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Unaufhaltsam

Historiker Wagner erforscht Ostpreußen
Beim 4. Deutsch-Russischen Forum der LO 2011 in Nürnberg: Wulf D. Wagner referiert über das Königsberger Schloss. Bild: MRK

Der Berliner Architekt Wulf D. Wagner ist Autor zahlreicher Bücher über die Geschichte ostpreußischer Güter und Schlösser. Einen Schwerpunkt seiner Arbeit bildet eine zweibändige Bau- und Kulturgeschichte des Königsberger Schlosses, das Wagner als „Ort geistesgeschichtlicher Begegnungen“ bezeichnet. Über seine Arbeit sprach der prämierte Historiker mit der PAZ:

PAZ: Schon als Schüler haben Sie mit Forschungen zu ostpreußischen Bauernhöfen und Gutshäusern begonnen. Ihnen lag „das Wissen, um das was war“ am Herzen. Was hat Sie getrieben, sich mit diesem für junge Menschen doch ungewöhnlichen Thema zu befassen?
Wagner: Eindeutig meine Liebe zu alten Gebäuden. Ich wusste schon als Kind, dass ich Architekt werden wollte. Mein Interesse vor allem an Schlössern und Burgen ließ mich durch Zufall Carl von Lorcks Buch über die ostpreußischen Gutshäuser entdecken und damit war meine Liebe zu diesem Land – von dem ich so gut wie nichts wusste – schon als Schüler geweckt. Ostpreußische Vorfahren habe ich keine. Es dauerte noch eine Weile, bis ich verstand, das Architektur und Geschichte zusammengehören, ich mich also auch in Letztere vertiefen musste.

PAZ: Neben den ostpreußischen Gutshöfen und ihrer Diplomarbeit zum Wiederaufbau der Dominsel in Königsberg ist es in den vergangenen Jahren vor allem das Königsberger Schloss gewesen, mit dem Sie sich eingehend befasst haben. Was bewegte Sie, sich mit einem Gebäude zu beschäftigen, das es seit Jahrzehnten nicht mehr gibt?
Wagner: Auch hier kann ich bis in meine Schulzeit zurückgehen: Die Zerstörung unserer Städte und damit des – für mich – wesentlichen Bestandteils unserer Kultur hat mich von jeher mit unaussprechbarer Trauer berührt. Bis heute kreist mein Denken um diese Verluste. Als ich ein erstes Bild vom Königsberger Schloss sah, hat es mich gleich fasziniert. Mein Buch zum Schloss ist ein gedanklicher Wiederaufbau dieses zwar nicht besonders schönen, aber geschichtlich herausragenden Bauwerks. Mein Buch endet nicht von ungefähr mit Gedanken zu einem Wiederaufbau.

PAZ: Gab es bei Ihren Forschungen zur ostpreußischen Baugeschichte besondere Hindernisse zu überwinden, bedenkt man, dass Sie über Grenzen hinweg arbeiten müssen oder viele Unterlagen im Krieg vernichtet wurden?
Wagner: Es gab Hindernisse, aber wer mich kennt weiß, dass mich diese nicht bremsen. Meine Arbeit begann laienhaft, meine vielen Fragen stießen auf Ablehnung einzelner ostpreußischer Familien, andere jedoch haben mit Begeisterung mit mir zusammengearbeitet. So ist mein großes Archiv zu ostpreußischen Gütern angewachsen. Vieles davon wäre heute nicht mehr zu erfragen.
Ich habe zwar Kontakte nach Polen, Russland und Litauen, aber ich befasse mich mit der Zeit vor 1945, dazu liegen die Quellen bei den Ostpreußen oder vor allem im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin.
Die archivalischen Verluste sind bei den Gutsarchiven gewaltig, aber das umfangreiche Königsberger Staatsarchiv ist gerettet und heute im genannten Archiv in Berlin, da kann ich noch Jahrzehnte forschen.
Anfangs war mein Thema völlig unzeitgemäß, doch nach 1990 hat sich dies geändert. Dass ich für manchen studierten Historiker als Architekt dennoch ein Außenseiter bleibe, interessiert mich ebensowenig wie „vorgeschriebene“ Sichtweisen auf unsere Geschichte oder zum Beispiel die Gutsbesitzerschicht. Durch ältere Ostpreußen habe ich gelernt, den Blick stets weit und offen zu halten. Dies setzt ständiges Lesen voraus, um verschiedene Sichtweisen kennenzulernen und so hoffentlich Einseitigkeiten zu vermeiden; seit einiger Zeit lerne ich zum Beispiel Italienisch, auch um mir die wichtige Literatur zu Architektur und Geschichte zu erschließen.
Meine Arbeit befasst sich mit einer großartigen Kulturlandschaft, und man kann – so hoffe ich – von meiner Begeisterung für Ostpreußen angesteckt werden, egal welche politischen oder sozialen Ansichten man ansonsten vertritt.

PAZ: Der erste Band über die Bau- und Kulturgeschichte des Schlosses von 1255 bis 1740 ist 2008 erschienen, der zweite 2011. Hier beschreiben Sie das Schick-sal des Schlosses bis ins 20. Jahrhundert. Sind damit Ihre Königsberger Forschungen abgeschlossen?
Wagner: Gewiss nicht. Mittlerweile sind weitere Aufsätze erschienen und ich lege seit Jahren eine Sammlung für eine Stadtbaugeschichte Königsbergs an. Wann dieses Projekt konkreter umgesetzt wird, vermag ich nicht zu sagen, aber einmal werde ich es machen. Vorher habe ich andere Aufgaben: Mein Truntlack-Buch, die sicherlich erste umfassende preußische Gutschronik, ist gerade erschienen, ein dritter Band dazu in Planung (eine Kirchenbuchauswertung zu den Untertanen). Mein größtes Projekt wird ein Handbuch der ostpreußischen Güter werden, von dem ich hoffe, alsbald einen ersten Band für das Samland vorlegen zu können.

Veröffentlicht am 23.07.2014
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