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Raffinierte Frauenhauben, verbotene Seide

Diesmal ging es zur Werkwoche nach Allenstein – 26 Teilnehmerinnen übten sich im sticken, stricken, weben und knüpfen
Die jüngste Dame unter den Teilnehmerinnen war acht Jahre alt Bild: Galdkowska

Die Werkwoche ist eine jährliche Veranstaltung der Landsmannschaft Ostpreußen, die früher in Bad Pyrmont und jetzt in der Politischen Bildungsstätte Helmstedt durchgeführt wird. Alle zwei Jahre findet sie in Ostpreußen statt, diesmal zum 14. Mal.

26 Teilnehmerinnen trafen sich vom 23. bis 30. April im Haus Kopernikus in Allenstein, um gemeinsam die ostpreußische Volkskunst zu vertiefen. Die Vertreterinnen der Deutschen Minderheit aus dem südlichen Ostpreußen wurden in verschiedene Arbeitsgruppen eingeteilt: Stricken und Sticken unter der Leitung der Werklehrerin Gudrun Breuer sowie Weben einschließlich Knüpfen und Jostenbandweben unter der Leitung von Werkmeisterin Liesa Rudel.
Nach einer Woche intensiver Tätigkeit entstanden wunderschöne Handarbeiten, die bei einer abschließenden Ausstellung bewundert werden konnten. Der lange Tisch im Ausstellungsraum war mit Handschuhen, Socken, Mützen, Topflappen, Weißstickerei, gewebten Läufern, Taschen und Jostenbändern bedeckt. Einige der Teilnehmerinnen waren zu dieser Veranstaltung in selbstgenähten ostpreußischen Trachten gekommen.
Neben dem Erwerb neuer Fertigkeiten konnten die Teilnehmerinnen ihr Wissen über Trachten erweitern. Darüber hielt Uta Lüttich, Bundesvorsitzende der ostpreußischen Frauenkreise und Leiterin der Werkwoche, einen Vortrag. Sie stellte die Trachten als einen Teil der Kultur-, Kleidungs- und Textilgeschichte der Landbevölkerung vor. In Ostpreußen war die Bevölkerung gemischt, deswegen gab es keine einheitliche Volkstracht, sondern es wurden „Trachtengebiete“ unterschieden. Im Ermland zum Beispiel gehörte zur Frauentracht ein langer faltiger Rock mit hellen, breiten Streifen. Dazu trug man ein enges, wollenes Leibchen, meist von roter Farbe und eine selbstbedruckte oder gestreifte Schürze. Das schönste Trachtenstück des Ermlandes war jedoch die raffinierte Frauenhaube.
In Masuren bestand die Tracht aus einem handgewebten dunklen Rock, weißer Bluse mit langen Ärmeln, mit Plattstich gestickter bunter Borte, einem einfarbigen, gewöhnlich schwarzen Mieder, einer weißleinenen, buntbestickten Schürze, weißen Strümpfen zu schwarzen Schuhen und der seidenen, buntbestrickten Haube mit langen seidenen Bändern.
Auch die Trachten an der Samlandküste, im Oberland, in Tilsit, Memel und Nidden unterschieden sich voneinander. In Königsberg regelte eine Kleiderordnung von 1584 die Trachten von Freien und Schulzen. Frauen trugen Satinröcke. „Hartzkappen“ und „Hüftbinden“ waren verboten. Frauen waren Silberknöpfe und Seidengürtel gestattet. 1612 wurde den Bauersfrauen verboten Seide zu tragen.
Das Tragen von Trachten hörte gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf, aber was in ganz Ostpreußen weiter gepflegt wurde, war die auf alter Tradition beruhende Handarbeitskunst. In den 20er Jahre des 20. Jahrhunderts fanden viele ostpreußische Mädchen und Frauen wieder zum Trachtenkleid zurück. Es wurde intensiv daran gearbeitet, eine für ganz Ostpreußen gültige Tracht zu schaffen, zu der jede Landschaft ihren Beitrag liefern sollte.
Das Ostpreußenkleid besteht aus Miederrock, Bluse, Schürze, Haube, eventuell Jacke. Miederrock und Jacke sind aus Wolle in den Farben rot, blau, grün oder schwarz gewebt, Silber oder Bernsteinknöpfe, Bluse und Schürze aus Baumwolle. Dazu wird Bernstein- oder Silberschmuck getragen.
In einem weiteren Vortrag berichteten die Teilnehmerinnen aus der Arbeit der deutschen Vereine. Zurzeit gibt es auf dem Gebiet des südlichen Ostpreußens 22 deutsche Vereine, mit Sitz in den Kreisstädten. Außer Allenstein und Neidenburg sind alle in einem Dachverband (Verband der deutschen Gesellschaften in Emland und Masuren) vereint. Situation und Größe der einzelnen Vereine sind unterschiedlich. Die Allensteiner Gesellschaft der deutschen Minderheit ist eine der größten in der Region. Ihr gehört das Haus Kopernikus, in dem die Werkwoche stattgefunden hat. Die Gesellschaft bietet ihren Mitgliedern zahlreiche Veranstaltungen an, wie Karneval, Kartoffelfest, verschiedene Studienreisen, Volkstrauertag und einen Weihnachtsmarkt. Es wird ein Deutschkurs angeboten und für Kinder gibt es Samstagskurse. Bei der Allensteiner Gesellschaft ist auch eine Handarbeitsgruppe tätig, die zurzeit zehn Frauen zählt. Sie treffen sich einmal in der Woche.
Andere Vereine sind kleiner, aber nicht weniger aktiv. Der deutsche Verein in Bartenstein zählt 160 Mitglieder. Seit zwölf Jahren besteht dort eine Handarbeitsgruppe mit 15 Frauen. Bei der Gesellschaft ist auch die Volkstanzgruppe Saga tätig, die in ostpreußischen Trachten auftritt.
Dem deutschen Verein in Lyck (70 Mitglieder) gehört der neogotische Wasserturm, in dem ein Museum zur ostpreußischen Kultur und Geschichte eingerichtet wurde. Die Dauerausstellung in polnischer und deutscher Sprache zieht hier im Sommer viele Touristen an.
Die Deutsche Minderheit in Heilsberg (200 Mitglieder) ist für ihren Chor „Ermland“ und für das Adventsreffen „Bethlehem der Nationen“, zu dem alle Minderheiten und die polnische Bevölkerung eingeladen sind, bekannt. Chöre sind auch bei den deutschen Gesellschaften in Lötzen und Neidenburg aktiv.
Weitere Gesellschaften der Deutschen Minderheit befinden sich in Angerburg, Bischofsburg, Braunsberg, Deutsch Eylau, Elbing, Goldap, Hohenstein, Johannisburg, Landsberg, Mohrungen, Ortelsburg, Osterode, Pr. Holland, Rastenburg, Sensburg und Treuburg.
Leider hatten nicht alle deutschen Vereine Vertreterinnen zur Werkwoche nach Allenstein geschickt, aber trotzdem gab es unter den Teilnehmerinnen auch jüngere Personen. Die kleinste Dame, die an der diesjährigen Werkwoche teilnahm und mehrere Jostenbänder webte, war acht Jahre alt. Es scheint, dass die Handarbeit doch nicht passé ist und die junge Generation die Webkunst lernen will oder einzigartige Handschuhe und Mützen stricken möchte und so die alte Tradition und Volkskunst weiterpflegt.
Die Werkwoche in Allenstein wurde durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert.
    Edyta Gladkowska

Veröffentlicht am 31.05.2017
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