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Jubiläum ohne Feier

Geplante Veranstaltungen zum Saisonbeginn fielen der Corona-Pandemie zum Opfer
Am ersten Juniwochenende beginnt in Rauschen die Sommersaison: Feierlichkeiten mit Verkleidung gehören zu den Höhepunkten des Tages Foto: J.T.

Von Jurij Tschernyschew

Rauschen, der Ferienort von föderaler Bedeutung, begeht in diesem Jahr eigentlich sein 200. Jubiläum. Zur Saisoneröffnung, die jährlich am ersten Juniwochenende gefeiert wird, hatten Initiatoren der Tourismusbranche verschiedene Veranstaltungen geplant, die aber infolge der Corona-Pandemie alle abgesagt werden mussten.
Zum Saisonstart finden in Rauschen für gewöhnlich verschiedene Feiern und Aktivitäten statt. Rauschens Bevölkerung wächst dann sprunghaft an, da zahlreiche Touristen aus der Ferne und Menschen aus anderen Städten des Königsberger Gebiets hierher kommen, um die Wochenenden an der Ostsee zu verbringen.
Menschenmassen an Wochenenden
Historischen Quellen zufolge existierte 1258 an der Stelle Rauschens [Swetlogorsk] ein winziges Dorf namens Rusemoter (prußisch für vom Wasser ausgehöhlte Küstenform). Damals bestand es aus ein paar Fischerhäusern in der Nähe des Flusses Ruse [Swetlogorka]. Im Laufe der Zeit sind in der Nähe des Mühlenteichs, dem heutigen Stillen See, weitere Wohngebäude entstanden. Die Dorfbewohner beschäftigten sich mit Fischfang, Jagd und Landwirtschaft.
Als 1458 Baron Albrecht von Rawschen ein Grundstück im Rusemoter-Gebiet übernahm, wurde das Dorf unter dem Namen Rauschen bekannt („Rauschen“ – „lärmend, rauschend“). Nach der Umbenennung des Dorfes hatte sich wenig geändert, abgesehen davon, dass im 15. Jahrhundert ein Damm am See errichtet und eine Wassermühle gebaut wurden. Ansonsten ging das Leben in gewohnter Weise weiter. Mehrere Jahrhunderte lang war Rauschen daher ein kleines Fischerdorf mit etwas mehr als einem Dutzend Häusern.
Das Aussehen dieses Ortes änderte sich erst Anfang des 19. Jahrhunderts allmählich. Damals wurden die Bewohner von Königsberg, die sich in der Natur erholen wollten, auf die eigentümliche Schönheit der Ostsee-Orte aufmerksam. Bald wurde das erste Gasthaus in der Nähe des Sees eröffnet. Diese Änderungen führten dazu, dass Rauschen vor 200 Jahren, am 24. Juni 1820, offiziell als Kurort anerkannt wurde.
Bald entstanden die ersten hölzernen Gästehäuser, und Rauschen wurde auch außerhalb Ostpreußens bekannt. 1840 besuchte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Kurort. Er war von dessen Schönheit begeistert und erteilte nach seiner Abreise den Befehl, einen Wald um den See herum und weiter bis zum Meer zu pflanzen. Immer mehr Urlauber kamen, sowohl aus Ostpreußen als auch aus ganz Europa. Ende des 19. Jahrhunderts verdrängten steinerne Herrenhäuser nach und nach die hölzernen Gebäude. Es entwickelte sich eine vollständige touristische Infrastruktur. 1945 blieb Rauschen fast unversehrt. Nach dem Krieg blieb die Stadt ein Kurort, ein Wassertherapiezentrum und einer der berühmtesten Erholungsorte an der Ostseeküste.
In der Stadt wurde das Zentrale Militärsanatorium eingerichtet. Viele Gebäude alter Pensionen und Privatvillen wurden an das Verteidigungsministerium übergeben. Aufgrund dieser Tatsache hatte die Stadt keine Schwierigkeiten mit der Finanzierung, die Infrastruktur wurde ständig weiterentwickelt und verbessert. Der sowjetische Stil harmonierte überraschend mit den alten Fachwerkhäusern. Das Hauptkontingent der Urlauber waren Offiziere und ihre Familien. Und 1999 wurde der Stadt der Status eines Erholungsortes von föderaler Bedeutung verliehen. Dieser Status ermöglicht es den Resorts, zusätzliche Mittel aus dem Bundeshaushalt für die Entwicklung der Infrastruktur zu erhalten. Unter dem Gesichtspunkt der Imagepflege ist der Status eines föderalen Erholungsortes von großer Bedeutung, da nur wenige Orte in der gesamten Russischen Föderation einen solchen Status haben. Heute ist Rauschen ein Bäderkurort, in dem saubere Luft, das Fehlen von Industriebetrieben sowie das Meerwasser zwölf Monate im Jahr Touristen anlocken. Die wichtigsten gesundheitsfördernden Faktoren in Rauschen sind Mineralwasser und Heilschlamm.
Fast jedes Jahr erscheinen in dem Kurort neue Einrichtungen. Vor einigen Jahren wurde das Varieté-Theater „Bernsteinhalle“ eröffnet (die PAZ berichtete), ein Kultur- und Freizeitzentrum. Es gibt eine Zweigstelle des Königsberger Ozeanmuseums, ein Kino, viele Restaurants und Cafés sowie ein Kinderspielzimmer und Souvenirläden. Die Stadt expandiert rasch, und neue Grundstücke rund um den Stillen See sowie in Richtung Königsberg werden aktiv erschlossen. Und erst kürzlich entstand ein neues Wohngebiet nahe der Ostseeküste östlich der Stadt in Richtung Neukuhren.
Rauschen zählt heute zu den meistbesuchten Orten in der Region und ist ein obligatorischer Bestandteil aller Reisen in das Königsberger Gebiet.

Veröffentlicht am 22.07.2020
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