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Anhänger von Lügengeschichten

In Königsberg wird der Baron gleich nach Kant und E.T.A. Hoffmann genannt
Beliebtes Fotomotiv: Im Park Luisenwahl in der Nähe der Luisenkirche können Besucher sich als Münchhausen beim Ritt auf der Kanonenkugel versuchen Foto: J.T.

Von Jurij Tschernyschew

Die Stadt Königsberg wird häufig mit den Namen Immanuel Kant und E.T.A. Hoffmann assoziiert. Jedoch gibt es noch eine weitere deutsche Persönlichkeit, die in der Stadt wohlbekannt und beliebt ist: Baron von Münchhausen. Am 11. Mai gedachte man in der Stadt seines 300. Geburtstags.
Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, Rittmeister der Russischen Armee, bekannt als der talentierte Erzähler von Lügengeschichten, wurde 1720 im niedersächsischen Bodenwerder geboren. Viele Jahre seines Lebens und seiner Dienstzeit – zwölf Jahre – sind mit Russland verbunden. Gegenwärtig gibt es im Königsberger Gebiet viele Orte, die auf die eine oder andere Weise mit dieser herausragenden Persönlichkeit verbunden sind. Und dies, obwohl Münchhausen Königsberg nur zweimal besuchte und beide Male nur auf der Durchreise, zuerst auf dem Weg nach Russland und dann zurück in seine Heimat.
Nur zwei Mal kurz zu Gast
Anfang der 2000er Jahre entstand im Königsberger Gebiet sogar eine Gesellschaft von Bewunderern des Barons und seiner fantastischen Abenteuer, die sich „Enkel Münchhausens“ nannte. Deshalb betrachten die Königsberger den Baron auch gerne als ihren Helden.
Baron von Münchhausen wird bei Stadtführungen oft erwähnt. Reiseführer erwähnen gerne das sogenannte Münchhausenhaus, ein schönes gotisches Haus neben der Hohen Brücke. Der echte Baron kann darin gar nicht gewohnt haben, da dieses Gebäude erst 1900 in Königsberg entstand, aber diese Kleinigkeiten interessieren niemanden. Nicht weit von diesem Haus, in der Nähe des modernen Fischdorfes, hatte der Legende nach der Ordinarius von Baron von Münchausen einmal in der örtlichen Kneipe zu viel getrunken und einen der Stiefel verloren, die ihm der Baron geschenkt hatte. Und erst in unserer Zeit soll es diesem Stiefel gelungen sein, vom Boden des Pregel in recht gutem Zustand wieder aufzutauchen.
Dieser „Fund“ inspirierte den Königsberger Bildhauer Maxim Grinjewskij zu einem Denkmal, das aus einem bronzenen Stiefel und einem Schwert besteht. Die ursprüngliche Idee des Künstlers war, dass jeder diesen Stiefel anprobieren möge und sich am Schwertgriff festhaltend schwöre, nie wieder zu lügen. Die Skulptur wurde 2011 im Fischdorf aufgestellt
Der bronzene Stiefel stand mehrere Jahre lang am Pregelufer, verschwand dann aber auf mysteriöse Weise und tauchte am Friedrichsburger Tor wieder auf.
Mitarbeiter des Ozeanmuseums, als dessen Filiale das Friedrichsburger Tor geführt wird, erklärten dieses Ereignis damit, dass es eine Version gebe, nach der Baron von Münchausen seinen berühmten Ritt auf der Kanonenkugel zum Mond nicht irgendwo, sondern in der Festung Fried-richsburg geprobt habe. Doch bei diesem Mal gelang es ihm nur, auf der Kugel bis nach St. Petersburg zu fliegen. Während dieser Reise glitt ihm einer der Stiefel von den Füßen und landete in der Nähe der Festung Friedrichsburg. Daher wurde es von vielen als historisch richtig angesehen, das Stiefeldenkmal hierher zu bringen.
Geschenk aus Bodenwerder

Aber das vielleicht berühmteste Denkmal, das die Großtat von Münchhausen verewigt, erhielt Königsberg anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt. Die Landsleute des Barons schenkten der Stadt zu Ehren dieses Datums ein originelles Denkmal. Es befindet sich im Park Luisenwahl in der Nähe der Luisenkirche. Es besteht aus einer Metallplatte, in die Münchhausens Silhouette bei seinem Ritt auf der Kanonenkugel ausgestanzt wurde. Die ungewöhnliche Komposition ist bei den Parkbesuchern äußerst beliebt und ermöglicht ihnen, sich in der Silhouette des Lügenbarons fotografieren zu lassen. Die Skulptur ist eine Arbeit des  Bodenwerder Kunstschmieds Georg Petau.

Veröffentlicht am 27.05.2020
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