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Auf den Spuren von Johann Larass

LO-Frühlingsseminar: Teilnehmer besuchten Herrenhäuser und Parks des wichtigsten Landschaftsarchitekten Ostpreußens
Gut erhaltenes Kleinod: Teilnehmer des Frühlingsseminars besuchten Schloss Karnitten Bild: U.H.

Beim diesjährigen Frühlingsseminar für die mittlere Generation der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen, das Edyta Gładkowska, die Vertreterin der Landmannschaft Ostpreußen (LO) in Allenstein, organisiert hatte, besichtigten die Teilnehmer wieder mehrere Gutshäuser der Region.

Die Teilnehmer gerieten bei der Besichtigung regionaler Herrenhäuser in den schattigen Untergrund, aber auch auf sonnige Paradetreppen. Schwerpunkt der Veranstaltung am ersten April-Wochenende war eine Weiterbildung zu den Vereinen der Deutschen Minderheit als Nichtregierungs-organisationen (NGO) und eine Einführung in die Arbeit des Landschaftsarchitekten Johann Larass.
Es war bereits das fünfte Frühlingsseminar. Zielgruppe ist die mittlere Generation von 25 bis etwa 65 Jahren, für die bei den Gesellschaften der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen extra auf sie zugeschnittene Veranstaltungen organisiert werden. Zum einen geht es um die Förderung von Kontakten und die Weiterbildung der Teilnehmer, zum anderen um die Präsentation der Gutshäuser als besonderer Ausdruck der Kultur der jeweiligen Teilregion im südlichen Ostpreußen.
Zu diesen Gutshäusern im Oberland im Großraum Osterode gehört auch das Schloss Karnitten, in dem das Seminar stattfand. Der jetzige Bau stammt aus dem
19. Jahrhundert und dient heute als Hotel. Bei der Revitalisierung des Geländes wurde auch ein Eiskeller wiederentdeckt, in dem mithilfe von in Stroh gelagerten Eisblöcken im Sommer Lebensmittel gekühlt wurden. Von der Weitläufigkeit des Schlossgeländes und seiner malerischen Lage am fast kreisrunden Kesselsee konnten sich die Teilnehmer des Seminars auf einer Führung durch Heinrich Hoch, den Vorsitzenden des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, überzeugen, der in Karnitten für Reisegruppen begleitet.
Hoch übernahm auch ein Referat über die Zukunft der Deutschen Minderheit am ersten Tag des Seminars, aus dem sich eine rege Diskussion über mögliche Impulse vor allem in der Jugendarbeit entwickelte. Die organisatorischen Grundlagen für solche Ideen präsentierte Anna Czajkowska von der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode, die sich mit der Rolle von Nicht-Regierungs-Organisationen beschäftigt. Sie zeigte den Teilnehmern, was eine NGO ist, welche Rolle sie in der Gesellschaft spielt und wie sie sich finanzieren kann. Dieses neue Wissen vertieften die Mitglieder der mittleren Generation im Rahmen einer Gruppenarbeit zur Gestaltung von Projekten, die ihnen auch im Alltag weiterhelfen wird. Zur verdienten Entspannung präsentierte Gładkowska ihnen eine Vorschau auf die Gutshäuser, die bei der Rundfahrt am Sonntag auf dem Programm standen.
Gestartet wurde am nächsten Tag nicht gleich mit der Rundfahrt, sondern mit einem Referat zu einem der wichtigsten Landschaftsarchitekten Ostpreußens im
19. Jahrhundert. Johann Larass aus Bromberg gestaltete in 40 Berufsjahren über 400 größere und kleine Parks. Über seine kreative Einstellung zur Landschaft und seine akribische Arbeitsweise bei der Gestaltung der Pläne und ihrer Umsetzung erzählte die Landschaftsarchitektin Marta Akincza von der Ermländisch-Masurischen Universität. Von der Kraft der Visionen von Johann Larass konnten sich die Teilnehmer im Park des Gutes der Familie von Rose in Döhlau in den Kernsdorfer Höhen südlich von Osterode überzeugen. Trotz 70 Jahren Vernachlässigung können Besucher die spielerischen Ideen hinter der Gestaltung in der Landschaft noch nachvollziehen. Durch das Dunkel eines Tunnels unter dem Zufahrtsweg zum Gut etwa gelangen sie in die Helle des zweiten Parkteils mit dem Teich.  
Vom Gut selber ist nicht mehr viel erhalten, das Hauptgebäude wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört. Im Gegensatz dazu prunkt das Herrenhaus in Groß Pötzdorf mit einem hervorragenden Zustand und einem luxuriösen Inneren. Hier haben Investoren ein Hotel neben einem weitläufigen Reitsportgelände eingerichtet.
Eine ähnliche Nachnutzung, wenn auch in einer anderen Größenordnung, hat der Gutshof in Kraplau erfahren. Seine jetzigen Besitzer haben dort eine gediegene Wirtschaft eingerichtet, in der unter anderem das Treppenhaus und der Konferenzsaal deutlich an den einstigen Glanz erinnern. Von einer heutigen Nutzung kann das Herrenhaus in Schildeck dagegen nur träumen. Doch selbst im jetzigen Zustand von Park und Gebäude kann man erkennen, wie das Gut in seinen besten Zeiten ausgesehen haben muss.
Während hier die ordnende Hand in diesem Park eher zu erahnen ist, kann man das bei der Gartenanlage des Gutshauses in Warglitten genau erkennen. Als Höhepunkt an den Abschluss der Rundfahrt hatte Gładkowska dieses sehr gut renovierte und zum Hotel umgestaltete Gebäude gesetzt. Die Eigentümer haben sich aber auch des von Larass gestalteten Parks angenommen und ihn mit der fachlichen Unterstützung von Akincza wiederbelebt. Dabei haben alle Beteiligten eine Liebe zum Detail bewiesen, die schon Larass auszeichnete. Entstanden ist dadurch ein gelungenes Ensemble von Gebäude und Park, wie es auch den ursprünglichen Besitzern im 19. Jahrhundert vorgeschwebt haben mag.
Die Teilnehmer bedankten sich bei Gładkowska für die Organisation der Veranstaltung und bei der Landsmannschaft Ostpreußen für die Finanzierung des Frühlingsseminars.    
    Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 02.05.2019
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