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Freitag, 14. Dezember 2018

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Zweimal 30 Jahre Ostpreußen in Lüneburg

Vor 60 Jahren öffnete des »Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens« im Alten Kaufhaus seine Tore
Der neue Eingang: Scharffsches Haus in der Fußgängerzone Bild: Ostpreußisches Landesmuseum

Im August dieses Jahres wurde das Ostpreußische Landesmuseum (OL) in Lüneburg nach Erweiterungsarbeiten wiedereröffnet. Nun gibt es ein Jubiläum zu feiern: Vor 60 Jahren wurde das „Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens e.V.“, das Vorgängermuseum des heutigen OL, eröffnet. Es folgen Rückblicke von Barbara Loeffke, der Ehefrau des Gründers Hans-Ludwig Loeffke, und Joachim Mähnert, dem Direktor des OL.
„Ein Blick zurück muss auch immer ein Blick nach vorne sein“. Unter diesem Motto stand die museale Dokumentation Ostpreußens des Ostpreußischen Jagdmuseums – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens e.V. seit dem ersten Tag. Mit großer Weitsicht wurde damals der Grundstein für die Darstellung Ostpreußens fern der Heimat gelegt. Heute können wir sagen: Die Pläne und Ziele des Gründers und Schöpfers Hans-Ludwig Loeffke sind weitgehend Wirklichkeit geworden.
„Bei der Gründung des ,Ostpreußischen Jagdmuseums – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens‘ zu Lüneburg stand der landsmannschaftliche Gedanke Pate. Bereits im Jahr 1950 konnte ich anlässlich eines Großtreffens der Landsmannschaft Ostpreußen im Hamburger ,Planten un Blomen‘ 5000 ostpreußische Jäger und Reiter unter dem Zeichen ostpreußischer Trophäen zusammenrufen. Auf dem Bundestreffen der Landsmannschaft 1953 in Dortmund führte ich erstmalig eine ostpreußische Jagdausstellung durch, die nicht nur unter Landsleuten stärkste Beachtung fand. Oberjägermeister a.D. Scherping, Generalsekretär des Deutschen Jagdschutzverbandes, beauftragte mich daraufhin, auf der Internationalen Jagdausstellung 1954 in Düsseldorf die Gedenkschau ,Deutscher Osten‘ verantwortlich aufzubauen. Diese Ostschau wurde bei den über 800000 Besuchern – es wurde die größte Ausstellung Deutschlands überhaupt – zu einer Sensation.“
Zwei Erinnerungsstücke, die im OL zu bewundern sind, legen Zeugnis von dem überwältigenden Eindruck ab, den diese Ausstellungen hinterließen. Mit einem wunderschönen Silberteller bedankte sich die Jägerschaft bei Loeffke für seine Arbeit. Eine vom Deutschen Jagdschutzbund herausgegebene Plakette trägt die Inschrift: „Ostpreußische Jagdausstellung – Der Heimat fern doch treu! Bochum 9./10.5.1953 – DJV-Landsmannschaft Ostpreußen“. Ein beeindruckenderes Bekenntnis der nicht vertriebenen Jägerschaft zu Ostpreußen konnte es kaum geben.
Wer erinnert sich nicht der Trecks aus dem deutschen Osten. Wie oft fuhr auf schwankendem Wagen ein Geweih als Symbol der ererbten und erlebten Scholle, wie ein Kreuz des Leidens einem ungewissen Schicksal entgegen. Wie oft hatten der ostpreußische Jäger oder die ostpreußische Jägersfrau in jenen furchtbaren Tagen, da die Heimat in Rauch und Blut unterging, „alltäglich Wertvolles“ stehen- und liegengelassen, um ihre Trophäen zu retten. Da flieht eine ostpreußische Försterfrau nach dem ersten Ansturm der Russen in den Wald, holt später aus der brennenden Försterei die Keilergewehre ihres Mannes, näht sie sich in den Rock ein, und so überstehen diese Gewehre, im Rock verborgen, drei Jahre russischer Zwangsarbeit. Immer wieder wird die Frau von dem fanatischen Willen beseelt, die Trophäen ihres Mannes einstmals ihm selbst überreichen zu können. Wieviel Kraft zum Durchhalten haben diese Trophäen ausgestrahlt. Und endlich geht diese Hoffnung in der Bundesrepublik in Erfüllung. Das Thema dieses „Grünen Ostpreußen-Museums“ ist weitge­spannt. Nur einzelne Stichworte: Der Elch, Rominten, Wolf, Luchs, Rossitten, der Wald, Falknerei, Jägerbataillon Graf York von Wartenburg, Trakehnen. Es wurde zu einem allseits anerkannten Mahnmal und zu einer außerordentlich zahlreich besuchten „Stätte der Begegnung nicht nur ostpreußischer Landsleute“. Das schrieb Forstmeister a.D. Hans-Ludwig Loeffke 1966 in dem Kalenderbuch, dem den Ostpreußen vertrauten „Der redliche Ostpreuße“.
