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Kulturstreit um »Familie Homlin«

Königsberger Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche wittert Gefahr – Bürger verteidigen die Skulpturen
Honigbrücke in Königsberg: Großvater Homlin ist kein Heide, er trägt ein Bernsteinkreuz Bild: J.T.

Eine Provinzposse erhitzt in Königsberg derzeit die Gemüter: Mit Unterstützung des Kulturministeriums wurden in der Nähe von Sehenswürdigkeiten der Stadt sogenannte Homlin-Figuren aufgestellt. Dagegen läuft die Russisch-Orthodoxe Kirche Sturm. Gegen die Kirche wandten sich wiederum zahlreiche Bürger über die sozialen Medien.

Eine ungewöhnliche Geschichte hat in der Königsberger Öffentlichkeit Fahrt aufgenommen. Die Russisch-Orthodoxe Kirche und Bürger streiten um Homlin-Figuren, Darstellungen von guten Geistern.  Im vergangenen Sommer wurde die erste dieser  Miniskulpturen auf der Honigbrücke auf dem Kneiphof aufgestellt. Es ist eine Arbeit des Künstlers Andrej Sledkow, der auch an der Entstehung des Alexander-Newskij-Denkmals beteiligt war.
Das Wort „Homlin“ basiert auf dem Wort „Heim“. Laut der Legende arbeitet ein Homlin, der äußerlich einem Kobold ähnelt, sein ganzes Leben lang und stellt einzigartige Produkte aus Bernstein her. Der Homlin auf der Honigbrücke wird liebevoll Karl genannt. In den vergangenen Monaten haben sich die Vorbeigehenden an seinem Anblick erfreut. Von Zeit zu Zeit haben sie ihm eine Kappe aufgesetzt oder einen Schal umgebunden.
Damit Großvater Homlin sich nicht einsam fühlt, wurde eine weitere Skulptur aufgestellt. Sie befindet sich in der Nähe des Bernsteinmuseums in einer der Schießscharten des Dohna-Turms rechts vom Museums-Eingang. Es handelt sich um Großmutter Homlin. Bald sollten die beiden zwei Kinder und drei Enkel erhalten, welche die verschiedenen Sehenswürdigkeiten der Stadt zieren sollten.
Doch nun droht der Initiative Unheil: Die Königsberger Diözese der orthodoxen Kirche stellte in den Figuren von Großmutter und Großvater Homlin einen Zusammenhang mit dem Heidentum fest und rief dazu auf, ihre Förderung als touristisches Markenzeichen Königsbergs zu stoppen. Ein  entsprechendes Schreiben, unterzeichnet von Erzbischof Serafim, wurde bereits an die Adresse des Gouverneurs Anton Alichanow gerichtet: „Wir glauben, dass das Bild der Homlins einen direkten Bezug zu Kobolden trägt und ein Neo-Heidentum in der Region fördert, was einen negativen Einfluss auf die Entwicklung der nationalen Kultur in der Region hat und das kulturelle Erbe durchkreuzt, das sich unter dem Einfluss des Christentums gebildet hat. All dies versetzt uns zurück in die dunklen Zeiten des Heidentums.“
Unterstützung erhielt Erzbischof Serafim ausgerechnet von einer kommunistischen Abgeordeneten der Gebietsduma, Jekaterina Koroljowa. Sie forderte den Gouverneur auf, die Gründe für die Platzierung der Figuren zu überprüfen und sie zu demontieren, falls sie illegal aufgestellt wurden.
Das regionale Kulturministerium erklärte, dass die Aufstellung der Skulpturen mit ihm koordiniert worden sei, und bezeichnete die Homlin-Skulpturen als unterhaltend und geeignet, Touristen anzuziehen. Als die Ideengeberin  für die Skulpturen von dem Widerstand hörte, erklärte sie, dass die geplante Aufstellung einer neuen Homlin-Figur nun fraglich geworden sei: „Der dritte Homlin ist fertig. Wir wollten ihn aufstellen. Aber jetzt warten wir, bis die Geschichte sich beruhigt hat. Wir wollten etwas Gutes und Kleines machen. Und nun so etwas. Die Figuren wurden rechtmäßig aufgestellt. Wir besitzen alle Dokumente. Das Kulturministerium hat unser Projekt unterstützt, ihm gefielen die Charaktere, eine gute Geschichte. Wir hatten weder heidnische noch politische Hintergedanken.“
Den Stadtbewohnern gefallen die kleinen Skulpturen, und sie sind bereit, sie zu verteidigen. Kurz nach Serafims  Erklärung trug Großvater Homlin plötzlich ein Kreuz aus Bernstein. Der Bürger, der ihn angehängt hatte, sagte, er wolle den Homlin „vor dem Delirium der Russisch-Orthodoxen Kirche und der Kommunisten schützen“.
Nach einigen Tagen war jedoch das Bernsteinkreuz verschwunden, und stattdessen trug Karl einen roten Pullover. Gleichzeitig startete in den sozialen Medien ein sogenannter Flashmob mit dem Titel „Rührt die Homlins nicht an“. Beiträge mit entsprechendem Inhalt waren auf Instagram, Facebook und Vkontakte erschienen. Die Städter fotografierten die Homlin-Figuren und setzen sie auf ihre Seiten mit Kommentaren, dass sie auf diese Weise gegen eine mögliche Demontage protestierten.
     Jurij Tschernyschew

Veröffentlicht am 17.04.2019
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