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Fluch und Segen großer Beliebtheit

Besucheransturm auf die Kurische Nehrung – Marode Infrastruktur und Unachtsamkeit der Besucher führen zu Problemen
Mal kurz zum Baden auf die Nehrung: 14 Moskauer Ausflügler kamen per Helikopter Bild: J.T.

Die Kurische Nehrung ist ein Ort, der als Touristenattraktion des Königsberger Gebiets immer beliebter wird, doch mit dem Touristenansturm häufen sich auch die Probleme.
 
Viele stellen sich die Frage, wie es der Perle der Ostsee angesichts des Touristenansturms geht und wohin die Kurische Nehrung sich entwickeln wird. Am Zugang zum Nationalpark herrschen bereits am Kontrollpunkt Chaos und Aufregung. Autos stehen stundenlang Schlange, um in den Nationalpark Kurische Nehrung eingelassen zu werden. Das System, nach dem Autos in den Nationalpark hereingelassen werden, ist weit davon entfernt, optimal zu sein. Alles geht genauso wie vor 20 oder 30 Jahren, als die Zahl der Pkws, die auf die Kurische Nehrung fuhren, noch deutlich geringer war. Um Zugang zum Nationalpark zu erhalten, muss man zuvor einen sogenannten Umweltbeitrag in Höhe von umgerechnet rund vier Euro pro Fahrzeug und 2,10 Euro pro Person entrichten. Zunächst muss man das Auto verlassen, um sich zum  Kassenhäuschen zu begeben, vor dem sich ebenfalls lange Schlangen bilden. Hat man sein Ticket endlich erhalten, kehrt man zum Auto zurück und fährt bis zum Schlagbaum. Das heißt, während des Bezahlvorgangs hat das Fahrzeug die ganze Zeit den Weg blockiert.
Viel einfacher hat man das Problem bei der Bahn für die Fahrt von Königsberg nach Cranz gelöst: Während der Hauptsaison wurden Fahrkarten nicht nur an der Kasse, sondern auch bei Schaffnern auf dem Bahnsteig verkauft, die über mobile Registrierkassen Fahrkarten in Sekundenschnelle ausdruckten. Die Schaffner gingen am Bahnsteig entlang und verkauften die Fahrkarten ohne lange Schlangen.
Die Leitung des Nationalparks begründet das Fehlen eines solchen Systems damit, dass das Finanzamt dies nicht gestatte. Warum es der Bahn erlaubt sein soll und dem Nationalpark nicht, bleibt unverständlich.
Weil es so viele Beschwerden wegen der langen Schlangen an der Zufahrt zur Kurischen Nehrung gab, hat Gouverneur Anton Alichanow reagiert. Er schlug vor, ein automatisches System für die Zufahrt einzurichten, das wohl aber erst im kommenden Jahr eingeführt wird.
Nicht nur die Zahl der Personenkraftwagen nimmt zu, sondern auch die der Busse Richtung Kurische Nehrung. Ihre berühmten Dünen werden stark beworben. Inzwischen wollen nicht nur Touristen aus dem Westen diesen Ort besuchen, sondern zunehmend auch Russen.
Dabei hat sich die Infrastruktur auf der Kurischen Nehrung in den vergangenen zehn Jahren nicht geändert. Sie ist nicht nur unverändert geblieben, sondern befindet sich weithin im Verfallsstadium. Das betrifft ebenso die Siedlungen wie auch den Nationalpark selbst. Allein die große Zahl von Verkaufsstellen springt ins Auge, die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind. An Sehenswürdigkeiten wie der Düne Epha beispielsweise und beim „tanzenden Wald“ gibt es Dutzende Kioske, Pavillons und Cafés, in denen man Souvenirs sowie Speisen und Getränke kaufen kann zu Preisen, die doppelt so hoch sind wie in Königsberg.
War die Düne Epha schon immer ein touristischer Anziehungspunkt, so hat der „tanzende Wald“ erst in den letzten Jahren  an Popularität gewonnen. Dabei waren die Kiefern mit den zu Kreisen gewundenen Stämmen schon immer dort und hatten bislang keine große Aufmerksamkeit erregt. Erst durch die Werbekampagnen der Reiseunternehmen gibt es dort nun Massentourismus. Ein Teil der Bäume ist aufgrund der Unachtsamkeit der Besucher bereits abgestorben. Im Grunde genommen sind die Kiefern an dieser Stelle der Kurischen Nehrung nichts Außergewöhnliches, es gibt sie auch an anderen Orten, für die sich aber bislang niemand interessiert hat.
Eine ruhige und fast abgeschiedene Ecke der Nehrung ist das Museum, das sich 14 Kilometer vom Nationalparkeingang entfernt befindet. Es gibt jetzt eine umfangreiche Freiluftausstellung, die auf Kosten der Europäischen Union entstanden ist und die davon erzählt, wie die Stämme der Kurischen Nehrung hier gelebt haben und was sie im Mittelalter getan haben. Dort befindet sich eine Rekonstruktion der uralten Siedlungen und Befestigungsanlagen, in denen die Menschen früher lebten.
Wie ehemals, sind die außergewöhnlichen, sauberen, breiten und fast menschenleeren Sandstrände bemerkenswert. Ihretwegen lohnt es sich immer wieder herzukommen, um sich von der Stadt zu erholen. Solche Orte gibt es sonst fast nirgendwo an der Ostsee. Es ist nicht verwunderlich, dass wohlhabende Moskauer nicht nur bereit sind, weite Wege auf sich zu nehmen, um die Kurische Nehrung zu sehen. Manche fliegen ihr buchstäblich zu. So kommt es gelegentlich vor, dass die Ruhe der Badenden von Hubschrauberlärm gestört wird, wie kürzlich geschehen, als plötzlich drei Hubschrauber auftauchten, die entlang der Küste flogen, um dann steil abzustürzen und direkt am Strand von Pillkoppen [Morskoje] unter den erstaunten Urlaubern zu landen, nur zwei Kilometer von der Staatsgrenze zu Litauen entfernt.
„Was ist passiert?“, fragten sich die besorgten Badegäste. Einige dachten, es sei eine militärische Übung, andere glaubten, es handele sich um eine feindliche Flugzeugattacke. Die Auflösung war denkbar banal: Es waren Moskauer, die zum Baden und Sonnen an einem tollen Strand auf der Kurischen Nehrung hergeflogen waren. Drei Hubschrauber mit 14 Passagieren an Bord hatten einen Ausflug von Moskau an die Ostsee unternommen über zwei Staatsgrenzen hinweg mit nur einer einzigen Tankfüllung.
Das alles, weil die Kurische Nehrung so „in“ ist. Und in der Tat: Vergisst man den schwierigen Zugang und die Menschenmengen und begibt sich an einen weniger stark frequentierten Ort, bietet der Nationalpark ausschließlich positive Eindrücke.
    Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 16.10.2019
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