Zum Motor für das Museum wurde der 1906 in Tilsit geborene Forstmeister Loeffke, dessen Familie seit 1620 nachweislich in Ostpreußen ansässig war. Über umfassende Kenntnisse über Ostpreußen und seine Menschen und vor allem über Jagd und Natur verfügend, wollte er mit dem, was Ostpreußen berühmt gemacht hatte, nämlich Jagd und Pferdezucht, an die Öffentlichkeit gehen.
Ohne die großzügige Hilfe der Stadt Lüneburg, dem damaligen Oberstadtdirektor Dr. Böttger, hätten die Pläne wohl nicht realisiert werden können, denn die Stadt  stellte die obere Etage im Alten Kaufhaus, ein überaus geeigneter Ort, Jagd und Pferde und die Weite Ostpreußens aufleben zu lassen, zur Verfügung. Nach einer großen Eröffnungsveranstaltung unter Beteiligung nicht nur der Ostpreußen öffneten sich am 7. Dezember 1958 die Tore des Alten Kaufhauses, um die gesammelten Schätze der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Jeder Besucher verließ diese Ausstellung zutiefst beeindruckt.
Und dann kam der unfassbare Schicksalsschlag in der Nacht vom 22./23. Dezember 1959. Das Alte Kaufhaus und die in ihm geborgenen Schätze wurden durch Brandstiftung von dem in die Lüneburger Stadtgeschichte eingegangenen Feuerteufel, Rademacher, vernichtet. In letzter Sekunde konnten das Geweih vom „U-Boot-Hirsch“ und vier weitere Geweihe, darunter der „Matador“, dem wohl stärksten je in Europa erlegten Hirsch, gerettet werden.
Am 18. 0ktober 1964 half die Stadt Lüneburg wieder vorbildlich. Dafür gilt es noch heute zu danken. Ein altes Patrizierhaus in der Salzstraße wurde zur Verfügung gestellt. Unvergessen ist die Unterstützung des Bundestagabgeordneten Dr. Huys und von Oberbürgermeister Nickel. Die Wiedereröffnung fand in einer feierlichen Veranstaltung im Fürstensaal des Lüneburger Rathauses statt. Wer das neu erstandene Museum betrat, der spürte: Hier ist etwas geschaffen worden, das alle Deutschen ansprechen sollte. Die Patenschaft für die Eröffnung hatten Bundespräsident Lübke, Bundestagspräsident Dr. Gerstenmaier und Bundesvertriebenenminister Dr. Oberländer übernommen. Damals schrieb der niedersächsische Bund der Vertriebenen: „Wer sonst wohl hätte in dieser Situation die Kraft und den Mut gehabt, das zu sagen, was Loeffke damals mit Tränen in den Augen sagte: Wir machen weiter, jetzt erst recht.“
Fünf Jahre nach der Wiedereröffnung konnte am 21./22. Juni 1969 der erste Erweiterungsbau eingeweiht werden, unter anderem mit dem von dem Maler Manfred Laube gestalteten Diorama einer Waldlandschaft mit Elchen, das das schönste Europas gewesen sein soll.
Das letzte Meisterstück gelang mit dem zweiten Erweiterungsbau am 2./3. November 1974 durch einen Verbindungstrakt zu einem benachbarten, wieder von der Stadt zur Verfügung gestellten, Gebäude, fünf Wochen vor dem Tod Loeffkes. War damit die bedeutendste, die wichtigste Periode der musealen Dokumentation Ostpreußens zu Ende gegangen? Ohne das Ostpreußische Jagdmuseum und ohne das Traditionsbewusstsein der ehemaligen Lüneburger Stadtväter gäbe es in Lüneburg unser Ostpreußisches Landesmuseum, das weltweit einzige Ostpreußenmuseum, wie Direktor Mähnert gerne sagt, jedenfalls nicht.
