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Zukanow will blühende Landschaften

Königsberger Gebietsregierung fördert Agrarsektor – Gouverneur übt Druck auf Investoren aus
Versteppte Flächen werden in Äcker umgewandelt: Maisernte im Kreis Tilsit-Ragnit Bild: MRK

Im Vorfeld des Wahljahres 2015 und als Antwort auf die antirussischen Sanktionen im Zuge des Ukrainekonfliktes sucht Gouverneur Nikolaj Zukanow mit Hochdruck nach Lösungen für die Probleme der Region. Ein Hauptaugenmerk liegt auf der Entwicklung der jahrzehntelang vernachlässigten Landwirtschaft.
Vor Kurzem wohnte Gouverneur Nikolaj Zukanow der Einweihung einer Obstplantage im Kreis Labiau bei, wo auf einer Fläche von 20 Hektar etwa 20000 Obstbaumsetzlinge gepflanzt wurden. Nach einem neuen Obstbaugebiet im Kreis Insterburg ist es der zweite Betrieb im Königsberger Gebiet, der in drei bis fünf Jahren den Bedarf der Region und später den ganz Russlands mit Äpfeln und Birnen decken helfen soll. Bis zum Jahr 2016 ist geplant, eine Weiterverarbeitungsanlage sowie ein Obstlager zu errichten.
Die Gebietsregierung investiert verstärkt in den Ausbau des Agrarsektors: Umgerechnet 18 Millionen Euro steuert der Gebietshaushalt jährlich bei, weitere 36 Millionen Euro kommen aus Moskau. Und das nicht erst seit dem Inkrafttreten der Sanktionen und Gegensanktionen, welche die isolierte Lage der Exklave Königsberg verstärkt zutage treten lassen. Die Gebietsregierung hat bereits vor zwei Jahren ein Förderprogramm für die Landwirtschaft aufgelegt. Seitdem entstehen in den Kreisen Labiau, Elchniederung, Tilsit-Ragnit und Insterburg wieder landwirtschaftlich genutzte Flächen, in der Umgebung von Cranz werden Nutzflächen zur Pacht angeboten. Die ersten Erfolge lassen sich sehen, wenn auch regional große Unterschiede zu bemerken sind.
Seit einigen Jahren werden in Labiau im staatlichen Agrartechnischen Institut junge Menschen zu Agrarexperten ausgebildet. Auf Versuchsflächen erhalten sie Gelegenheit, ihr Können zu testen. Während man im Kreisgebiet an riesigen bestellten Ackerflächen vorbeifährt, auf denen zu dieser Jahreszeit Wintergetreide und Raps wachsen, scheint man in den Kreisen Elchniederung und Tilsit-Ragnit gerade erst damit zu beginnen, die Steppe umzupflügen. Dementsprechend kümmerlich sehen die ersten jüngst abgeernteten Maisfelder aus.  Nach dem Zerfall der Sowjet­union wurde die Landwirtschaft jahrelang vernachlässigt. Die Privatisierung der staatlichen Kolchosen führte zum völligen Zusammenbruch der Landwirtschaft, da die Käufer nur an schnellem Geld interessiert waren. Um die seit über 20 Jahren brachliegenden Flächen wieder fruchtbar zu  machen, braucht es Zeit. Diese Erkenntnis hat sich bei der Gebietsregierung offenbar jetzt durchgesetzt.
Zukanow lässt zurzeit eine Bestandsaufnahme aller landwirtschaftlichen Flächen durchführen. Wer seine Flächen nicht nutzt, weil damit kein schnelles Geld zu machen ist, läuft Gefahr, enteignet zu werden und seine Steuerprivilegien zu verlieren. Auch Kreisstädten will er die Subventionen streichen, wenn landwirtschaftliche Flächen in ihrem Bestand brachliegen.
Zukanow hat ausdrücklich signalisiert, dass die Erfahrung ausländischer Investoren gewünscht ist, besonders die von weißrussischen, deutschen, aber auch baltischen und polnischen Landwirten. In Heinrichswalde, Kreis Elchniederung, hat ein deutscher Investor im Frühjahr 8200 Hektar gepachtet, die er unter der Leitung eines russischen Geschäftsführers betreibt. Die Landwirte beginnen zunächst damit, Entwässerungsgräben neu zu ziehen und die übersäuerten Böden zu kalken.,
Die Gebietsregierung lockt Investoren mit großzügigen Subventionen für die Umwandlung von Brachland in Nutzflächen, den Bau von Viehställen, den Kauf von Vieh und Technik oder den Kauf von Saatgut und Setzlingen. Darüber hinaus winken Steuererleichterungen. Doch vor allem  Investoren aus dem Ausland scheuen ein Engagement, da sie zum einen Rechtsunsicherheit fürchten und zum anderen gerade in den abgelegeneren Regionen oft die Energiesicherheit nicht garantiert werden kann. Allen Schwierigkeiten zum Trotz gibt es bereits eine positive Bilanz: 2012 und 2013 erzielten landwirtschaftliche Betriebe in der Region Umsatzsteigerungen von über 100 Prozent.
 Bis jetzt sind  531 neue Arbeitsplätze in der Landwirtschaft entstanden, 73 in der Fleischverarbeitung im Kreis Ragnit, und 60 in der Gewächshausanlage im Kreis Tapiau,  27 in der Labiauer Molkerei. Tendenz steigend.
Eine geplante Schnellstraße von Riga über Tilsit nach Königsberg bis nach Berlin soll die Anbindung verbessern.
   

Manuela Rosenthal-Kappi

Veröffentlicht am 12.11.2014
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