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Ort der Andacht, Ort des Anpackens

Kaum zu finden und völlig zugewuchert: Der Friedhof von Langenwalde. Dann kamen über 30 freiwillige Helfer ...
Andächtiger Moment: Pfarrer Alfred Borski (zweiter v. re.) weiht den gesäuberten Friedhof. Bild: Hahnkamp

Am Anfang stand ein Gottesdienst in der evangelisch-augsburgischen Kirche in Ortelsburg auf dem Programm. Die Teilnehmer waren zum Teil etwas müde nach der nächtlichen Anfahrt durch die Gewitter in Brandenburg, doch die gemeinsame Lagebesprechung beim Kirchenkaffee ließ sich niemand nehmen. Das Ziel der Fahrt vom 6. bis 11. Juli war allen gleich wichtig: Die Säuberung und Instandsetzung des evangelischen Friedhofs in Langenwalde.
Es war für einige nicht das erste Mal, dass sie einen Friedhof wieder zu einem gepflegten und angemessenen Aussehen verhalfen. Arkadiusz Leska, der Vorsitzende von „Heimat“, der Kulturgesellschaft der Deutschen Minderheit in Ortelsburg, datiert die Anfänge des Projekts auf ein gemeinsames Seminar vor drei Jahren. „Damals in Bad Pyrmont haben wir nach Ideen gesucht, wie wir die jüngeren Generationen aktivieren können. Die Idee mit den Friedhöfen kam gut an.“
Bei Gregor Gonsowski vom Ortelsburger Dialogkreis etwa. Der Dialogkreis besteht aus Mitgliedern der jungen und mittleren Generation. Es sind Nachkommen von Ortelsburgern oder Freunde des Heimatkreises. Sie haben es sich unter anderem zum Ziel gemacht, das kulturelle Leben unserer Vorfahren aus dem Kreis Ortelsburg zu bewahren. Gonsowski erläutert wie es weiter ging: „In der Gruppe haben wir uns aber als erstes für den Friedhof in Groß Dankheim entschieden.“
Während der Dialogkreis dieses Teilprojekt eher im organisatorischen Alleingang durchführte, setzte er bereits bei der zweiten Friedhofssäuberung in Montwitz auf Kooperation, wie Gregor Gonsowski betont: „Wir wollten das gemeinsam mit der Gesellschaft „Heimat“ und vor allem mit der örtlichen Bevölkerung machen.“
 In Montwitz war der Kontakt mit politischen Entscheidern und Verwaltung im Vorfeld sehr wichtig, denn nach einer Spendensammlung unter den ehemaligen Einwohnern wurde auf dem Friedhof eine Gedenktafel angebracht.
Damals wie auch in diesem Jahr dabei war der jüngste Teilnehmer der Gruppe aus Deutschland, Arndt Bialobrzeski. Sein Vater stammt aus Montwitz, die Mutter aus dem drei Kilometer entfernten Zaręby. Während beide Orte heute in der Woiewodschaft Masowien liegen, verlief noch vor dem Zweiten Weltkrieg genau zwischen ihnen die deutsch-polnische Grenze. „Solche Dinge, die ich auf der Suche nach meinen Wurzeln herausfinde, sind für mich sehr interessant. Aber erst, seit mein Patenonkel Gregor mich zu einem Seminar mitgenommen hat“, gibt Arndt Bialobrzeski zu, „wichtig ist mir aber auch, diesen Orten hier wieder zumindest ein wenig Leben einzuhauchen.“
Auch bei der Wahl des dritten Friedhofs spielten solche persönlichen Bindungen eine Rolle. „Die Familie meines Mannes kommt aus Langenwalde“, sagt Renate Upretzka, „wir waren schon öfter hier und auch ein, zwei Male auf dem Friedhof.“ Kein einfaches Unterfangen, wie sie sich erinnert: „Zum einen ist er nicht einfach zu finden, man muss fast bis zum nächsten Dörfchen Wildheide fahren. Zum anderen war er bis auf ein paar relativ gut erhaltene Grabsteine beinahe zugewachsen.“
Um das zu ändern, arbeiteten in Langenwalde knapp 20 aus Deutschland angereiste Teilnehmer des Ortelsburger Dialogkreises, etwa zehn Personen aus der Gesellschaft „Heimat“, und einige Einheimische zusammen. Dank der in der Vorbereitung geknüpften Kontakte hatten einige Mitglieder der örtlichen Feuerwehr mit dem Ortsvorstehen von Langenwalde Andrzej Bełci-kowski an der Spitze auf dem etwa 300 mal 300 Meter großen Friedhofsgrundstück die größten Bäume bereits entfernt und packten auch weiterhin kräftig mit an.
Auch Alicja Kołakowska, die Bürgermeisterin der Gemeinde Altkirchen, zu der Langenwalde verwaltungstechnisch gehört, schaute bei den Rodungsarbeiten vorbei und versprach, hinterher für eine Umzäunung des Geländes zu sorgen. Das freut Helmut Erlebach aus Waltrop, der dafür zusätzlich Spenden sammeln und im kommenden Jahr den Zaun mit errichten möchte: „Wir haben unter anderem einen Grabstein aus dem Brunnen des Friedhofs holen müssen. Diese Zerstörung ist vermutlich in den 80er Jahren passiert und soll sich nicht wiederholen.“
Der auf diesem Stein zu entziffernde Name „Blasey“ fand sich auf einem Ortsplan mit Namen, den ein Einwohner Langenwaldes 1946 aus dem Gedächtnis erstellt hatte, und den die Teilnehmer als Hilfe bei kniffligen Namen nutzten. Auch Helmut Erlebach, der hier Vorfahren namens Schulz hat, prüfte jeden Grabstein, der unter dem verschwindenden Grün der jungen Bäume und Farne auftauchte. Unter anderem entstand bei der Namenssuche ein erster Plan des frei gelegten Friedhofsgeländes.
Nach Abschluss der Arbeiten wurde der Friedhof in einer kurzen Andacht vom örtlichen katholischen Geistlichen und dem Pfarrer der evangelisch-augsburgischen Kirche in Ortelsburg Alfred Borski neu eingeweiht. Auf die Teilnehmer des Projekts wartete nach diesem positiven Ausklang eine wohlverdiente  Zeit der Entspannung – und im kommenden Jahr der nächste Friedhof.
Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 01.08.2015
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