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Devaus Zukunft ist unklar

Vor 100 Jahren plante der Architekt Hanns Hoppe den Flughafen – Architekturerbe ist in Gefahr
Fahrtraining, wo einst Flugzeuge landeten: Landebahn des Flughafens Devau Bild: J.T.

Die Geschichte Devaus begann 1919, als der bekannte Architekt Hanns Hoppe den Flughafen plante. Heute ist einer der ältesten Zivilflughäfen Europas nur noch Basis eines Sportfliegervereins und wird für Massenveranstaltungen genutzt. Die Zukunft des „Architekturerbes von regionaler Bedeutung“ ist ungewiss.

Der Name des Architekten Hanns Hoppe steht für eine ganze Reihe ziviler Bauwerke in Königsberg. Einen Namen machte er sich unter anderem mit dem Haus der Technik, Villen im respektablen Stadtteil Amalienau und dem Gebäude, in dem die Stadtverwaltung untergebracht ist.
Das Flughafenterminal in Devau war mit einer in damaliger Zeit modernen stationären Wetterstation ausgestattet. Das Flughafengebäude selbst befand sich zwischen den Hangars. Es existiert heute nicht mehr. In der Nähe der Landebahn befinden sich lediglich noch die Überreste eines Nebengebäudes mit dem Kontrollturm.
Die Geschichte des Königsberger Flughafens ist eng mit Russland und der Entwicklung der sowjetischen zivilen Fliegerei verbunden. 1921 unterzeichneten Sowjetrussland und Deutschland eine Vereinbarung über die Gründung einer gemeinsamen Fluggesellschaft, der „Deruluft“. Zu dieser Zeit gab es keine schnelle Zugverbindung zwischen Berlin und Moskau, und ein Teil verlief über polnisches Territorium. Zu Polen hatten die Sowjets nach dem sowjetisch-polnischen Krieg von 1919 bis 1921 nicht die besten Beziehungen. Deshalb war es nicht ungefährlich, geheime Diplomatenpost per Bahn zu befördern. Die Fluglinie der „Deruluft“ bot eine aussichtsreiche Alternative.
Die Fluggesellschaft hatte zwei Direktoren, jeweils einen deutschen und einen russischen, ebenso wie eine gemischte Zusammenstellung der Piloten. Am 1. Mai 1922 wurde die erste internationale Passagierflugline von Moskau nach Königsberg eröffnet. 1925 wurde sie bis Berlin verlängert. Die Einführung von regulären Nachtflügen hat die Reisezeit erheblich reduziert, sodass der Flug von Moskau in die deutsche Hauptstadt etwa zehn Stunden betrug.
Die Strecke zwischen den Städten wurde nicht das ganze Jahr über bedient:  Im Winter wurde sie eingestellt, weil es zu dieser Zeit in Moskau oft heftige Schneefälle gab und der Start des Flugzeugs nur mit anmontierten Kufen möglich war. Dagegen gab es in Königsberg und Berlin nur wenig Schnee und die Landung mit Kufen statt Rädern erwies sich als äußerst mühsam.
Der Preis für einen Flug betrug 160 Mark oder 74 sowjetische Rubel, was damals nicht gerade günstig war – die Summe entsprach der Hälfte des Monatseinkommens eines russischen Ingenieurs.
1936, als die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sich verschlechterten, verweigerte die UdSSR die Verlängerung des Konzessionsvertrags mit Deutschland und der „Deruluft“, und so endete zunächst die Existenz der Fluggesellschaft, an der namhafte Firmen wie die Hapag, AEG und Luftschiffbau Zeppelin beteiligt waren. Doch das bedeutete nicht das Ende des Flughafens Devau. Er diente als Militär- und Zivilflughafen. Während des Zweiten Weltkriegs litten die Gebäude schwer. Doch dank der Wiederaufbauarbeiten gab es bald wieder eine Flugverbindung Moskau–Königsberg–Berlin. Bis Ende der 60er Jahre hoben  von Devau Flugzeuge in die baltischen Staaten ab.
Bald entsprach die Ausrüstung des Flugplatzes allerdings nicht mehr den modernen Anforderungen für Langstreckenflüge. Nach dem Bau des neuen Flughafens „Chrabrowo“ in Powunden wurde Devau für landwirtschaftliche Transportflüge verwendet und zur Basis eines regionalen Sportflugvereins.
Im Jahr 1992 wurde der Flughafen unter Schutz gestellt als „Architekturdenkmal von regionaler Bedeutung“. Als auf dem Gelände 1998 Wohnhäuser gebaut werden sollten, machte die Bevölkerung Druck auf die Behörden, und das Bauvorhaben wurde gestoppt. Ähnliche Bebauungsversuche gab es auch danach immer wieder. Laut den Entwürfen des Generalplans für die Erschließung des Territoriums der Stadt Königsberg soll das Gelände des Flughafens Devau den Status einer Erholungsanlage behalten. Nichtsdestotrotz befinden sich Wohnhäuser jetzt dicht an der Startbahn des ehemaligen Flugplatzes, und neue Häuser und Straßen entstehen im geschützten Bereich des Architekturdenkmals.
Seit einigen Jahren wird das Gelände des alten Flughafens zusätzlich für Rockkonzerte und ähnliche Massenveranstaltungen genutzt. Darüber hinaus wird die Lande-bahn häufig von Fahrschulen zum Geschicklichkeitstraining ihrer Schüler genutzt.
Es gab auch Pläne, auf dem ehemaligen Flughafengelände ein Museum zur Geschichte der Luftfahrt zu eröffnen, die aber nie umgesetzt wurden. Wie sich der Flughafen weiterentwickelt oder was davon noch übrig bleiben wird, ist unklar.
     Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 10.04.2019
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