Das Ostpreußische Jagdmuseum bestand fort, war zum Wallfahrtsort für viele Ostpreußen geworden und der damalige Lüneburger Landrat Dr. Martens sagte: „Wenn ich im Ostpreußischen Jagdmuseum in der Salzstraße bin, dann bin ich in Ostpreußen.“ Entsprechend der schon von Loeffke eingeleiteten thematischen Erweiterung wurde das Museum in „Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum“ umbenannt, bis die von der Bundesregierung verabschiedete „Grundkonzeption zur Weiterführung der ostdeutschen Kulturarbeit“ verabschiedet und das „Ostpreußische Landesmuseum“ aus der Taufe gehoben wurde.
Nach drei Jahrzehnten anerkannt erfolgreichem Wirkens en-dete am 26. Juni 1987 mit der Eröffnung des Ostpreußischen Landesmuseums die Ära des Ostpreußischen Jagdmuseums – Wild, Wald und Pferde Ostpreußens, das seinen Ruhm und seine Anziehungskraft der Bedeutung und Schönheit Ostpreußens und dem aufopferungsvollen ehrenamtlichen Einsatz verantwortungsbewusster Ostpreußen, die ihren Blick in die Zukunft gerichtet hatten, zu danken hat.
Zu danken ist auch den vielen Landsleuten und Freunden Ostpreußens, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben, dass so manches kostbare Exponat für unser Museum erworben werden konnte.     Barbara Loeffke

30 Jahre Ostpreußisches Landesmuseum – Kulturarbeit mit Zukunft

„Ein Volk, das durch Krieg und Kriegsschuld mehr als drei Provinzen verliert, ist geschlagen und hat Verlust erlitten; ein Volk jedoch, das aus freien Stücken darauf verzichtet, einen Teil der kulturellen Substanz jener verlorenen Gebiete zu sammeln, zu retten und … weiter wirksam zu machen, ein solches Volk versagt erbärmlich vor sich und seiner eigenen Kultur.“
Dieser flammende Appell zur Rettung ostdeutschen Kulturguts, 1972 an den damaligen Bundeskanzler Willy Brandt gerichtet, stammt nicht etwa aus Kreisen einer Landsmannschaft, sondern vom Brandt-Freund Günther Grass. Tatsächlich entspringt die Idee, staatlich finanzierte Landesmuseen für die Ostgebiete zu gründen, dieser Zeit. Aber erst 1987 öffnete mit dem Ostpreußischen Landesmuseum das erste seiner Art: der Prototyp aller nach Paragraf 96 Bundesvertriebenengesetz finanzierten Landesmuseen.
Die Rahmenbedingungen hatten sich indes deutlich verschlechtert. Für nicht wenige politische Akteure war die Erinnerung an Ostpreußen nunmehr überflüssig, wenn nicht gar Provokation oder Revanchismus. Die Museumseröffnung musste unter Polizeischutz erfolgen. Nicht weniger schmerzlich war die unzureichende Finanzierung, weshalb die neue Ausstellung provisorisch und für viele im Vergleich zum Vorgänger Jagdmuseum zunächst eine Enttäuschung war. Erst einige Jahre später erreichte die Präsentation ein angemessenes Niveau. Mit Hilfe öffentlicher Fördergelder, aber auch vieler privater Spender wuchs die Sammlung rasch. Die Ausstellungen begeisterten die Besucher, und aus dem gesamten Bundesgebiet reisten die Ostpreußen an, um „ihr“ Museum zu sehen. Denn auch nach Ende des Eisernen Vorhangs blieb das Lüneburger Haus mit seinem Anspruch, die einst östlichste Provinz geografisch und thematisch in voller Vielfalt abzubilden, einzigartig. Denn auch wenn seit 1990 ungeheuer viel passiert ist: Die vielen Museen im heute russischen, polnischen und litauischen Ostpreußen widmen sich seit 1990 auch dem deutschen Kulturerbe, sind aber eher auf die eigene Region konzentriert. Wenig erfährt man etwa in Ermland und Masuren über das Memelland und umgekehrt. Ostpreußen in Gänze als einen über Jahrhunderte gewachsenen und lange zusammengehörigen Kulturraum abzubilden scheint vor allem in der Bundesrepublik von Relevanz zu sein.
