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555 mal Weihnachtsfreude

Hilfe für Bedürftige: Mit randvollem Opel Transporter fuhren Manfred Schukat und Friedhelm Schülke ins Memelland
Kleine Verschnaufpause für die beiden „Weihnachtsmänner“: Ein Abstecher auf den Rombinusberg mit wunderschönem Blick auf die Memel Bild: Schülke

Im Advent 2015 organisierten der Bund der Vertriebenen in Vorpommern und die Landsmannschaft Ostpreußen in Mecklenburg-Vorpommern zum fünften Mal die jährliche Aktion „Weihnachtspäckchen für Ostpreußen“. Zahlreiche Mitglieder und Freunde beider Verbände hatten 190 Päckchen gespendet, dazu noch über 3000 Euro – reichlicher als in den Vorjahren.
Die Anklamer Fleisch- und Wurstwaren GmbH in Relzow steuerte 400 große Dauerwürste bei. So kamen noch einmal 360 Weihnachtstüten mit Kaffee, Wurst, Stollen und Schokolade zusammen. Insgesamt hatten Manfred Schukat und Friedhelm Schülke vom Vorstand beider Vereine 550 Sendungen zu verstauen. Angesichts derlei Spendenfreude passte es gut, dass den traditionsreichen gelben VW-Bus nach 25 Jahren ein größerer Opel-Transporter abgelöst hatte.
Obwohl das ganze Unternehmen also bestens motorisiert war, gehören zu jedem echten Weihnachtsmärchen natürlich auch abenteuerliche Missgeschicke: Eine der beiden Fähren von Kiel nach Memel [Klaipëda] ins heutige Litauen war ausgefallen. Ein Tau hatte sich in der Schiffsschraube verfangen. Es gab 400 Meter Rückstau am Terminal, und so konnte der Transport erst vier Tage später starten. Da waren die Adventsfeiern der deutsch-litauischen Vereine in Memel und Heydekrug [Silutë] schon vorbei. Zudem standen bei ALDI-Nord in Kiel zwei Paletten mit Stollen und Schokolade zur Abholung bereit. Interne Telefonnummern gibt die Handelskette nicht preis – wie nun die Filiale erreichen? Doch die Ostpreußenfamilie ist groß und hilfsbereit – Hellmut Jucknat aus Kiel regelte das Problem vor Ort. Die letzten Stiegen passten jedoch nicht mehr in den Transporter, so mussten viele Stollen lose bis unter das Autodach verstaut werden.
Das erste Päckchen hatten Helfried und Elke Jakubowski aus Anklam gespendet – die letzten brachte Schwester Erna Dreyszas zum Fährterminal in Kiel. Ihr persönliches Reisegepäck verstauten die beiden „Weihnachtsmänner“ auf der Vorderbank.
So erreichte der Transport nach 22 Stunden ruhiger Überfahrt endlich Memel. In der evangelischen Diakoniestation Sandora wurde er von der Leiterin Magdalena Piklaps mit ihrem Helferstab schon erwartet. Es galt 300 Geschenksendungen auszuladen und nach einem festen Schlüssel zu verteilen. Nach wie vor sind viele Menschen im Memelland materiell nicht gut gestellt. In Heydekrug nahmen die Gruppenleiter des Vereins „Heide“ mit der Vorsitzenden Gerlinda Stunguriene 145 Präsente entgegen, um sie in der Stadt und den umliegenden Dörfern auszureichen. Unter vielen anderen wurde auch Alfred Užpurvis aus Kukoreiten mit einem Präsent seiner Schwester Heidi Duckwitz aus Ziethen bedacht, die leider nicht mitfahren konnte. Ein frohes Wiedersehen gab es auch mit Erika Rademacher in Kinten, Traute Bakutiene in Russ und Hannelore Menz in Jugnaten.
Je 30 weitere Sendungen erhielten die Diakonistation Sandora in Pogegen und die Pfarrersfamilie Ludwig und Elisabeth Feting in Plicken [Plikiai] bei Memel. Es blieb noch Zeit, um das Trakehner Gestüt Schillgallen bei Rucken zu besuchen, aber auch den Rombinus-Berg, das Denkmal der Wolfskinder in Mikieten sowie in Übermemel den neuen Grenzübergang nach Tilsit. Erkundet wurden auch Schreitlauken, Willkischken,
Wischwill, Tauroggen, Laugzargen, Nattkischken, Koadjuthen, Ramutten, Wannaggen und Dawillen – alles klingende Namen für geübte ostpreußische Ohren.
Am 3. Advent unternahmen beide Anklamer einen Ausflug auf die winterliche Kurische Nehrung nach Nidden mit zehn Kilometern Fußmarsch auf die riesige Parniddener Wanderdüne. Am Ostseestrand ging es neben ganz frischen Elchspuren entlang. Abends wurden die Reisenden von Magdalena Piklaps erwartet, die sich mit einem festlichen gemeinsamen Abendessen bedankte.
Eine letzte Bescherung gab es dann im deutsch-litauischen Hermann-Sudermann-Gymnasium Memel am folgenden „Adventsmontag“, der dort nach jedem der vier Adventssonntage begangen wird. Nach der ersten Stunde versammelten sich alle 550 Schüler in der großen Aula zum gemeinsamen Singen. Die Schuldirektorin Jolita Andrijauskiene und Musiklehrerin Asta empfingen hoch erfreut die der Schule zugedachten Geschenke.
Bis zur Fährabfahrt blieb dann noch etwas Zeit für die 553. Weih-nachtsüberraschung – ein bewegender Besuch im Universitätsklinikum Memel bei Renate Grigoleit aus Jugnaten, die gerade eine schwere Tumor-Operation überstanden hatte. Als letzte Beschenkte (Nr. 554 + 555) fühlten sich die beiden Überbringer praktisch selbst – das war ihr persönliches Weihnachten 2015, denn sie kehrten aus dem Memelland voller wunderbarer Eindrücke zurück.
Die Fährüberfahrt verlief ruhig und ausgesprochen pünktlich. Der Transporter war zwar augenscheinlich leer und aber dennoch bis zum Rand angefüllt: Mit dem Dank der Empfänger an die vielen Spender, ohne die dieses Unternehmen nicht möglich wäre.     Friedhelm Schülke

Veröffentlicht am 13.01.2016
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