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Russen feiern zweifelhaften Sieg

Königsberg: Stele vor der Stadthalle erinnert an die Schlacht bei Gumbinnen im Ersten Weltkrieg
Countdown bis zum 100. Jahrestag: Stele vor der Königsberger Stadthalle Bild: J. T.

Im kommenden Jahr sollen im Königsberger Gebiet zahlreiche Veranstaltungen zur Erinnerung an den 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs stattfinden. Weil die russische Armee bei der Schlacht von Gumbinnen siegte, werden die Feiern sich auf die Kreisstadt konzentrieren. In Königsberg wurde eine Stele vor der Stadthalle aufgestellt, welche die Tage bis zum Jahrestag herunter zählt.

Auf dem Territorium des heutigen Königsberger Gebiets wurden viele deutsche und russische Soldaten begraben, die in den beiden Weltkriegen ihr Leben verloren. Einige Grabstätten sind in gutem Zustand erhalten, doch die Mehrzahl der Grabstätten ist inzwischen überwuchert oder in Vergessenheit geraten.

Im Vorfeld großer historischer Daten wird häufig darüber nachgedacht, sich um das Erbe der Vergangenheit zu kümmern und Denkmäler und Friedhöfe in einen dem Jahrestag angemessenen Zustand zu bringen. So geschieht es derzeit im Königsberger Gebiet.

Zu den Kriegshandlungen zwischen Russen und Deutschen in Ostpreußen gehört auch die Schlacht von Gumbinnen, die am 20. August 1914 stattfand. Um an das Ereignis zu erinnern und an die geplanten Feierlichkeiten, wurde vor der ehemaligen Stadthalle in Königsberg, dem heutigen kunsthistorischen Gebietsmuseum, eine Stele aufgestellt. Mit dieser Aktion beginnt das Programm zum Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs. In der Stele ist ein elektronischer Zähler mit der Aufschrift „Bis zum 100. Jahrestag des Siegs in der Schlacht von Gumbinnen im Ersten Weltkrieg verbleiben noch … Tage“. Der Bildschirm zeigt die Zahl der Tage bis zu diesem Datum an. Das Unternehmen „Technopolis GS“, einer der größten Investoren im Gebiet mit Sitz Gumbinnen, unterstützt Freiwillige bei der Pflege von Kriegsgräbern.

Anlässlich des 100. Jahrestags ist auch die Eröffnung einer Gedenkstätte am Ort der Schlacht bei Gumbinnen geplant. Insgesamt soll es im Königsberger Gebiet acht Feiern im Rahmen eines allrussischen Festprogramms geben. Vorbereitend sollen umfangreiche Restaurierungs- und Umbauarbeiten an den Grabstätten erfolgen, ein interaktives Museum in einer der Befestigungsanlagen eingerichtet sowie eine Wanderausstellung zusammengestellt werden. Außerdem soll in Gumbinnen eine Gedenkstätte an dem Ort errichtet werden, an dem die Gefallenen der Schlacht von Gumbinnen beerdigt sind. Ebenso ist eine internationale wissenschaftliche Konferenz geplant. Die bei Russen beliebte historische Rekonstruktion der militärischen Schlacht darf nicht fehlen.

Zuvor hatte Gouverneur Nikolaj Zukanow betont, dass es keinen Unterschied zwischen russischen und deutschen Gräbern geben dürfe: „Seinerzeit haben die Deutschen die russischen Soldaten neben ihren eigenen begraben. Es waren Soldaten, sie haben für ihr Vaterland gekämpft. Ich glaube, dass es richtig ist, die Gräber unabhängig von der Zugehörigkeit zu diesem oder jenem Land alle in Ordnung zu bringen.“

Zwischen Stadtvertretern und der Öffentlichkeit wird über die Herangehensweise an die Feiern im Gebiet diskutiert. So kam die Idee auf, Kriegsgräberstätten in touristische Reiserouten einzuschließen. Der Gouverneur hält davon jedoch nichts. Er erhielt Dutzende Briefe von Bürgern, die sich dagegen aussprachen. Ein anderer Plan sieht vor, ein zentrales Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in Königsberg aufzustellen und kleinere an den Orten, an denen Kriegshandlungen stattgefunden haben.

Während man über den Bau neuer Denkmäler nachdenkt, bleiben die bereits vorhandenen wenig berücksichtigt. Die meisten von ihnen gehören offiziell nicht zum Kulturerbe und stehen somit nicht auf der Denkmalschutzliste. Im Kreis Angerapp könnte wegen der Erweiterung der Dorffriedhöfe bald ein ungewöhnliches Bild entstehen: 100 Jahre alte Kriegsgräber russischer Soldaten liegen neben modernen Grabeinfassungen. Der Status Kulturerbe rettet die Kriegsgräber in der Provinz nicht immer davor, in Vergessenheit zu geraten. Wenngleich einige Objekte in einem befriedigenden Zustand sind wie das Denkmal bei Kowarren [Saosjornoje] in der Nähe von Klein Beynuhnen, wo sich das Schloss der Familie von Fahrenheid befand.

Vor den geplanten Feiern wurde ein Verzeichnis der Kriegsgräber angelegt, die auf Staatskosten restauriert werden sollen. Darunter befinden sich die Gedenkstätten in Grünwalden [Nowostrojewka], Kreis Gumbinnen, und Großwaltersdorf [Olchowatka]. Einen großen Anteil an der Pflege der Gräber hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, dessen Freiwillige schon zahlreiche Kriegsgräberstätten im Königsberger Gebiet gesäubert und instandgesetzt haben.

Laut staatlicher Zählung gibt es im Königsberger Gebiet 62 Gedenkstätten aus der Zeit des Ersten Weltkriegs, tatsächlich sind es aber wesentlich mehr. Der größte Teil von ihnen befindet sich in den Kreisen Gumbinnen, Ragnit und Angerapp. 

Kommentar von Manuel Ruoff

Unangemessen

Es entbehrt nicht einer gewissen Komik, dass die Russen in ihrer ostpreußischen Exklave ihren vermeintlichen Sieg in der Schlacht bei Gumbinnen vom 19./20. August 1914 derart groß herausstellen (siehe S. 13). Im Großen und Ganzen war dieser Feldzug gegen Ostpreußen und das Reich nämlich ein großer Fehlschlag. Der Schlacht bei Gumbinnen folgten die Tannenbergschlacht, bei der die Russen mit der Narew- gleich eine ganze Armee einbüßten, die Schlacht an den Masurischen Seen, welche die Russen ebenfalls verloren, und schließlich die Winterschlacht in Masuren, in der die zaristischen Truppen endgültig aus Ostpreußen herausgedrängt wurden. Der de­saströse Feldzug trug das Seine zum Ende des zaristischen Systems bei.

Mal sehen, wie die Russen den weiteren Kriegsverlauf an der ostpreußischen Front nach der Schlacht bei Gumbinnen behandeln. Es ist nur zu hoffen, dass sie der Versuchung widerstehen, nach der Besetzung Ostpreußens im Siebenjährigen Krieg nun auch die Besetzung großer Teile der Provinz zu Beginn des Ersten Weltkriegs zur Legitimierung ihrer Anwesenheit zu missbrauchen.

 

Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 04.12.2013
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