Rasch stellte sich allerdings heraus: Der Neubau von 1987 war angesichts des kulturellen Reichtums Ostpreußens zu klein gedacht, Erweiterung tat not. Doch der Weg dahin war lang und wäre ohne die tatkräftige, auch finanzielle Unterstützung der Ostpreußen selbst nicht möglich gewesen.
1994 war die Trägerschaft vom bisherigen „Ostpreußischen Jagd- und Landesmuseum e.V.“ auf die neu gegründete „Ostpreußische Kulturstiftung“ übergegangen. Nunmehr waren das Kulturzentrum Ostpreußen in Ellingen (Bayern) als Archiv für Ostpreußen und das Landesmuseum sinnvollerweise unter einem Dach. Für beide Einrichtungen erhält die Stiftung vom Bund sowie aus Niedersachsen und Bayern staatliche Förderung, welche eine professionelle Kulturarbeit auf hohem Niveau ermöglicht.
Es waren aber die Ostpreußen, die benachbarte Grundstücke für die Erweiterung erwarben, teils abgestimmt mit der Deutschbaltischen Kulturstiftung. Denn klar war: Modernisierung und Erweiterung würden nur finanziert werden, wenn unter dem Dach des Ostpreußenmuseums auch eine Deutschbaltische Abteilung realisiert würde. 2013 endlich wurde mit dem Umbau begonnen. Der Zugang zum Museum erfolgt jetzt über das 500 Jahre alte „Scharffsche Haus“ in der touristenstarken Heiligengeiststraße, in dem auch das Museumscafé und die Verwaltung liegen. Durch einen Neubau erhielt das Museum ein modernes Foyer sowie einen großartigen Sonderausstellungsraum.
Die neue Dauerausstellung stand vor der Herausforderung, Jung und Alt, Zeitzeugen ebenso wie Menschen ohne Vorkenntnisse glei-chermaßen anzusprechen. Nur wenn es gelingt, auch die Jüngeren an die Faszination Ostpreußens heranzuführen, wird das Museum dauerhaft erfolgreich Besucher anziehen. Daher finden sich viele sinnliche Erlebnisse in den vollständig überarbeiteten Räumen, unterhaltsame Möglichkeiten zum Ausprobieren oder Anfassen, Museumsobjekte mit großem Schauwert oder starken Geschichten und andere, die als Vertiefungsebene sich an den versierten Kenner richten.
Die bisherigen begeisterten Reaktionen der Besucher geben Anlass zur Hoffnung, dass der eingeschlagene Weg der richtige war. Ostpreußen bietet auch heute, über 70 Jahre nach Flucht und Vertreibung, starke Themen, kulturellen Reichtum und faszinierende Persönlichkeiten, die begeistern, von der einzigartigen Schönheit des Landes ganz zu schweigen.
Und wie geht es weiter? Seit 2016 bereichern die Sammlungen des Duisburger Museums Stadt Königsberg die Lüneburger Bestände. Die Pregelstadt mit ihrer Universität, ihrer Weltoffenheit und ihren großen Köpfen, besonders Immanuel Kant, steht im Zentrum des nächsten großen Projekts. 2024, zum 300. Geburtstag des Philosophen, soll ein nächster Erweite-rungsbau mit zusätzlich 700 Quadratmetern Ausstellungsfläche eröffnen. Königsbergs größter Sohn hat auch uns Heutigen viel zu sagen und wird international verehrt. Kein Wunder, dass die notwendigen Mittel bereits in öffentliche Haushalte eingestellt wurden.
Es geschieht viel im Ostpreußischen Landesmuseum, für den Erfolg der nächsten 60 Jahre ist es auf gutem Weg. Wenn im Jahr 2078 an Ostpreußen gedacht wird, dürfte das Lüneburger Haus als dann wohl wichtigster verbleibender Leuchtturm weiterhin den Wogen des Vergessens trotzen.
    Joachim Mähnert

Veröffentlicht am 05.12.2018
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