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O-Busse im Museum der Moderne

Neue Ausstellung im ehemaligen Allensteiner Bus-Depot eröffnet
Als Museum zu neuem Leben erweckt: Ehemaliges O-Bus-Depot in Allenstein Bild: U.H.

80 Jahre ist es her, da starteten in Allenstein neue öffentliche Transportmittel – die Trolleybusse. 30 Jahre später wurden sie wieder abgeschafft. Über ihre Geschichte gibt es jetzt eine Ausstellung im neu eröffneten zweiten Teil des Museums der Moderne, dem frisch renovierten Depot für die Oberleitungsbusse (O-Busse) aus dem Jahr 1942.
 
Nach der Einstellung der sogenannten Trolleybuslinien in Allenstein mit der letzten Fahrt am 31. Juli 1971 und der Straßenbahnen einige Jahre zuvor wurden die Depots für die Fahrzeuge überflüssig. Das eine Depot an der Gartenstraße [ulica Knosały] ist jetzt das Straßenverkehrsamt der Stadt Allenstein, das zweite direkt dahinter liegende Gebäude verfiel mit den Jahren. Jetzt wurde es unter anderem mit Mitteln der Europäischen Union entkernt, einige im Laufe der Zeit angebaute Räume abgerissen und der zentrale Bau renoviert. Daraus wurde eine Ausstellungshalle als Erweiterung des daneben befindlichen Museums der Moderne des Städtischen Kulturzentrums im früheren Sägewerk der Gebrüder Raphaelson, die Anfang Juli eröffnet wurde.
Die Rettung des Depots ist einer Initiative der Bürger der Stadt Allenstein und den Aktivitäten der Stadtverwaltung im Viertel an der Schleife der Alle zu verdanken. „Man sieht einmal mehr – nach der Rettung des früheren Sägewerks, – dass sich ein Einsatz für das kulturelle Erbe lohnt“, freut sich Rafał Betkowski vom Museum der Moderne über das zweite Gebäude der Einrichtung. Er und sein Kollege Artur Sobiela haben zur Eröffnung und passend zur früheren Nutzung der Halle eine Ausstellung über die Geschichte der O-Busse und ihre Zeit in Allenstein gestaltet. Auch das ehemalige Sägewerk sei bereits mit den Trolleybussen verbunden gewesen, so Betkowski: „Es gibt hier Spuren von Geräten zur Reparatur der Fahrzeuge, und zwischen den Gebäuden stehen noch zwei Masten für die Oberleitung.“ Weitere Masten als Reste des Systems der O-Busse sind beim Jakobsfriedhof direkt hinter der Überführung über die Eisenbahn am Beginn der heutigen ulica Wojska Polskiego (früher Adolf-Hitler-Allee) zu finden.
Das erste Kapitel der Ausstellung widmet sich den Anfängen der Trolleybusse. Bereits vor dem ersten modernen Auto, im Jahr 1882, war ein solches Fahrzeug in Berlin unterwegs, das von Werner von Siemens entwickelt worden war. Wegen der damaligen Straßenverhältnisse und der stählernen Reifen der Wagen sprangen häufig die Halterungen von der Oberleitung. Praktisch anwendbar wurden die O-Busse erst nach dem Ersten Weltkrieg mit glatten Straßenbelägen, pneumatischen Reifen und der Übernahme der Aufhängung der Straßenbahnen, durch die die Fahrzeuge viel beweglicher wurden.
Breslau startete sein System 1912, Posen folgte 1930. „Die Posener Busse waren in England gebaut, aus Holz konstruiert und sahen ein wenig Booten ähnlich“, beschreibt Betkowski die damaligen Trolleybusse.
Allenstein war 1939 die dritte Stadt in den heutigen polnischen Grenzen, die im öffentlichen Nahverkehr O-Busse einsetzte. Der erste Bus der Linie 2 vom Bahnhof über die Kleebergerstraße und den Langemarckplatz zur Masurensiedlung fuhr am 1. September 1939, etwa 14 Tage später folgte die Linie 1 vom Verkehrsknotenpunkt Langemarckplatz über die Hohensteiner und die Richthofenstraße zur Kaserne an der heutigen ulica Warszawska. Die Linie 3 ersetzte im Jahr 1943 die Straßenbahn vom Rathaus in Richtung Jakobsberg. Gefahren wurden die Fahrzeuge bis zur Einstellung des Betriebs am 22. Januar 1945 wegen des Zweiten Weltkriegs von Frauen, aber auch nach der Wiederaufnahme des Trolleybusverkehrs am 10. Dezember 1946 waren viele Frauen als Fahrer beschäftigt. Die deutschen Busse selber hatten beim Einmarsch der Roten Armee nicht gelitten, auch nach 1945 fuhren Fahrzeuge von Büssing und NAG, Siemens und MAN auf den Straßen der Stadt. Erst ab 1958 wurden Trolleybusse von Škoda eingeführt.
 „Die Trolleybusse wurden später reaktiviert als die Straßenbahnen“, erklärt Artur Sobiela, „es war eben einfacher, eine Oberleitung zu reparieren als zwei. Dann orientierte sich die Planung bei den ersten beiden Linien an der deutschen Linienführung.“ Neu waren die Linie 3 von Zatorze nach Kortau [Kortowo] und die Linie 4 von der Masurensiedlung nach Zatorze. Mit der Zeit litten die Fahrzeuge Altersschwäche, fallende Bügel und andere Havarien führten zu Verspätungen und Überfüllungen der Trolleybusse. Die Fahrgäste hatten eine zunehmend schlechtere Meinung von   ihnen, und 1969 folgte die Stadt Allenstein der allgemeinen europäischen Strömung der Umstellung auf Autobusse. Der letzte Trolleybus fuhr am 31. Juli 1971. Pläne zur Wiederaufnahme ihres Betriebs in den Jahren 1981 – und mit westlicher Unterstützung 1996 – scheiterten. Überlebt haben die Trolleybusse in Polen nur in Gdingen, Lublin und Tichau. Ihre Depots in Allenstein sind erhalten geblieben und jetzt kehrten sie zumindest als Ausstellung wieder dorthin zurück.
    Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 28.08.2019
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