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Der „Tilsiter“ will an die Memel zurück

In einer ostpreußischen Molkerei wird Tilsiter Käse für die Lagerung vorbereitet Foto: HKG Tilsit-Stadt

Wenn auch Tilsit schon im Jahre 1807 durch den Friedensschluss europaweit von sich reden machte, so erhielt sein Name einen echten Bekanntheitsgrad erst durch den Tilsiter Käse.

Seit dem Jahre 1845 wurde in der Tilsiter Region mit seiner ausgedehnten Vieh- und Milchwirtschaft eine Käsesorte hergestellt, die unter dem Namen „Tilsiter“ ihren Siegeszug auf den europäischen Märkten antrat. Hundert Jahre lang belieferten die Tilsiter Molkereien die Verbraucher mit ihrem wohlschmeckenden Erzeugnis. Der Käse wurde in großer Zahl von Schweizer Einwanderern hergestellt. Ende der dreißiger Jahre gab es rund um Tilsit über 50 Molkereien, die jährlich 4600 Tonnen Tilsiter Käse herstellten. 1945 war damit Schluss. Mit dem Einmarsch der Russen verfielen die Molkereien und  für den Tilsiter Käse schien das Ende gekommen.

Einem Schweizer war es zu verdanken, dass der echte „Tilsiter“ dennoch überlebte. Otto Wartmann war schon lange vor dem Krieg von der Region am Memelstrom in seine Schweizer Heimat zurückgekehrt mitsamt der Rezeptur und dem Know-how für den wohlschmeckenden „Tilsiter“. Auf dem Holzhof im Kanton Thurgau begann die Geschichte des schweizerischen Tilsiter Käses. Der Ururenkel von Otto Wartmann stellt noch heute dieses Erzeugnis in seiner Käserei her. Es war nur folgerichtig, dass die neue Heimstatt des „Tilsiters“ vor wenigen Jahren auch den Ortsnamen Tilsit erhielt. 1945 war nämlich die Ortsbezeichnung Tilsit von der europäischen Landkarte verschwunden. Die Russen nannten die Stadt am Memelstrom fortan Sovetsk.  Doch die Schweizer sorgten dafür, dass mit der Gründung von Tilsit in der Milchregion Thurgau dem Namen Tilsit ein Stück Unsterblichkeit gegeben wurde.

Die in der Stadtgemeinschaft Tilsit vereinten alten Tilsiter gaben ihrer Genugtuung Ausdruck, dass das kleine Tilsit in der Schweiz die Erinnerung an das einstige Tilsit an der Memel lebendig machte. Sie stellten auch die Weichen, als die Schweizer mit den Russen in Sovetsk eine historische Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart knüpfen wollten. Vor zwei Jahren wurde eine Vereinbarung über die Aufnahme partnerschaftlicher Beziehungen zwischen beiden Orten in die Wege geleitet. Sie trägt inzwischen Früchte, nicht nur auf kulturellem Gebiet, sondern auch hinsichtlich der wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

Geschäftsführer Bruno Buntschu von der SO Tilsiter Switzerland GmbH stellte kürzlich dem russischen Stadtoberhaupt das Projekt einer Schaukäserei vor. Die Schweizer wollen in der Stadt am Memelstrom einen milchwirtschaftlichen Produktions- und Schaubetrieb errichten. Der Käse verhalf einst der Stadt zur Blüte  und so soll es wieder werden.

Die Projektstudie sieht einen repräsentativen Gebäudekomplex mit dem Ausmaß von 45x30 Metern vor. Er soll dreigeschossig in Stahlbauweise entstehen. Der Bau besteht aus einer Produktionshalle und einem Publikumsteil. Die  Produktionshalle wird nach den Arbeitsabläufen und dem Hygienekonzept gegliedert, von der Anlieferung über die Milchbehandlung, Käsefertigung, dem Salzbad bis zu den Lagerräumen und der Spedition. Mehrere Hygieneschleusen sorgen für die Einhaltung der Qualitätsstandards. Im Untergeschoss sind die Elektroanlagen, die Heizungs- und Sanitärtechnik untergebracht. Einen besonderen Anziehungspunkt stellt der Besucheranbau dar. Hier laden ein Restaurant mit 50 Sitzplätzen zu Raclette und Fonduespezialitäten ein. Ein Fabrikladen bietet diverse Käseerzeugnisse an und eine kleine Bar sorgt für gemütliche Atmosphäre.

Über eine Treppe kann man die Besuchergalerie erreichen, wo die Fertigungsabläufe der Käseherstellung in Augenschein genommen werden können und wo auch Führungen stattfinden werden.

Derzeit laufen Verhandlungen mit der russischen Rathausspitze über die Bereitstellung eines geeigneten Grundstücks von etwa 3000 Quadratmetern. Die verkehrstechnische Anbindung ist für die Milchanlieferung und den Fertigwarentransport von großer Wichtigkeit. Anschlüsse für Elektro, Gas und Wasser sind ebenso erforderlich wie ausreichende Parkflächen für Besucher und Reisebusse.

Eine Vision wird Wirklichkeit. Der Tilsiter Käse wird wieder in seiner alten Heimat Fuß fassen. Mit dem Bau der Käserei wird eine Tilsiter Tradition zu neuem Leben erweckt. Der Bau wird den jetzigen Bewohnern die Vergangenheit ihrer Stadt bewusst und erlebbar machen. Die Schaukäserei wird auch zu einem Touristenmagnet werden und die Stadt um eine Attraktion reicher machen.

Hans Dzieran

Veröffentlicht am 06.07.2011
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