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»Deutsche vergessen ihre Geschichte«

Auftaktveranstaltung zur Ausstellung „Backsteinarchitektur im Ostseeraum“ im Kulturzentrum Ostpreußen
Professor Matthias Müller (li.) bei der Einführung in die Ausstellung. Daneben (v.l.): Klaus Weber vom Deutschen Orden, Christian Knauer, BdV-Vizepräsident, und Wolfgang Freiberg, Direktor des Kulturzentrums Ostpreußen Bild: Fritsche

Roter Backstein – diesen Anblick verbindet der Betrachter mit Kirchen und öffentlichen Bauwerken in vielen Orten an der Ostsee. Mehr noch: Die Backsteinarchitektur ist ein wesentlicher Bestandteil der kulturellen Identität der Region und ein großer touristischer Anziehungspunkt.
Eine Ausstellung im Kulturzentrum Ostpreußen im bayerischen Ellingen widmet sich diesem Thema. Erarbeitet von der Bonner Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen und mit Hilfe renommierter Fachwissenschaftler soll „Back-steinarchitektur im Ostseeraum“ Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse aus der Archäologie und Architekturgeschichte bieten.
Welche Bedeutung Gebäude wie die Marienkirche zu Kalundburg auf Seeland in Dänemark, die Bischofsburg im ermländischen Rößel und natürlich die Marienburg haben, wurde auch bei der begleitenden Veranstaltung zur Ausstellung deutlich. Der für die wissenschaftliche Projektleitung verantwortliche Professor Matthias Müller vom Institut für Kunstgeschichte der Universität Mainz berichtete, wie der seit dem Mittelalter bekannte Backstein damals den überall vorhandenen Feldstein ablöste. Dies könne bei Anbauten an alten Kirchen und bei Ausbesserungsarbeiten deutlich erkannt werden. Nicht nur die Bischöfe, auch die Städte zeigten ihren Reichtum und verwendeten bei öffentlichen Bauten Backsteine. Seit dem 19. Jahrhundert wurde dieser durch verbesserte Herstellungsverfahren „billig“ und in der Folge für Wohn- und Geschäftshäuser verwendet.
Karl Friedrich Schinkel, preußischer Baumeister und als Leiter der Oberbaudeputation für fast alle staatlichen Bauvorhaben des Königreiches Preußen zuständig, sorgte nach Müllers Worten als Architekt für die Restaurierung zahlreicher alter Gebäude mit Backsteinen, die heute in dieser Schönheit nicht mehr vorhanden wären. Diesen Stil setzte Schinkel zudem bei seinen zahlreichen Neubauten für Staat und Kirche ein.
Müllers abschließendes, zwiespältiges Fazit zum aktuellen Stand der Forschung: „Die jungen polnischen Wissenschaftler identifizieren sich mit der deutschen Geschichte ihres Landes, die Deutschen vergessen sie!“
In seinem weiteren Vortrag berichtete Müller dann über das Leben Caspar David Friedrichs und dessen Verbindung mit der Backsteinarchitektur. An verschiedenen Werken zeigte Müller, wie der große Maler die verschiedenen Facetten der Backsteinarchitektur darstellte.
Auch Christian Knauer, Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen, sprach in seinem Grußwort die Problematik des Vergessens an. „Die Erlebnisgeneration wird immer kleiner und die Deutschen kennen ihre Herkunft nicht mehr“, unterstrich er. So habe rund ein Drittel der deutschen Bevölkerung Vorfahren aus Schlesien, Ostpreußen oder Pommern. Jedoch würde ein Großteil der heutigen jungen Generation nicht mehr wissen, wo Großvater oder Großmutter geboren sind. Darüber hinaus bedauerte der BdV-Vizepräsident den Zustand der einst blühenden Landschaften in der heutigen russischen Region Königsberg. Die Kirchen sind zerstört oder eingestürzt, die landwirtschaftlichen Flächen liegen brach. Die über Jahrhunderte durchgeführten Kultivierungsmaßnahmen der ehemals deutschen Bevölkerung seien verfallen.
Immerhin: Die Erforschung des südlichen Ostseeraums als hochrangige europäische Kulturlandschaft mache nicht mehr an nationalen Grenzen halt, sondern erweise sich zwischen Deutschland, Schweden, Polen und dem Baltikum als ein völkerverbindendes Bemühen, betonte Hans-Günther Parplies, der Vorsitzende der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen.     Manfred E. Fritsche
Die Ausstellung ist noch bis zum 31. August täglich außer montags von 10 bis 12 Uhr und von 13 bis 17 Uhr zu besichtigen. Weitere Informationen: Kulturzentrum Ostpreußen, Schloßstraße 9, 91792 Ellingen, Telefon (09141) 86440,
Internet: www.kulturzentrum-ostpreussen.de

Veröffentlicht am 06.08.2015
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