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Der »Ikarus von Ostpreußen« hielt alle Rekorde

Ferdinand Schulz war nicht nur Segelflugpionier, sondern auch ein ausgezeichneter Lehrer – Vor 90 Jahren stürzte er in Pommern ab
Fröhlich: Ferdinand Schulz Bild: Archiv Dvoretski

Seit dem Tod des herausragenden deutschen Fliegers Ferdinand Schulz, der zu Lebzeiten „Ikarus von Ostpreußen“ genannt wurde, am 16. Juni 1929 sind bereits über 90 Jahre vergangen.
Auf einem fröhlichen, sonnigen Schnappschuss sind vier lächelnde Personen zu sehen: der Pilot in einer Lederjacke und drei Kinder in identischen Mänteln, offensichtlich Brüder (siehe Bild). Die Aufnahme wurde im Frühjahr 1926 auf dem Gelände der Fliegerschule in den Dünen des Dorfs Rossitten auf der Kurischen Nehrung aufgenommen.
Wer war er, dieser offensichtlich selbstbewusste Flieger (der berühmte deutsche Fotograf Fritz Krauskopf, der das Foto aufnahm, wusste, wie man den Charakter einer Person erfasst) mit den Händen in den Taschen, der dennoch so wirkt, als ob die Kinder bei ihm unter zuverlässigem Schutz stehen? Sein Name brach wie ein Donner in den 1920er Jahren über die Welt der Luftfahrt ein – Ferdinand Schulz. Nur 37 Jahre weilte der „Ikarus von Ostpreußen“ genannte Mann auf der Erde. Schulz war ein Pionier des deutschen Segelflugsports, ein talentierter Autodidakt, ein Pilot und Mentor späterer Flug-Asse.
Er stellte mehrere Weltrekorde in dieser jungen Sportart auf, und einige seiner besten Leistungen waren insbesondere der längste Verbleib in der Luft (zwölf Stunden und sechs Minuten) und die größte Höhe (435 Meter), die er im Oktober 1925 in Koktebel bei der dritten Meisterschaft der UdSSR im Segelflugsport erreichte. Als Preis wurde dem deutschen Rekordmann eine Lenin-Büste überreicht.
Dann kamen sieben deutsche Sportler auf die Krim, um außer Konkurrenz mit ihren Segelflugzeugen an einem Wettkampf teilzunehmen. Interessant ist, dass einige Monate vor dieser All-Unions-Meisterschaft eine Gruppe sowjetischer Segelflugsportler zu Wettbewerben nach Deutschland kam und ihre deutschen Kollegen zu einem Gegenbesuch einluden.
Schaut man sich das Bild genauer an, sind die ersten Buchstaben des Wortes „Westpreußen“  sichtbar. Schulz erlangte auf dem Fluggerät Weltrekorde im Gleitflug. Bis 1927 hielt er alle Weltrekorde in diesem Sport. Das Schicksal ist oft unfair gegenüber mutigen Pionieren, ob zu Land, zu Wasser oder in der Luft: Mehrere Jahre vergingen, bis der Ikarus von Ostpreußen zum letzten Flug abhob. Am 16. Juni 1929 stürzte er in Pommern über der Stadt Stuhm ab.
Fast 70 Jahre später, 1998, sammelten Bewohner Niddens auf der Kurischen Nehrung, Nachfahren von Segelboot-Fischern, Geld für ein Denkmal für drei tapfere Segelpiloten, unter denen in erster Linie der Name Ferdinand Schulz zu nennen ist. Alle drei beflogen den Himmel über Nidden.
Nach dem Versailler Vertrag von 1919 durfte Deutschland keine Motorflugzeuge mehr bauen. Doch der Nachwuchs musste ja irgendwo lernen zu fliegen und so bot sich als Ausweg der Segelflug an.
Die Umgebung in der Nähe von Rossitten erwies sich als gewinnbringend – sandige Weiten und warme aufsteigende Luftströmungen sowie eine sichere Startrampe auf dem Schwarzen Berg boten ideale Voraussetzungen. Die Segelflugschule, einen Kilometer vom Dorf entfernt, nahm 1924 die ersten Schüler auf, und in 20 Jahren erhielten hier etwa 20000 Menschen ihre Eintrittskarte in den Himmel.
Schulz war nicht nur als talentierter Mensch im Himmel, sondern auch auf Erden: Er stammte aus einer Lehrerfamilie und erwies sich selbst als guter Lehrer. Jeder Absolvent war ihm für eine „Reise in den Himmel“ dankbar. Die besten Schüler waren bereits ein Jahr später so gut ausgebildet, dass sie das Glück hatten, ins Ausland nach Sowjetrussland zu reisen. Es ist nicht bekannt, wie Schulz’ Schüler dort auftraten, aber der Lehrer selbst war mehr als erfolgreich: Die Chronik der Koktebel-Piloten bewahrt für immer Zeilen über die Weltrekorde auf, die hier aufgestellt wurden.
Die Menschen, die ihn kannten, sagten, dass der „eiserne“ Charakter Schulz in Wirklichkeit eine sanfte und freundliche Person gewesen sei, die sogar, während sie die jungen Leute unterrichtete, lächelte.
    Evgeny Dvoretski

Veröffentlicht am 20.09.2019
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Kommentare

Bertram Graw:
24. September 2019, 21:00 Uhr

Auch wenn Stuhm heute innerhalb des polnischen Staates zur Woiwodschaft "Pommern" gehört: als Schulz dort abstürzte, gehörte die ursprünglich westpreußische Stadt zum Regierungsbezirk Westpreußen innerhalb Ostpreußens, nachdem sich die Bevölkerung in der Volksabstimmung für einen Verbleib bei Deutschland ausgesprochen hatte. Die Richtigstellung sei hier erlaubt.


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