Sie sind hier: Ostpreußen
Donnerstag, 14. November 2019

Bildarchiv Ostpreußen

(Zum Vergrößern klicken)

Hier geht's zum Bildarchiv...

Ostpreußen Kalender

November
Mo Di Mi Do Fr Sa So
44 28 29 30 31 1 2 3
45 4 5 6 7 8 9 10
46 11 12 13 14 15 16 17
47 18 19 20 21 22 23 24
48 25 26 27 28 29 30 1

(Klicken Sie auf einen Tag, um die Veranstaltungen zu sehen)

Rastenburg zeichnet Arno Surminski aus

Der aus Jäglack stammende Autor setzt sich für die Aussöhnung von Deutschen und Polen ein – Ostpreußen lebt in seinen Werken
Bei seiner Dankesrede für die erhaltene Auszeichnung für seine Verdienste um Rastenburg: Der erfolgreiche ostpreußische Autor Arno Surminski Bild: U.H.

Im Rahmen eines Festakts mit anschließender Autorenlesung in der Stadtbibliothek von Rastenburg in der früheren Freimaurerloge der Stadt wurde Arno Surminski am 7. Oktober mit der Auszeichnung „Verdient um den Kreis Rastenburg“ geehrt.

Damit erhielt der Schriftsteller nach der Medaille für Verdienste um die Woiwodschaft Ermland-Masuren, die er 2011 bekam, nun Anstecker und Statuette von seiner Geburtsregion überreicht. Denn viele seiner über 30 Werke spielen in ostpreußischen Landschaften, überwiegend des Kreises Rastenburg, die dadurch weit über die Grenzen hinaus bekannt wurden.
Für den Landkreis Rastenburg seien diese literarische Aktivität von Arno Surminski und sein Einsatz für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschen wichtig, so Stanisław Tarasewicz. Er ist Vorsitzender der Arno-Holz-Gesellschaft für deutsch-polnische Verständigung in Rastenburg, die gemeinsam mit dem evangelischen Bischof der Diözese Masuren, Paweł Hause, die Ehrung für Surminski beim Landratsamt beantragt hat. Wie der Landrat des Kreises Rastenburg, Michał Kochanowski, beim Überreichen der Ehrung erklärte, gab es für den Rat des Kreises kein Zögern über die Vergabe der Auszeichnung an den 1934 in Jäglack [Jegławki] geborenen Autor. Die Ratsvorsitzende Urszula Baraniecka ließ es sich denn auch nicht nehmen, persönlich die Urkunde zur Ehrung vorzutragen.
Der Woiwode von Ermland-Masuren, Artur Chojecki, erinnerte in seiner Ansprache an die Geschichte der deutsch-polnischen Versöhnung mit dem Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Amtsbrüder und später die Ereignisse in Kreisau: „Ohne Menschen wie Arno Surminski, die diese Vereinbarungen mit Leben füllen, wären es nur Meilensteine ohne Wirkung geblieben.“ Wie wichtig die Auszeichnung für die deutsche Diplomatie in Polen war, zeigt die Anwesenheit sowohl von Friedrun Keltsch-Raczka vom Generalkonsulat der Bundesrepublik Deutschland in Danzig als auch Harald Kobsa aus der Botschaft in Warschau. Kobsa betonte in seinem Grußwort, dass er aber nicht nur als Vertreter der deutschen Botschaft, sondern auch als Privatmann und Germanist gekommen sei: „Schon 1986 konnte ich Arno Surminski an die junge Germanistik in Stettin zu einer
Diskussion über den Begriff Heimat einladen. Die Gespräche bei einem Besuch bei ihm in Hamburg ein Jahr später sind dann in das Vorwort der polnischen Ausgabe von ,Polninken oder Eine deutsche Liebe‘ eingeflossen.“ Als Mitarbeiter der Abteilung für Auszeichnungen hatte er Jahre später eine Anfrage zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Surminski zu bearbeiten. „Als ich jetzt von dieser weiteren Ehrung erfahren habe, konnte ich nicht anders, als heute zu kommen“, beendete er seine persönlichen Worte an den Laureaten.
Während Kobsa in seiner Rede immer wieder zwischen Polnisch und Deutsch wechselte, hat Surminski bis heute mit der polnischen Sprache seine Probleme. „Ich habe heute so viele freundliche Äußerungen gehört, von denen ich kaum ein Wort verstanden habe“, äußerte er mit trockenem Humor, „vielleicht hätte ich doch meine Frau Traute nicht allein Polnisch lernen lassen sollen.“ Dieser Humor zeigt sich etwa auch in seiner Erzählung „Paradies“, die er bei der Autorenlesung nach der Ehrung vortrug, in der er den Helden ins Heilige Land reisen lässt, um dort mit dem Erzengel Gabriel über das Paradies zu diskutieren. Aus der Beschreibung lässt sich später unschwer erkennen, dass es sich dabei um das – fiktive – Dorf Kallischken handelt, aus dem der Held stammt. Ebenso sind in „Jokehnen oder wie lange fährt man von Ostpreußen nach Deutschland?“ oder „Polninken“, aus denen Surminski ebenfalls las, zwar die Orte fiktiv, die Landschaften jedoch eindeutig ostpreußisch und meist rastenburgisch. Die Wahl des Hintergrunds erklärt er selber so: „Ich kann nur gute Bücher schreiben, wenn ich die Gegend kenne, in der sie spielen. Diese hier kenne ich aus meiner Kindheit.“ So sind, wie er zu Recht stolz feststellt, „viele Orte hier und die Stadt Rastenburg selber in die Literaturgeschichte eingegangen“. Und daher erhielt er jetzt auch die Auszeichnung „Verdient um den Kreis Rastenburg“ von dem Landkreis, der ihm nach dem Verlust seiner Familie und damit seiner Heimat durch Freunde und Bekannte wieder wichtig wurde. Denn, wie Arno Surminski einmal sagte: „Heimat ist eines der schönsten Worte der deutschen Sprache. Sie ist jedoch kein Ort, sondern dort, wo meine Nächsten sind.“
    Uwe Hahnkamp

Veröffentlicht am 23.10.2019
Testen Sie die PAZ!

Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 
Zurück