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Erfahrungen »neuer Nachbarn« nach dem Krieg

Sensburg: Die Arbeitstagung der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen beleuchtete Erlebnisse von Deutschen und Polen
Volle Konzentration: Die Gruppenarbeit erwies sich als sehr ergiebig Bild: E.G.

Vom 13. bis 14. April hatte die Landsmannschaft Ostpreußen die Vorsitzenden und Delegierten der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen zur jährlichen Arbeitstagung ins Hotel „Anek“ in Sensburg eingeladen. Thema waren in diesem Jahr die Änderungen in der heutigen Woiwodschaft Ermland-Masuren nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.

Es ist bereits Tradition, dass die jährliche Delegiertenversammlung des Verbandes der deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM) bei der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“ in Sensburg in die Arbeitstagung für die Delegierten und Vertreter aller Vereine der Deutschen Minderheit im südlichen Ostpreußen übergeht. Als Referenten zum Thema „Neue Nachbarn – Deutsche und Polen im Ermland und in Masuren nach 1945“ konnte Organisatorin Edyta Gładkowska die Autoren der gleichnamigen Broschüre des Kulturzentrums Ostpreußen in Ellingen, Gabriela Czarkowska-Kusajda, und den Direktor des Kulturzentrums, Wolfgang Freyberg, gewinnen.
Die beiden Referenten präsentierten die zweisprachige Veröffentlichung ebenfalls auf Deutsch und Polnisch und gaben einen detaillierten Überblick über ihren Inhalt. Zu verschiedenen Themenblöcken hatten sie 15 Personen befragt und darüber hinaus im Polnischen Staatsarchiv und im Museum für Ermland und Masuren in Allenstein recherchiert. Auf den beiliegenden zwei CDs sind die Gespräche mit den Zeitzeugen für Leser und Hörer gespeichert. „Wichtig war, dass diese Personen beide Sprachen flüssig beherrschen“, so Czarkowska-Kusajda, die die Gespräche mit ihnen geführt hat, „da die Interviews jeweils komplett auf Deutsch und Polnisch waren.“ Auch die Suche nach Akten in Ordnern, die zum Teil als geheim gekennzeichnet waren, und nach Fotos im umfangreichen digitalisierten Fundus des Museums war ihre Aufgabe. Freyberg war ein Punkt besonders wichtig: „Die Dokumente, die wir ergänzend zu den Aussagen der Zeitzeugen veröffentlicht haben, sind polnische Originalakten. Was dort beschrieben ist, sind zum Beispiel damalige Anweisungen oder schriftliche Eingaben von Bürgern.“
Als Anstoß für die nachfolgende Gruppenarbeit präsentierten die Referenten Tonaufnahmen, unter anderem von Bruno Mischke aus Deuthen und Herbert Monkowski aus Allenstein. Einer der Zeitzeugen, Otto Tuschinksi von der Allensteiner Gesellschaft Deutscher Minderheit, nahm selber an der Arbeitstagung teil. Aufgabe der Gruppen war es, eigene Erfahrungen beziehungsweise im Fall der jüngeren Teilnehmer Erinnerungen der Eltern oder Großeltern über das Zusammenleben zwischen Deutschen und Polen nach 1945 zu sammeln. Als Entspannung nach der Arbeit hatten die Organisatoren der Tagung für die Teilnehmer am Sonnabend noch einen Film im Angebot – einen Ausschnitt aus der DVD-Box von Hermann Pölking „Ostpreußen – Panorama einer Provinz“. Diesmal ging es passend zum Rahmenthema um die Zeit des Zweiten Weltkriegs und den Untergang Ostpreußens.
Gastgeber in diesem Jahr war der Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen (LO), Stephan Grigat, der diese Aufgabe für den erkrankten Kreisvertreter von Ortelsburg, Dieter Chilla, übernommen hatte. Er hatte am Sonntagmorgen vor der Präsentation der Ergebnisse der Gruppenarbeiten die angenehme Aufgabe, die langjährige Vorsitzende der Bartensteiner Gesellschaft der Deutschen Minderheit, Ewa Pyszniak, für ihren Einsatz für die Minderheit und die Heimat mit der Ehrennadel der LO auszuzeichnen. Außerdem erläuterte er den Anwesenden den Ablauf der diesjährigen Bruderhilfe und lud zum Kommunalpolitischen Kongress der LO am 19. und 20. Oktober nach Allenstein ein.
Ergreifend und erheiternd, traurig und fröhlich verlief dann die Präsentation der Gruppenarbeiten. In einer Gruppe waren sechs Personen im Alter von 19 bis
76 Jahren, die entsprechend unterschiedliche Erfahrungen beschrieben. Immer wieder tauchte bei den Aussagen der ältesten Teilnehmer die Änderung der Namen durch die polnischen Behörden als Thema auf, ohne dass andere, gewalttätigere, aber auch schönere Erlebnisse zu kurz kamen. Gerade die mittlere Generation berichtete von jahrelangen Hänseleien in den Schulen. Besorgt beobachtet sie, dass diese Art der Behandlung von Minderheiten zuletzt im Alltag in Polen wieder zunimmt. Es war auch zu spüren, dass es noch viel mehr zu erzählen gegeben hätte, als es die Zeit der Arbeitstagung letzten Endes zuließ.
Die angenehme Atmosphäre der gut organisierten Veranstaltung, aber auch das sonnige, wenn auch kalte Frühlingswetter regten die Vertreter der deutschen Gesellschaften zur Mitarbeit an. Darüber hinaus hinterließen sie einen sehr positiven Eindruck und die Hoffnung darauf, dass die Arbeitstagung im kommenden Jahr ebenso gut werden wird.    
    Uwe Hahnkamp

