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Ehrung eines standhaften Ermländers

Zum 50. Todestag: In Allenstein wurde ein Gedenkstein für den Geistlichen Adalbert Zink eingeweiht
Am Stein für Adalbert Stifter: Herbert Monkowski (l.) und Henryk Hoch (r.) Bild: U.H.

Infulat Adalbert Zink war ein katholischer Geistlicher aus dem Ermland, der sich energisch für seine Gläubigen gleich welcher Nationalität und insbesondere für Kardinal Wyszynski eingesetzt hat. Im Garten der Gerechten in Warschau-Wola, wo Personen geehrt werden, die sich gegen Totalitarismus eingesetzt haben, gibt es für ihn einen Baum und einen Stein, in Allenstein eine Büste vor der Kathedrale. Jetzt wurde zu seinem 50. Todestag am 9. September am Pfad der ermländischen Bischöfe ein Gedenkstein eingeweiht.

Für die Erinnerung an den standhaften Ermländer macht sich seit Jahren das nach ihm benannte Adalbert-Zink-Gymnasium in Dietrichswalde stark, wo er beerdigt wurde. Es war unter anderem Antragsteller für die Ehrung im Garten der Gerechten und hat vor wenigen Jahren über ihn eine Ausstellung gestaltet. Dabei entstand sogar eine Hymne auf ihn, die bei der Weihung des Gedenksteins vorgetragen wurde. Im Rahmen der polnischen Schulreform wurde das Gymnasium aufgelöst, der Schulpatron Zink wird aber nach dem Willen des Direktors Leszek Orciuch auf die Grundschule übertragen, die er ebenfalls leitet.
Dass ihm das gelingt, dessen ist sich Herbert Monkowski, Ehrenvorsitzender der Kreisgemeinschaft Allenstein-Land und gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau Helga Stifter des Gedenksteins für Infulat Adalbert Zink, sicher. Für sie war vor allem die Ausstellung Impuls für ihre Unterstützung für Zinks Büste vor der Jakobi-Kirche und das jetzige Stiften des Steins. Dass dieser vor dem Eingang zum Pfad der ermländischen Bischöfe in Balden, auf dem vom ersten Bischof Anselm bis heute alle Bischöfe verewigt sind, und nicht auf dem Pfad selbst, findet Monkowski etwas schade. „Er war nun einmal kein geweihter Bischof, ein Bischof ohne Krone“, seufzt er, „dabei hat er in seiner Amtszeit mehr für Ermland getan als mancher Fürstbischof vor ihm.“ Für ihn war Pfarrer Zink eine Vaterfigur. Bei ihm war er Ministrant und dafür immer von Jomendorf zur Kapelle im Allensteiner Krankenhaus gelaufen ist. An ein Lied zur Frühmesse um sechs Uhr erinnert er sich noch heute: „Zu Beginn sang er gerne erst einmal mit seiner tiefen Stimme das Lied Kiedy ranne wstaja zorze (Wenn morgens die Sonne aufsteht). Dann wussten die Leute, dass es losgeht, und kamen zur Kapelle.“ Zu Ehren von Zink stimmten die Gäste der Enthüllung des Gedenksteins die erste Strophe dieses Liedes an, bevor Senior Erzbischof Edmund Piszcz die Weihung vornahm.
Zink wurde 1902 in eine schwierige Zeit der Geschichte hineingeboren. Als Vikar machte er sich für die Gemeindemitglieder stark, die Polnisch oder die ermländische Mundart sprachen, nach dem Zweiten Weltkrieg für die deutschsprachigen Einwohner des Ermlands. Einer, der das persönlich miterlebt hat, ist Henryk Hoch, der Vorsitzende des Verbands der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren, und der letzte in der Region lebende Verwandte von Adalbert Zink. „Er und mein Vater waren Cousins. Er war häufig zu Gast in der Werkstatt meines Vaters, wo sie lange diskutierten. Sie haben vielen Menschen beim Aufsetzen von Dokumenten und anderen behördlichen Problemen geholfen“, berichtete er. Durch Zinks Eintreten für die Menschen und gegen unmenschliche Systeme war er damals schon der Regierung in Warschau ein Dorn im Auge.
Als 1953 dann Kardinal Wyszynski verhaftet wurde, unterzeichnete Zink als Einziger im polnischen Episkopat nicht die Einverständniserklärung dazu. Damals war er bereits als Kapitularvikar Leiter der Verwaltung der Diözese Ermland. Für seine Weigerung wurde er damals selber für 16 Monate im berüchtigten Gefängnis Mokotów in der Rakowiecka-Straße in Warschau inhaftiert. Wie fürchterlich die Zustände dort waren, dokumentiert inzwischen das dort angesiedelte Museum für die verfluchten Soldaten und die politischen Gefangenen der Volksrepublik Polen. Wie Maria Chodyko vom Museum bei der Weihung des Steins für Infulat Adalbert Zink erklärte, ist inzwischen klar, wo er damals untergebracht war: „Das war in den untersten Zellen, wo die Gefangenen nach einem Regen bis zum Knöchel im Schlamm standen.“ Eine Ausstellung zu Adalbert Zink, aber auch anderen ermländischen Geistlichen, die unter Repressionen zu leiden hatten oder ermordet wurden, ist im Museum in Vorbereitung. Es wird also in Zukunft auch am Ort seines Leidens an ihn erinnert werden.    Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 02.10.2019
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