogen dem ein Mittagsschläfchen vor, andere wollten lieber Besorgungen oder einen Spaziergang im Kurpark machen. So blieb die Gruppe überschaubar.
Nach der Kaffeepause traf man sich wieder in den Arbeitsgruppen zum gemeinsamen Tun. Auch für den Abend war etwas Besonderes vorgesehen. Die Chorleiterin Karin Petersen hatte sich kürzlich das Ja-Wort mit Bernd Gloger gegeben. Nun sahen die Teilnehmer ein Video der naturreligiösen Hochzeit und feierten das Ereignis — nicht nur mit fröhlichen Liedern – gebührend nach.
Ähnlich wie der Sonnabend strukturierte sich auch der nächste Tag. Der Abend war schon der letzte gemeinsame. Daher war eine Art Generalprobe für den Abschlussvormittag vorgesehen. Die Arbeitsgruppen führten ein Kurzprogramm vor – ein wunderschöner Vorgeschmack auf den kommenden Tag. Daneben erfreuten uns die vier Damen aus Ostpreußen – drei aus Lötzen, eine aus Osterode – mit ostpreußischem Bärenfang und Gebäck als Dankeschön für die schönen, anregenden und inhaltsreichen Tage im Ostheim.
Am Pfingstmontag dann lagen Höhepunkt und Schluss dicht nebeneinander. Einen kleinen Aufschub sah das Programm allerdings noch einmal vor: Üben in den Arbeitsgruppen und Tanzen bis 11 Uhr. Danach erwartete die Teilnehmer mit dem gemeinsamen Musizieren aller Gruppen der große
Schlussakkord! Es war wie im letzten Jahr – alles, was beim Proben noch nicht klappte und dem Dirigenten und den Leitern sicher den Puls schneller schlagen ließ, gelang nun fast fehlerfrei! Einmalige Zutat: Das jungvermählte Paar erschien in seinem mittelalterlichen Hochzeitsgewand. Die „Braut“ mit Blumenkranz im Haar dirigierte uns schwerelos und glücklich. Es war wie eine heilige Stunde, voller innerer Sammlung und tiefer Inbrunst, ein Eins-Sein miteinander und mit der jahrhundertealten Kutur, in die wir eingetaucht waren, nicht zuletzt mit dem Gefühl des Teil-Seins eines großen klingenden Universums.
Für mich, die Schreiberin und erst zum zweiten Mal dabei, gab es vieles, was darüber hinaus bemerkens- und bestaunenswert war: Die vielen Jahre der Arbeit, um dieses Kulturgut zu sammeln und zu erhalten, die unvorstellbare Intensität der Übungsarbeit an den Musiktagen, das Zusammengehörigkeitsgefühl, die Tatsache, dass man in so kurzer Zeit ein Programm gestalten kann.
Auch die Vielfalt und Breite dessen, was erarbeitet wurde, war beeindruckend: Die Liedauswahl reichte von volkstümlich bis zu hoch konzertant, die Tänze von dörflich bis zu höfisch, Gitarren und Violinen konzertierten vorzüglich zusammen. Die Flöten boten Beschwingtes, Tänzerisches wie auch Getragenes. Selbst das Generationenthema gestaltete sich überaus glücklich: Zu den „Alten“ gesellten sich die mittlere und junge Generation sowohl beim Singen als auch beim Tanzen und Konzertieren. Eine Komposition von Professor Eike Funck wurde von Sohn Roland und Enkel Ferdinand vorgetragen. Eine Hoffnung für die Zukunft! Mögen das Musikseminar und die generationsweitertragende Kulturarbeit noch lange erhalten bleiben.

Veröffentlicht am 22.07.2015
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