Neuer Vorstand des VdGEM

Am 13. April fand in Sensburg im Sitz der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Bärentatze“ die diesjährige Versammlung der Delegierten der Mitgliedsorganisationen des Verbands der deutsche Gesellschaften in Ermland und Masuren (VdGEM) statt. Neben der Berichterstattung für das Jahr 2018 standen Neuwahlen zum Vorstand des Verbands auf dem Programm.
Als Vorsitzender für eine weitere Legislaturperiode wurde einstimmig Henryk Hoch, der Vorsitzende der Gesellschaft der Deutschen Minderheit „Tannen“ in Osterode, wiedergewählt. Im Vorstand gab es keine größeren Änderungen. Nach dem Willen der Delegierten setzen Monika Krzenzek aus Ortelsburg, Barbara Ruzewicz aus Lötzen, Irene Szubzda aus Lyck, Leon Kuck aus Hohenstein und Gerard Wichowski aus Heilsberg ihre Arbeit fort. Neu dabei ist mit Anna Czajkowska aus Osterode eine weitere junge Frau. Sie bringt Erfahrungen aus der Jugendarbeit und bei der Organisation von Projekten im Rahmen der Wiederbelebung der Begegnungsstätten der Deutschen Minderheit mit.
Hoch nutzte nach einem Dankeswort die Gelegenheit, die Mitglieder der Deutschen Minderheit zum Sommerfest einzuladen, das am 15. Juni zum ersten Mal in Heilsberg stattfinden wird. Einen Appell zur Unterstützung für den Unterricht in Deutsch als Minderheitensprache an den Schulen im südlichen Ostpreußen richtete Lech Kryszałowicz, der Redakteur des „Mitteilungsblattes“, der Monatsschrift des VdGEM, an die Anwesenden. Anträge für diesen zusätzlichen Unterricht sind an die jeweiligen Schuldirektoren zu richten, die bei entsprechender Anzahl von Anträgen diese Stunden einrichten müssen. Auf diese einfache Weise könne die Deutsche Minderheit diese Chance nutzen.     U.H.

 

Veröffentlicht am 10.05.2019
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