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Ein Faible für Münzen, Briefmarken und Postkarten

Königsbergs Stadtratvorsitzender Andrej Kropotkin gratulierte – Vor 40 Jahren wurde der Königsberger Sammler-Klub gegründet
Sie tauschten ihre Bücher „Legenden der Bernsteinregion“ und „Pobethen in alten Ansichtskarten“: Andrej Kropotkin (r.) gratuliert dem Ehrenvorsitzenden Evgeny Dvoretski (l.) Bild: privat

Am 15. April feierte der Königsberger Klub der Sammler sein 40. Jubiläum. Der Ehrenvorsitzende Evgeny Dvoretski wohnte dem feierlichen Ereignis bei, das der Stadt-ratsvorsitzende Andrej Kropotkin als herausragend für die Geschichte der Stadt bezeichnete.

Für das Jahr 1979 war die Vereinsgründung in der Tat ein beachtenswertes Ereignis,  das sich auf die gesamte Sowjetunion auswirkte. In Moskau gab es bis dahin nicht einmal eine offiziell registrierte Organisation für Philatelisten, in Königsberg dagegen hatten Münzsammler bereits einen offiziellen Status.
Es war die bleierne Bresch-new-Zeit, in der Gesellschaft  herrschte Stillstand. Überall gab es Verbote. Zum Beispiel war der An- und Verkauf von Goldmünzen eine Straftat. Es war unmöglich, antike Waffen wie Schwerter und Säbel zu sammeln. Wurde man erwischt, gab es Untersuchungen, die nicht die Polizei vornahm, sondern der KGB.
In einer solchen Atmosphäre brachte eine Vereinsgründung frischen Wind und ein wenig Freiheit für begeisterte Menschen.
35 Personen kamen zur Gründungsversammlung, die Satzung des Klubs wurde einstimmig angenommen und ein Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde der Initiator der Vereinsgründung, der damals 29-jährige Journalist Evgeny Dvoretski. Diese Funktion behielt er 19 Jahre lang, bis zum 2. April 1998, dem Zeitpunkt seiner Ausreise nach Deutschland.
Den Lesern der PAZ ist er durch Artikel über die Geschichte seines Heimatkreises bekannt. Dvoretski wurde in Tapiau geboren, diente als Soldat der russischen Armee in Tilsit und studierte an der Albertina. Gemeinsam mit seinem Sohn hat er eine Sammlung alter Ansichtskarten aus dem Kreis Fischhausen herausgegeben. Es handelt sich um die größte Postkarten-Sammlung der Halbinsel Samland. Sie hat deshalb Chancen, es ins Guinness-Buch der Rekorde zu schaffen. Der leidenschaftliche Sammler verfügt über fundierte Kenntnisse der Geschichte Ostpreußens, die er sich über Jahre angeeignet hat. In der Schule hatte Dvoretski nur Englisch gelernt und erst im Erwachsenenalter, mit fast 50 Jahren, angefangen, Deutsch zu lernen. Heute liest er historische Texte im Original, tritt mit Vorträgen im Hamburger Haus der Wissenschaftler e.V.  auf. Eine bibliografische Seltenheit sind die von ihm herausgegebenen Bücher „Gruß aus Cranz“ (2011, Mitautor Klaus Assmann) und das zweisprachige Buch „Pobethen in alten Ansichtskarten“ (2013, Mitautor Dietmar Wrage).
Heute ist Dvoretski Ehrenvorsitzender des Baltischen Vereins der Sammler – diese Bezeichnung erhielt die Gesellschaft nach der obligatorischen Neuregistrierung gemäß den neuen russischen Gesetzen.
Seit einigen Jahren treffen sich die Sammler des Königsberger Gebiets und Gäste aus anderen Städten und Ländern jeden Sonntag im kunstgeschichtlichen Museum, der ehemaligen Königsberger Stadthalle, die wie durch ein Wunder nach den Bombardierungen während des Zweiten Weltkriegs erhalten blieb. 1911 war das Gebäude nach den Entwürfen des Berliner Architekten Richard Seel errichtet und 1912 eingeweiht worden. Unter dem Dach dieses Hauses wohnt die Geschichte, und einen besseren Ort konnte der Klub für seine Treffen nicht finden. Heute treffen sich Liebhaber der verschiedensten Sammelrichtungen, die Leute kommen mit ihren Kindern, oft sogar mit Enkeln. Bei den Treffen herrscht eine freundschaftliche Atmosphäre, alle sind praktisch miteinander bekannt. Man hilft sich, Raritäten zu finden, man vertraut sich auch in finanziellen Angelegenheiten. Über Neuigkeiten informiert stets der Vorsitzende des Vereins, Sergej Mekelita. Im Laufe der Jahre wurden Dutzende Ausstellungen aus privaten Sammlungen durchgeführt, über die die Königsberger Presse und das Fernsehen berichteten. Die Autoren der Kataloge zur russischen Numismatik und Notgeld in Ostpreußen, Jaroslaw Adrianow und Wladimir Maximow, sind in Russland zu berühmten Spezialisten geworden. Beide wurden ausgezeichnet mit der selten verliehenen Medaille „Für einen herausragenden Beitrag zur Entwicklung des Sammelns in Russland“. Die Autorität der Vereinigung von Königsberg war so hoch, dass im April 1989 die konstituierende Konferenz der Allunions-Vereinigung der Numismatikerklubs in der Stadt stattfand –ein Jahr später gab es mehr als 100 städtische Klubs in fast allen Republiken der Sowjetunion.
Es gibt wohl keinen Zweifel daran, dass der Verein der Königsberger Sammler, dessen Mitgliederzahl auf 150 gestiegen ist, noch einen langen Weg mit neuen Ehrungen gehen wird.    
    Nikolaj Tcheburkin   

Veröffentlicht am 08.05.2019
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